Vorhang auf für die mutigen Artisten in Dagmersellen

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Grossen Mut braucht es, um ganz nach oben zu klettern. Katrin Petkovic

Der Duden beschreibt Mut als «Fähigkeit und Bereitschaft, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden». Doch wie zeigt sich Mut im Alltag? Und haben Erwachsene in gewissen Situationen mehr Mut als Kinder? Gestern Nachmittag, als es darum ging, am Workshop «Mut tut gut» vor die Kinder zu treten und etwas aufzuführen, konnte sich kein Erwachsener überwinden. Die Kinder jedoch wollten und übernahmen kurz darauf auch das Zepter.

Der Workshop für Primarkinder wurde vom Verein «Schule und Elternhaus Dagmersellen» organisiert. Das neu formierte Team um Karin Hodel hat Priska und Guido Paffrath für den Nachmittag engagiert. Das Ehepaar verdiente dreizehn Jahre lang in der Zirkusbranche seine Brötchen, bevor beide vor kurzem wieder zurück zum Lehrerberuf wechselten. In einem 20-Prozent-Pensum begeistern sie nach wie vor Kinder und Erwachsene mit ihren verschiedenen Shows. So auch gestern in der Turnhalle Föhre, wo die über 30 Kinder Geschicklichkeit und Mut beweisen durften. Im ersten Durchgang balancierten die Kinder auf einem Zirkusball, führten Figuren auf dem Trapez und dem Vertikal- bzw. Akrobatiktuch aus oder zeigten ihre Balancefähigkeiten auf den freistehenden Leitern. «Je jünger die Kinder sind, desto offener sind sie in der Regel. Je älter sie sind, desto mehr Mut müssen sie aufbringen», erzählt Guido Paffrath. Nach der Pause gings dann ans Eingemachte: Liegen auf dem Nagelbrett, seinen Finger anzünden, Seiltanz und Schaukeln am Zirkusring.

Nachgefragt mit Kurt Zwimpfer, leitender Psychologe im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst der Luzerner Psychiatrie und Masterdozent an der PH Luzern.

 

Herr Zwimpfer, wie können Erwachsene Kindern beim Entwickeln ihres Selbstvertrauens helfen?

Kinder sind je nach Alter mit unterschiedlichen Entwicklungsaufgaben konfrontiert, wie laufen oder sprechen lernen oder alleine irgendwo hingehen. Das Kind wächst am Bewältigen solcher Aufgaben und ist bereit für neue Herausforderungen. Mit einer interessierenden, wohlwollenden, wertschätzenden und motivierenden Haltung können Erwachsene die Entwicklung des Kindes fördern und sich zusammen mit dem Kind über Fortschritte freuen, wodurch Sicherheit und damit auch Selbstvertrauen vermittelt wird. Wichtig ist, dass Erwachsene Kindern die Gelegenheit bieten, Aufgaben zu meistern und sie darin unterstützen und nicht alle Hindernisse aus dem Weg räumen.

Welche Auswirkungen hat Stolz auf die Selbstwahrnehmung eines Kindes?

Stolz ist die Freude darüber, etwas Besonderes, etwas Anerkennenswertes eigenständig geleistet zu haben. Das heisst, wenn das Kind sich als jemanden wahrnimmt, der etwas Aussergewöhnliches geschafft hat, dann entwickelt es das Gefühl von Zufriedenheit und Stolz. Dies führt zu grösserem Selbstvertrauen, was bei der Bewältigung von neuen Herausforderungen hilft.

Wann wird Stolz schädlich oder gefährlich?

Stolz wie eben erwähnt ist der Entwicklung förderlich und ist wichtig für leistungsmotiviertes Handeln. Das Gefühl ist in erster Linie auf das eigene Verhalten bezogen. Problematisch wird es, wenn Stolz mit Überheblichkeit und Überlegenheit gegenüber anderen verstanden wird. Dann steht nicht mehr die Selbstwirksamkeit im Vordergrund. Dies führt möglicherweise zu Entwertungen anderen gegenüber. Dadurch macht sich das Kind bei anderen unbeliebt und riskiert, zum Aussenseiter zu werden.

Welche Rolle spielt Scham in diesem Kontext?

Scham wird als entgegengesetzter Pol zum Stolz gesehen. Es ist das Gefühl von Verlegenheit oder Blossstellung aus der Überzeugung heraus, andere zu enttäuschen. Etwas Neues ausprobieren bedeutet immer, das Risiko einzugehen, dass es scheitern könnte. Dies kann zu Enttäuschungen führen, durch die man sich am besten nicht entmutigen lässt. Je selbstsicherer die Kinder sind, desto weniger neigen sie dazu, sich zu schämen.

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