Die Währung der Neuzeit sind Daten

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Weshalb werden wir an den Kassen der Grossverteiler konsequent nach unserer Kundenkarte gefragt? Aus Nächstenliebe, damit wir einen Rabatt in der Grössenordnung eines Prozents nicht verwirken? Glauben Sie, dass in unserer Wirtschaftswelt irgendetwas umsonst ist? Die Zeit der anonymen Rabattmärkli und ihrer Büchlein ist längst passé. Es geht um unsere Daten – sie sind die Währung des Digitalzeitalters. Was wir wo und in welchen Mengen gekauft haben, ist für den Unternehmer wertvolle Information – die er zu Geld machen kann. Dazu gibt man seine Zustimmung, wenn man die Boni und Rabatte haben will, das Kleingedruckte zur Karte akzeptiert hat.

Auch Airlines und andere Transportunternehmungen sind heiss auf Kundendaten. Wer einen Flug im Internet bucht, liefert persönliche Informationen, und das kann teuer werden. Gemeint ist das «Dynamic Pricing», auf das in Zukunft auch die SBB setzen wollen. Diese hochflexible Preisgestaltung macht den Preisvergleich extrem schwierig. Flugpreise ändern sich im Internet mehrmals am Tag. Transparenz herrscht für den Kunden keine – während die Airline glasklar sieht, für welche Flüge Preisanfragen gestellt werden. Die Behauptung: Wenn jemand regelmässig am Montag von Zürich nach London fliegt, dann werden ihm die Montagflüge garantiert teurer offeriert als die am Mittwoch. Das wird in Abrede stellt. Fakt beim «Dynamic Pricing» ist aber, dass die Preise aufgrund des Verhaltens der Kundinnen und Kunden im Minutentakt angepasst werden.

Gratis-Angebote im Internet gibt es nur, wenn man mehr oder weniger an persönlichen Daten preisgibt. Was Whatsapp ist, hat mir letzte Woche ein Lehrer erklärt. Er ärgerte sich, dass er dieses Nachrichten-Tool nicht mehr in der Kommunikation mit seinen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern einsetzen soll – einen alternativen Dienst suchen muss.

Findet der Sporttag statt? Wann ist die Prüfung in Geschichte und welche Kapitel müssen gelernt werden? Für Fragen des Schulalltags bieten sich für diesen Lehrer die Chats des Kommunikationsdienstes Whatsapp an. Die Meldungen erscheinen sofort auf den Handy-Displays aller, die es betrifft. Das ist effizienter als die Telefonkette aus jener Zeit, als ich noch zur Schule ging.

Die simple Kommunikation per App hat ihre Schattenseite – weil die Benutzerinnen und Benutzer von Whatsapp den Betreibern des Dienstes ihre gespeicherten Kontakte preisgeben. In Kombination mit den Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram – die alle zum Facebook-Konzern von Marc Zuckerberg gehören – lassen sich die einzelnen Benutzer mit persönlichen Vorlieben inklusive Bewegungsprofilen identifizieren. Mündige Bürgerinnen und Bürger sind frei, Facebook und Co. zu nutzen – Zuckerberg zu helfen, weitere Millionen zu scheffeln. Aber Kinder – Schülerinnen und Schüler – zu zwingen, sich für die klasseninterne Kommunikation dem US-Datenkraken auszuliefern – das geht nicht. Vor allem die strengere Datenschutz-Grundverordnung der EU löste auch hierzulande ein Umdenken aus. Whatsapp musste auf Druck im EU-Raum das Mindestalter seiner Benutzer von 13 auf 16 Jahre anheben.

Ob andere Nachrichten-Tools bezüglich Datensicherheit besser sind? Per Zufall bin ich auf einer abendlichen Autofahrt auf ein mutmasslich sicheres gestossen. Radio SRF lief und nach dem «Echo der Zeit» wurde eine Kindersendung ausgestrahlt: «Zambo». Die bietet den Kids einen «sicheren» Chatroom an, wie eine Kurzrecherche bestätigt.

Gehört ein Nachrichten-Tool für Schulen zum Service public? Sollte SRF seinen Messenger ausbauen und Schulen zur Verfügung stellen müssen? Aus meiner Sicht ja – weil die Politik offensichtlich der Meinung ist, das Betreiben einer Website und das Verbreiten von Nachrichten und anderen Inhalten via Internet sei eine Kernaufgabe des gebührenfinanzierten SRF.

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