Kammerspiel voller Raffinesse und Rasanz

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Carlo Ghirardelli und Nadine Landert in «Achterbahn». mif

Pierre (Carlo Ghiradelli), ein Mittfünfziger, führt eine junge, aparte Frau (Nadine Landert), die er eben in einer Bar kennen gelernt hat und die mehr als 20 Jahre jünger ist, in seine Wohnung. Um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, versucht er, sie in ein Gespräch zu ziehen und bietet ihr einen Drink an. Die unschuldig naiv Wirkende bemüht sich um bestätigende Konversation zur Einrichtung, spricht ihn auf eine Fotografie seines Sohnes, dann seiner Frau an. Er windet sich, sagt, er sei von dieser getrennt.

Die Dinge könnten ihren Lauf nehmen. Doch ihr ist das nicht genug. Er muss ihr gestehen, dass er sehr wohl mit seiner Frau unter diesem Dach wohnt und sie gerade mit dem Sohn in den Ferien ist. Ihn herauszufordern, gehört zum Programm der zunehmend mysteriösen jungen Frau. Zwischen den beiden so Ungleichen entwickelt sich ein fintenreiches Kammerspiel. Sie treibt ihn moralisch in die Enge, bis seine Nerven blank liegen. Sagt dann unverhofft: «Also gut, schlafen wir miteinander.» Lässt dann aber durchblicken, dass sie als Escort, die sie in Wahrheit ist, für eine Nacht 1000 Euro verlangt. Hin- und hergerissen zwischen Lust und verletztem Stolz will er ablehnen, um dann doch zu bezahlen, während sie den Preis in die Höhe zu treiben versucht. Ihm dann aber das Geld vor die Füsse wirft und sagt, sie sei in Wahrheit eine Journalistin, die für ein Frauenmagazin eine Feldstudie durchführe, um das Verführungsverhalten von verheirateten Männern zu studieren. Eine Aufnahme vom Anbandeln in der Bar liefert den Beweis. Immer wieder eröffnet sie neue Felder der Auseinandersetzung, stellt ihn bloss, gerät dadurch aber selber ins Zwielicht.

Spiel mit den Sympathien

Das Publikum versucht in diesem knisternden Spannungsfeld ein Urteil zu bilden, kann sich aber kaum je einen Überblick verschaffen, weil es stets mit neuen Enthüllungen konfrontiert ist. Die Wahrheit muss noch verborgen bleiben. Carlo Ghirardelli und Nadine Landert mimen die schwungvollen Dialoge mitreissend und mit viel Geschick, unterstreichen das emotionale Wechselbad mit einem sehr gut beobachteten Figurenspiel und machen die Spannungen körperlich sichtbar. Traumwandlerisch gelingt es ihnen, die Sympathien des Publikums zwischen dem älteren Mann und der jungen Frau hin- und herschwingen zu lassen.

Nachdem sie sich als Journalistin schon verabschiedet hat, kommt die junge Frau unversehens zurück, sie hat kein Geld für ein Taxi eingesteckt. Er nutzt die Gelegenheit, ihr Mores zu geben, willigt aber ein, sie zurückzufahren. Zuerst macht er noch ein kurzes Nickerchen, das sich zum Tiefschlaf auswirkt.

Nächster Aufzug. Es ist Morgen. Er erwacht. Sie kommt im Bademantel aus dem Nebenzimmer, gibt ihm zu verstehen, sie hätten es miteinander getan, gibt sich verwundert, dass er sich nicht erinnert, während er gerade dies verflucht. Noch eine Enthüllung: Sie hat ihn im Auftrag seiner Frau auf seine Treue getestet, habe ihn nun aber gern bekommen. Er schlägt vor, das Gespräch in der Bar zuhanden seiner Frau neu aufzunehmen. Die Aufnahme lässt in komödiantischer Manier unterschiedliche Erwartungen aufeinanderprallen. Bis es dann plötzlich kippt und sie mit der Wahrheit herausrückt. In Wahrheit ist sie seine Tochter, einer studentischen Liebe entsprossen. Geschlafen haben sie nicht miteinander. Sie sei wütend auf ihn gewesen, weil er sich nicht um sie gekümmert habe. Er erklärt, dass sich ihre Mutter damals nicht gemeldet hat, was ihn zur Annahme verleitet habe, sie habe abgetrieben. Auch dieser letzte Looping zurück ins reale Leben ist von beiden feinfühlig dargestellt. Die Versöhnung ist herzerweichend. Er sagt: «Was möchtest du jetzt machen, wir haben den ganzen Tag für uns?» «Achterbahn fahren, das habe ich noch nie gemacht.»

Der Applaus ist so überzeugt, einhellig und warmherzig wie selten in der Kleinen Bühne. Die Klasse in Stück, Inszenierung und Spiel hat eine Sternstunde des Theaters geschaffen.

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