«Jetzt strahlen wir wieder»: Wie Angestellte und Kunden auf die Rettung des «Himmels» reagieren

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Grosse Erleichterung: Eine «Himmel»-Mitarbeiterin am Samstag in der Hauptfiliale am Badener Bahnhofplatz. DVI Zur Verfügung gestellt

Dominik Frei, Inhaber der Bäckerei Frei aus Nussbaumen, übernimmt den Betrieb des knapp 170-jährigen Caféhauses Himmel beim Bahnhof Baden samt seiner Backstube im Keller und den beiden Filialen im Langhaus und an der Wettinger Landstrasse.

Am Wochenende trat Frei im «Himmel» vor die Medien und stellte sich zudem persönlich den Kunden vor, hörte dabei immer wieder Komplimente. «Sind Sie der gleiche Frei, der die Confiserie Freya in Wettingen übernommen hat? Das freut mich sehr, ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg», sagte ihm dabei etwa eine Kundin. Weitere bedankten sich bei ihm für die Rettung ihres Lieblingscafés. Dominik Frei seinerseits versprach ihnen, alles daranzusetzen, dass der «Himmel» weiterlebt.

Informiert im «Roten Turm»

Am Abend zuvor hatte er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Übernahme des laufenden Betriebs informiert. Dafür wurden sie ins Restaurant Roter Turm eingeladen samt Apéro, um sich besser kennen zu lernen.

Die Anspannung sei gross gewesen in den letzten zwei Wochen, entsprechend erleichtert gaben sich nun die Mitarbeiterinnen, die nach der frohen Botschaft offenbar auch Tränen vergossen, wie sie erzählten. «Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen», sagte eine von ihnen am Samstag hinter der Theke des «Himmel».

Nicht nur wegen der drohenden Arbeitslosigkeit, sondern «vor allem, weil mir die Arbeit hier sehr gut gefällt. Wir sind ein tolles Team.» Auf den Punkt brachte es eine weitere Mitarbeiterin: «Jetzt strahlen wir wieder.»

Dominik Frei hörte sich die Aussagen mit Genugtuung an, er zeigte sich ebenfalls sehr glücklich. Als eine Kundin an der Theke nach Amaretti fragte und die Angestellte sagte, sie hätten keine mehr, sagte er sichtlich gut gelaunt: «Oh, hätte ich welche aus Nussbaumen mitbringen sollen?»

Im Gespräch gab er die einen oder anderen Ideen für das traditionsreiche Caféhaus bekannt, insbesondere das Brotgestell dürfe «noch ein wenig wachsen». Dafür würden vielleicht künftig die einen oder anderen beliebten «Himmel»-Produkte in den Frei-Filialen erhältlich sein.

Die Produktion in Baden jedenfalls werde in den nächsten sechs Monaten sicher mal weitergeführt. Das Ziel sei aber nicht nur ein Bewahren des Bisherigen. Eher vielleicht ein «be-Frei-en», wie er humorvoll sagte. Er bestand aber darauf, dass er sich nicht als Retter sehe. Nebst der guten Option, in der Badener Innenstadt Fuss zu fassen, sei die Übernahme des «Himmels» für ihn eine Herzensangelegenheit und auch Ehre.

Die Kunden ihrerseits reagierten mit viel Enthusiasmus. «Ich bin sehr glücklich», sagte etwa eine Kundin in der Hauptfiliale in Baden. In Wettingen aufgewachsen, sei sie schon als Kind jeweils am Samstag in den «Himmel» gegangen, um Gipfeli zu holen. Gerade diese aber seien «am Schluss nicht mehr so der Hit» gewesen, gab sie zu, auch der Kaffee nicht. Freude habe sie deshalb am Nachfolger Frei, dessen Produkte sie von anderen Filialen her kenne.

Ähnlich sah es auch eine Dame aus Rütihof, wo die Bäckerei Frei die Brote für den lokalen Supermarkt liefert. «Der ‹Frei› ist auf jeden Fall eine gute Lösung, Senior Toni Frei kenne ich persönlich, das Café im Markthof in Nussbaumen etwa gefällt mir sehr.»

Grosse Innovationen am Café Himmel in Baden wünschen sich die Gäste jedoch offenbar nicht. Ein junges Paar, das weiter hinten im Saal sass, sagte zwar, dass sich das Café schon seit je kaum verändert habe. «Doch gerade das macht den ‹Himmel› ja aus.

In Baden kennen alle den ‹Himmel› so, wie er ist.» Ein älterer Herr, der am Fenster sass, ging am Samstag eigens in den «Himmel», weil er dachte, dass es das letzte Mal sein könnte. Die gute Nachricht erfuhr er dann vor Ort: «Von mir aus kann alles so bleiben, wie es ist.»

In der «Himmel»-Filiale «Bijou» in Wettingen zeigten sich die Gäste ebenfalls erleichtert. «Wir wären sehr traurig gewesen, wenn das Café zugegangen wäre», sagte ein Paar, das sich als Stammgäste bezeichnet. Ein anderes Paar hingegen erzählt, sie hätten nicht ernsthaft daran geglaubt, dass der «Himmel» wirklich zugehe. «Das wäre doch etwas für ‹den Frei›», hätten sie sich tatsächlich gedacht.

Von der gefundenen Lösung seien sie nun erfreut, sie fragten sich aber, ob die Bäckerei Frei tatsächlich zwei Cafés an der Wettinger Landstrasse führen wolle. Dominik Frei sagt dazu: «Das grosse Dorf Wettingen hat Potenzial für zwei ‹Frei›-Verkaufsstellen und Cafés.»

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