Schon wieder kein Geburtstag: Wie «Schaltjährler» und Ämter mit dem 29. Februar umgehen

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Der Schalltag ist keine moderne Erfindung – es gab ihn schon in der Antike. Dominik Büchi ist einer von 455 Aargauern, die davon direkt betroffen sind. © Fotos: Imago/HO

Dieses Jahr ist ein Gemeinjahr. So heissen Jahre, die kein Schaltjahr sind. Gemein ist das vor allem für diejenigen, die an einem 29. Februar geboren wurden, denn ihr Geburtsdatum findet nicht statt. Dieses Jahr zum dritten Mal in Folge, erst 2020 ist wieder ein Schaltjahr. Gemäss dem Bundesamt für Statistik lebten 2017 in der Schweiz 5565 Personen, die am 29. Februar Geburtstag haben. Im Kanton Aargau sind es 455, die erst 2020 wieder am richtigen Geburtstag feiern können.

Ein Jahr ist die Dauer, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umrunden. Weil die Erde dafür nicht exakt 365 Tage braucht, muss alle vier Jahre ein Zusatztag eingeschoben werden. Nur so stimmen Jahreszeiten und Monate überein. Dass der Schalttag im Februar stattfindet, haben wir den Römern zu verdanken, bei ihnen war der Februar der letzte Monat des Jahres.

Schon vor zweitausend Jahren erkannten die Menschen, dass der Kalender eine Anpassung an das Sonnenjahr benötigte. Im Julianischen Kalender war der Schalttat ein anderer: Alle vier Jahre wurde ein zweiter 24. Februar eingeschoben. Im Gregorianischen Kalender, den wir heute brauchen, ist der Schalttag am Monatsende.

Der Geburtstag ist jedes Jahr ein untrügliches Zeichen für das Älterwerden. Doch was ist, wenn es ihn einfach nicht gibt? Auf den Einwohnerkontrollen laufen die Berechnungen des Alters über den Computer. Wann gilt ein «Schaltjährler» als volljährig? Sarah Haller, Leiterin der Lenzburger Einwohnerdienste, muss kurz überlegen. «Das System unternimmt automatisch alle nötigen Schritte, wenn jemand volljährig wird», sagt sie. Und es muss in den Gemeinjahren auch keinen künstlichen Geburtstag bestimmen, denn es arbeitet rückwirkend und leitet die Schritte am 1. März ein, egal ob es ein Schalt- oder ein Gemeinjahr war.

Sehr oft dürfte das sowieso nicht vorkommen, aktuell leben in Lenzburg neun Personen mit Geburtstag am 29. Februar. Und wann dürfen «Schaltjährler» mit dem Lernfahrausweis auf die Strasse? «Uns ist wichtig, dass Neulenker, zum Beispiel für die Kategorie B, den Lernfahrausweis am 18. Geburtstag in den Händen halten können», sagt Richard Spathelf, Leiter Verkehrszulassung beim Strassenverkehrsamt Schafisheim. «Auch Personen, die am 29. Februar Geburtstag haben, erhalten ihren Lernfahrausweis vor dem Geburtstag.» Der Lernfahrausweis ist vor dem Geburtstag aber nicht gültig. «Schaltjährler» dürfen also ab dem 1. März ans Steuer.

Vergessen ist da inbegriffen

Besonders beliebt sind spezielle Daten bei Hochzeiten. Wie sieht es da mit dem Run auf Schalttage aus? Beim regionalen Zivilstandsamt Menziken wurde im letzten Schaltjahr, also am 29. Februar 2016, eine Hochzeit durchgeführt. «Ich weiss jedoch nicht, ob der Tag vom Brautpaar wegen des speziellen Datums gewählt wurde», sagt Leiter Deepak Santschi. Eine Häufung wie an Schnapsdaten in den klassischen Heiratsmonaten Mai bis September habe er am Schalttag jedoch nicht festgestellt.

Auf dem Zivilstandsamt in Lenzburg wurden am letzten Schalttag im Jahr 2016 zwei Trauungen durchgeführt. Im Jahr 2012 dagegen gar keine und am 29. Februar 2008 – einem Freitag – wurden eine Doppelhochzeit und eine dritte Trauung verzeichnet. Die Leiterin des Zivilstandsamtes, Stephanie Meyer, glaubt nicht, dass der 29. Februar ein beliebtes Hochzeitsdatum ist. «Der Wochentag spielt eine grössere Rolle.» Dabei wäre der 29. Februar ideal für alle, die schon wissen, dass sie den Hochzeitstag sowieso ständig vergessen werden.

Ein «Schaltjährler» erzählt: 

Ein Geburtstag – viele Fragen

 

Diese Frage musste ja kommen», sagt Dominik Büchi. Er hat sie schon oft gehört in seinen 31 Lebensjahren, immer wieder wollen die Leute wissen: «Wann feierst du denn Geburtstag?» Denn Dominik Büchi ist an einem 29. Februar zur Welt gekommen. Schon sieben Mal konnte der Projektleiter Elektroplanung aus Staufen in seinem Leben an seinem tatsächlichen Geburtstag feiern.

Geärgert hat er sich über dieses aussergewöhnliche Datum noch nie, im Gegenteil. «Ich bin schon ein wenig stolz auf mein Geburtsdatum, das ist ja nicht Standard», sagt er. Auch als Kind sei er nie enttäuscht gewesen, sein Geburtstag sei immer etwas Besonderes gewesen. Wenn nur diese ewigen Fragen nicht wären. Wann feierst du? Kriegst du nur alle vier Jahre Geschenke? Er sei auch schon gefragt worden, ob er nur währen dem Läuten der Glocken zwischen dem 28. Februar und dem 1. März feiern könne.

In Gemeinjahren feiert Dominik Büchi immer am 28. Februar. Und in den Schaltjahren an seinem tatsächlichen Geburtstag. Am Fest ändere sich nichts. Aber die Fragen seien dann jeweils etwas anders. «Alle denken, dass ich jetzt Glück habe, wieder einmal Geburtstag zu haben», sagt Büchi. Wenn er an seine Geburtstage zurückdenkt, kann er sich an viele Geburtstagskuchen seiner Mutter erinnern. «Ich durfte mir immer einen Kuchen wünschen, dann gab es Feuerwehrautos, Schmetterlinge oder Züge», sagt er. Ganz normal halt.

Doch ein Geburtstag war speziell und an diesem gab es besonders viele Fragen: «Im Jahr 2000 wollten alle wissen, ob ich jetzt Geburtstag habe oder nicht», sagt er. «Jahre, die durch 100 teilbar sind, sind eigentlich keine Schaltjahre. Ausser, wenn man sie auch durch 400 teilen kann. Kompliziert, ich weiss.» Dominik Büchi hat auf alle Fragen eine Antwort. 

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