«Femmes-Tisch»: Das Aargauer Schulsystem auf Arabisch

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Die Femmes-Tisch-Moderatorin Yosra Taher erklärt den Teilnehmerinnen das Aargauer Schulsystem auf Arabisch. REW

Im Aarburger Asylheim sitzt eine Gruppe Frauen rund um einen kleinen Couchtisch. Darauf verteilt sind Broschüren und Infoblätter. Angeregt diskutieren die Frauen miteinander auf Arabisch, ihrer gemeinsamen Muttersprache. Thema ist das Schulsystem. Yosra Taher aus Zofingen sitzt den anderen Frauen gegenüber und erklärt eine Grafik zum Aufbau des Aargauer Schulsystems. Sie ist Moderatorin eines sogenannten Femmes-Tischs.

Integrationstool

Femmes-Tische haben das Ziel, sozioökonomisch benachteiligte Frauen mit Migrationshintergrund miteinander ins Gespräch zu bringen. Die Themen können dabei vom Schulsystem über Budgetkompetenzen, Frühförderungsprogramme, gesunder Ernährung bis zu Gesundheitsfragen reichen. Dabei wird mit verschiedenen Fachstellen kooperiert. «Beispielsweise arbeiten wir im Bereich des Tabakkonsums eng mit der Lungenliga zusammen», führt Nicole Winkler, Projektleiterin bei Caritas Aargau, aus. Auch mit Mütter-Väter-Beraterinnen besteht eine Partnerschaft.

Der Verein Femmes-Tische Schweiz übergibt die Organisation via Lizenzen an Trägerorganisationen, welche als Veranstalter für die Diskussionsrunden agieren. «Das Erfolgsrezept der Femmes-Tische ist, dass die Moderatorinnen aus demselben Kulturkreis wie die Teilnehmerinnen kommen und oft dasselbe erlebt haben», erläutert Nicole Winkler.

Die Moderatorinnen sind kommunikative und gut vernetzte Frauen, die Bekannte aus demselben Kulturkreis einladen, welche selbst wiederum eigene Bekannte einladen können. In der gemeinsamen Muttersprache wird dann sprachbarrierenfrei diskutiert. Allerdings gibt es auch interkulturelle Gesprächsrunden auf Deutsch für Teilnehmerinnen mit guten Deutschkenntnissen. Am letzten interkulturellen Femmes-Tisch nahmen neun Teilnehmerinnen aus Eritrea, Italien, Russland, Sri Lanka und der Türkei teil.

Die Gesprächsrunden finden dabei normalerweise bei einer der Teilnehmerinnen zu Hause statt. Nach dem offiziellen Teil werden die gefundenen Erkenntnisse noch bei einem Kaffee weiterdiskutiert. «Ganz wichtig ist, dass die Gespräche auf Augenhöhe geführt werden», sagt Nicole Winkler. Dank des niederschwelligen Aufbaus des Projektes werden vor allem Personen erreicht, die mit herkömmlichen Informationsveranstaltungen oft nicht erreicht werden können.

Yosra Taher veranstaltet ihren Femmes-Tisch aber im Asylheim Aarburg. Sie durchlief den Asylprozess selbst und möchte sich nun gern einbürgern lassen. «Drei meiner Kinder sind bereits eingebürgert. Ich bin zuversichtlich aber trotzdem etwas nervös», so die gelernte Krankenschwester. Vor 16 Jahren kam die kurdische Syrierin in die Schweiz und hat sich seither gut eingelebt. Für die Caritas arbeitet Taher als Kinderbetreuerin, ist Moderatorin bei Femmes-Tische und engagiert sich auch in anderen Caritas-Projekten. Sich zu integrieren ist ihr sehr wichtig, deshalb war sie auch im Vorstand des Integrationsnetzes Zofingen tätig.

Zurzeit werden die Femmes-Tische im Aargau in 13 verschiedenen Sprachen durchgeführt und das Angebot wird stetig ausgebaut. «Aktuell suchen wir Moderatorinnen für Französisch und Tibetisch. Interessierte dürfen sich gerne bei mir melden», sagt Nicole Winkler und lacht. Moderatorinnen werden gut ausgebildet. Zu jedem Thema erhalten sie eine Schulung. Die Gesprächsrunden werden einzeln anhand von Feedbackbögen der Teilnehmerinnen evaluiert. Dadurch, dass sich die Teilnehmerinnen aktiv an den Gesprächsrunden beteiligen und Erkenntnisse selbst erarbeiten, ist eine hohe Nachhaltigkeit gegeben. Das Erfolgsprinzip wird nun in ein ähnliches Projekt für Männer-Tische umgemünzt.

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