WorldSkills: «Eis um s’Angere» – bis nach Russland

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Sandro Sägesser mit seiner Trainerin Diana Schlup beim offiziellen Fotoshooting der SwissSkills.Foto: SwissSkills

Darin, auf dem Siegertreppchen zu stehen und alle anderen hinter sich zu lassen, scheint der 21-jährige Carrosseriespengler Sandro Sägesser Übung zu haben. Nachdem der Balzenwiler eine Lehre als Automobil-Mechatroniker begonnen hat, brach er diese nach sieben Monaten ab. «Ich wollte etwas handwerklich Anspruchsvolleres machen, als hauptsächlich Teile auszutauschen», erklärt Sägesser seine schwierige Entscheidung. Eine Schnupperlehre als Carrosseriespengler führte ihn schliesslich zu seinem Traumberuf.

Der Wechsel des Lehrberufs stellte sich im wahrsten Sinne des Wortes als goldrichtig heraus. 2017 gewann Sandro Sägesser den Berufswettbewerb. 2018 folgte der Sieg an der Regionalmeisterschaft, der Lehrabschluss mit den besten Prüfungsresultaten 2018 und Ende Oktober schliesslich der Sieg an den SwissSkills in Langenthal und damit der Schweizer-Meister-Titel als Carrosseriespengler. Mit diesem Sieg qualifizierte sich der Balzenwiler automatisch für die WorldSkills, die vom 22. bis zum 27. August in Kasan, Russland, ausgetragen werden.

«Russisch lerne ich aber nicht», sagt der 21-Jährige lachend. «Laut den Organisatoren sollte Englisch vollkommen reichen und das liegt mir.» Einzig die zehnseitige Materialliste muss für den Transport des Werkzeugs nach Russland auf Kyrillisch sein. «Die lassen wir dann aber übersetzen.» Da er sein Werkzeug samt Werkzeugboy bereits gut sechs Wochen vor den WorldSkills per Zug verfrachten muss, hat er eine genaue Kopie des Werkstattwagens. «Darin liegt jedes Werkzeug an genau der selben Stelle wie im ‹Original›.» So kann Sägesser bis zu seiner Abreise üben und weiss dann in Russland blind, wo welches Werkzeug ist. Ein Zeitverlust durch Suchen von Werkzeug und die damit aufkommende Hektik wäre fatal, meint der Balzenwiler.

Aktuell feilt Sägesser noch an seiner Arbeitstechnik. Sowohl das Tempo wie auch die Qualität will und muss er verbessern. «An den Schweizermeisterschaften trat ich gegen die Besten der Schweiz an, aber an den WorldSkills gegen die Besten der Welt. Das ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber.»

Verschiedene Mentoren

Nach seiner Lehre, damals in Vorbereitung auf die SwissSkills hin, suchte Sandro Sägesser explizit einen Arbeitgeber, der Erfahrung im Bereich der Berufswettbewerbe hat. Fündig wurde er bei der Carrosserie Zumbrunn AG in Sissach, bei Vater Thomas und Sohn Heiko Zumbrunn. Heiko Zumbrunn nahm 2017 ebenfalls als Carrosseriespengler in Abu Dhabi an den WorldSkills teil und wurde dort Vizeweltmeister. «Die Erfahrung der beiden sind sehr wertvoll für mich», sagt Sägesser. Die Idee, den Werkzeugboy nachzubauen stammt beispielsweise von Thomas Zumbrunn. Da die Firma über genug Arbeit verfügt, kann Sägesser hauptsächlich Arbeiten verrichten, die an den Weltmeisterschaften höchstwahrscheinlich gefordert sein werden. Dazu gehören etwa der Teilersatz von Karosserieteilen, Ausbeul- oder Schweissarbeiten. Heiko Zumbrunn gibt dabei Sägesser regelmässig Tipps zum Verbessern der Arbeitsabläufe.

Auch SwissSkills stellt dem jungen Carrosseriespengler eine Trainerin zur Seite. Mindestens alle zwei Wochen treffen sich Sägesser und Diana Schlup. Sie war bereits 2015 und 2017 als Expertin der Carrosseriespengler für die Schweiz an den WorldSkills tätig und betreute auch Heiko Zumbrunn. «Die grösste Stärke von Sandro liegt in seiner Leidenschaft für den Beruf und seiner Willenskraft», analysiert Schlup ihren Schützling. Im fachtechnischen Bereich sei er besonders bei Ausbeularbeiten fortgeschritten. Am meisten helfen konnte die Trainerin bisher in der Sicht der Dimensionen der Aufgaben an den WorldSkills sowie der damit verbundenen Ablaufplanung. «In einigen andern Fachbereichen arbeiten wir mit zusätzlichen Trainern zusammen», sagt Schlup.

Entscheidendes Mentaltraining

Ein Bereich, dem Sandro Sägesser selbst eine enorme Wichtigkeit zuspricht, ist das Mentaltraining. «Am ersten Teamweekend mit den anderen Mitgliedern der Nationalmannschaft wurde uns empfohlen, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten», erzählt der Balzenwiler. Sägessers Mentalcoach zeigt ihm beispielsweise, wie er sich mittels Gedankenkontrolle und Motivationstechniken auf den Wettkampf vorbereiten kann. Wertvolle Tipps hat der Coach auch bereit, für allfällige Schlafstörungen vor und während den Wettkämpfen. «Ich merke bereits jetzt, wie mir die Mentaltrainings helfen», so der 21-Jährige. «Von Training zu Training werde ich weniger nervös und gewinne an Sicherheit. Dadurch arbeite ich auch schneller und sauberer.» Er kann sich gut vorstellen, dass er vor den Wettkämpfen schon etwas kribbelig sein wird. Doch Sägesser ist zuversichtlich, dass er dank den Mentaltrainings nicht aus der Ruhe kommt und getreu nach seinem Motto «Eis um s’Angere» arbeiten kann.

Weitere Informationen folgen

Was den teilnehmenden Carrosseriespenglern aus der ganzen Welt noch fehlt, sind genaue Informationen über den Wettkampf. «In gut einem Monat sollten wir erfahren, an was für einem Fahrzeug wir arbeiten und was für Arbeiten wir ausführen müssen», sagt Sägesser. Aber lediglich 70 Prozent der Informationen sind richtig, 30 Prozent fehlen oder sind falsch. «Die Automarke stimmt allerdings.»

Sägesser hofft auf ein Fahrzeug der VW-Gruppe, da er seine Lehre in einer darauf spezialisierten Garage absolviert hat. Wäre es eine teure Fahrzeugmarke, würde es Budgetprobleme geben. «Das letzte Mal war die Marke Mercedes. Da sind die Teile teurer, was bedeutet, dass ich weniger oft trainieren könnte.» Von der UBS erhält jeder Schweizer Teilnehmer ein Budget von 10 000 Franken. Auch der Verband, in Sägessers Fall der VSCI, hat ein Budget. Der Rest muss vom Teilnehmer selbst bezahlt werden. «Ich habe das Glück, dass mich mein Arbeitgeber auch da unterstützen würde, falls es nötig wäre», sagt Sägesser. Nach der Weltmeisterschaft steht dann erst einmal die Rekrutenschule an. Danach würde sich Sägesser gerne als Carrosserie-Fachmann weiterbilden. «Ich kann mir auch vorstellen, meine Erfahrungen an die nächsten Teilnehmer an den WorldSkills weiterzugeben.» Vorerst ist er aber selbst an der Reihe und kann in Kazan sein Können unter Beweis stellen.

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