«Wer einmal eine Tracht besitzt, hütet diese wie seinen Augapfel»

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Diese Festtagstracht aus dem Atelier Büttiker AG in Pfaffnau gehört Rosmarie Rüeggers Mann Robert. (bruno muntwyler)
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Langenthaler Porzellan mit Trachtenmotiven: Echte Trouvaillen aus dem Privatbesitz von Rosmarie Rüegger.

Sie ist wahrlich eine Hommage an die Tracht, die Sonderausstellung «Üses Trachte-Läbe» im Rothrister Heimatmuseum. Auf die Beine gestellt wurde sie in akribischer Zusammenarbeit mit der Museumskommission durch die Trachtengruppe Rothrist. Als «Pacemakerin» steckte Rosmarie Rüegger, 59-jährige Trachtengruppe-Ehrenpräsidentin und langjähriges «Mutti» der Jugendtanzgruppe, viel Herzblut in die Ausstellung. Aber nicht nur dies: Auch zahlreiche Exponate aus ihrem Privatbesitz sind in der Sonderausstellung zu bestaunen, nebst solchen des Vereins und des Verbandes.

Von Trachten bis Porzellan

Die Sonderausstellung zeigt nebst einigen wertvollen Trachten dazugehörende Bekleidungsstücke wie Schürzen, Socken, Unterhosen, Unterröcke, Schuhe, Blusen, Vorstecker, Göller (samtenes Achselstück), und Hüte. Aber auch zahlreiche historische Fotos, Bücher, Kalender, allerlei Schmuck und mit Trachtenmotiven verziertes Langenthaler Porzellan sind zu sehen. An Stehwänden dokumentiert ist die Geschichte der Trachtengruppe Rothrist aus der Zeit von 1935 bis 1955.

Rosmarie Rüegger setzt sich seit Jahren für die Erhaltung der Tracht ein: «Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Tracht zu tragen und das Brauchtum zu pflegen.» Wer Mitglied in der Trachtengruppe werden möchte, aber selbst keine Tracht hat, kann sich trotzdem melden. «Wir besitzen rund 100 Frauen-, Männer- und Kindertrachten, die wir sehr gerne zur Verfügung stellen würden», so Rosmarie Rüegger. Ein grosses Anliegen der Trachtenfrau ist auch, dass bei Hausräumungen entdeckte – notabene auch verstaubte Trachten – auf gar keinen Fall entsorgt werden. «Mit jeder verschwundenen Tracht verschwindet auch ein Stück Kulturgut», so Rosmarie Rüegger weiter.

Ob Schlagerfestival, Oktober- oder Schwingfest: Die traditionelle Schweizer Tracht mit ihrem strengeren Schnitt und ihren strikteren regionalen Vorgaben hat es neben Dirndln nicht leicht. «Ich glaube nicht, dass das Dirndl die Schweizer Tracht verdrängt. In der Schweiz sind aktuell über 16 000 Mitglieder in 650 Trachtenvereinen organisiert. Es wird zu Ehren unserer Tracht, die nun gar nichts mit einem Dirndl zu tun hat, einiges unternommen. Und wer einmal eine Tracht besitzt, hütet diese wie seinen Augapfel», sagt Rosmarie Rüegger.

Um zu verstehen, warum eine Tracht so aussieht, wie sie aussieht, lohnt sich ein Blick in das Buch «Trachten im Aargau», das 1985 vom Aargauischen Trachtenverband herausgegeben worden ist. Diesem ist zu entnehmen, dass die Trachten im Aargau, wie auch in der übrigen Schweiz, sich in der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt haben. Davon betroffen waren vor allem Frauentrachten. «Wie in anderen Teilen der Schweiz richteten sich die Männer mehr oder weniger nach der damaligen Mode. Die Frauentrachten hingegen haben sich immer wieder verändert», so Rosmarie Rüegger ergänzend. Die Entwicklung der ländlichen Trachten im Kanton Aargau sei eng verknüpft mit der geschichtlichen Vergangenheit der vier historischen Gebiete Berner Aargau, Freiamt, Fricktal und der Grafschaft Baden. Je nach Ortschaft wurden Variationen kreiert.

Werktag oder Sonntag

Es gibt Festtags-, Sonntags- und Werktagstrachten. Die grösste Vielfalt gibt es bei den edlen, teuren Festtagstrachten. Die im Alltag getragenen Werktagstrachten und Sonntagstrachten sind hingegen viel schlichter und einheitlicher. «Eine Festtagstracht besteht grundsätzlich aus einem ganzteiligen Rock und einem bestickten Brustlatz, darunter eine weisse Bluse mit bis zum Ellenbogen reichenden Ärmeln mit geklöppeltem Spitz. Über der Bluse wird ein Göller getragen», so Rosmarie Rüegger. Dazu gehörten beidseitig Silberketten, die am Rücken und vorne mit filigranen Rosetten befestigt werden, «der Brustlatz ist mit einer auf die Schurzfarben und die Region angepassten Stickerei versehen. Dazu wird eine Halbschürze aus Seide getragen, gewöhnlich in einer leuchtenden Farbe», führt Rosmarie Rüegger aus».

ÖFNUNGSZEITEN

Die Sonderausstellung «Üses Trachte-Läbe» im Heimatmuseum Rothrist dauert vom 3. März bis 16. Juni. Grosse Eröffnung ist am Sonntag, 3. März, 14 bis 16 Uhr. Offen ist die im Museum integrierte Ausstellung jeweils jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

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