Mit dem Pflug durch die Berufsbildungslandschaft

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Im BZZ werden künftig keine KV-Schüler mehr ein- und ausgehen. (Bild: Raphael Nadler/Archiv)

Friede, Freude, Eierkuchen mit kleinen Abstrichen – so präsentieren sich die Stellungnahmen der politischen Parteien zur regierungsrätlichen Reform der Berufsschullandschaft Aargau mehrheitlich (Ausgabe vom Dienstag). Ausnahmen bilden SP und Grüne – die beiden Parteien haben sich am Montag nicht geäussert. Und die EVP hat gegenüber dem Konzept einige Vorbehalte. Fazit: «Die Vorlage ist nicht ausgereift». Als ein Beispiel wird die Wirtschaftsregion Zofingen genannt, in welcher zwingend auch das KV zum Angebot gehören müsste. «Die EVP befürchtet, dass mit der Schliessung der Schule sich gute Lernende lieber an der Kantonsschule unterrichten lassen als lange Schulwege in Kauf zu nehmen.»

Viele Fragezeichen

Hat man das 24-seitige Konzept vertieft gelesen, steht man vor einer Ansammlung von Fragezeichen. So will der Regierungsrat laut einer seiner Leitlinien die regionalen Zentren nachhaltig entwickeln. Müsste dies nicht auch für Berufsfachschulen gelten? Mit der Reform werden die Schulen der (Rand-) Regionen geschwächt. Das verdeutlichen die künftigen Raumauslastungen in Rheinfelden mit bescheidenen 49 Prozent – in Wohlen mit 63 Prozent. In Zofingen wird die bisherige Raumauslastung um rund 12 Prozent sinken, was negative Auswirkungen auf das ganze Bildungszentrum (BZZ) haben dürfte.

Demografie und die Zentren

Erfüllt dies die Zielsetzung eines Abbaus ungenutzter Schulzimmer? In den grossen Ballungszentren ja: Die Berufsfachschule Baden hat künftig eine Raumauslastung von 96 Prozent – Aarau (bsa) gar von 98 Prozent. Wie sollen diese Schulen das prognostizierte Wachstum der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ohne Neubauten auffangen? Bis 2040 wird es 18 Prozent mehr Volksschulabgänger geben.

Industrie 4.0

Und die Industrie 4.0? Diese wird im Bericht zwar erwähnt – aber kaum so verstanden, wie sie in den Unternehmen gesehen wird. Zitat Regierungsrat: «Je weniger Berufe eine Berufsfachschule hat, desto stärker kann sie ihre Ressourcen auf ihre Anspruchsgruppen fokussieren und desto eher ist sie imstande, auf die künftig veränderten Anforderungen der Ausbildungen zu reagieren.» Weniger involvierte Berufe – genau das ist nicht Industrie 4.0.

Bildungszentren schaffen, aber gleichzeitig im Rheinfelden ein KV mit 300 Lernenden aufrechterhalten – dies schürt einen Verdacht. Die Schliessung ganzer Schulen gehört in die Kompetenz des Grossen Rates. Wird «Rheinfelden» künstlich beatmet, um das regierungsrätliche Konzept am Parlament vorbei durchboxen zu können?

Wenn schon nicht regional und «bildungstechnisch» ausgewogen: Bringt die Vorlage Einsparungen? Laut Regierung geht es für den Kanton um 2,9 Millionen Franken pro Jahr – bei einem Budgetvolumen von 5,3 Milliarden Franken. Dafür muss die Berufsbildungslandschaft Aargau umgepflügt werden? Was die Ausarbeitung des Konzepts gekostet hat? Da schweigt sich die Regierung aus. Aus der Sicht der Steuerzahlerinnen und -zahler hat der Berg eine Maus geboren – in der Schule würde man sagen: «Ungenügend, repetieren.»

Ueli Giezendanner und Cédric Wermuth: «Schwerer Schlag für den Westaargau»

Für einmal kämpfen zwei Nationalräte, die sonst das politische Heu sehr selten auf der gleichen Bühne haben, miteinander. Der Zofinger SP-Politiker Cédric Wermuth und der Rothrister SVP-Mann Ueli Giezendanner stören sich an den Entscheiden der Aargauer Regierung zur Berufsschullandschaft. In einem gemeinsamen Brief an Bildungsdirektor Alex Hürzeler, der dem ZT vorliegt, bezeichnen die beiden die Vorschläge als «schweren Schlag» für den Westaargau. Sie würden auf die Bedürfnisse der Regionen erschreckend wenig Rücksicht nehmen. Der Aargau sei eben nicht Zürich. Der Verlust des KV treffe die Region Zofingen hart. Mit ihr gehe ein weiterer Standortfaktor gegenüber den Zentren Baden und Aarau verloren. «Wir halten die Tendenz zur Zentralisierung der Berufsschulen, die die Regierung mit diesem Projekt einleitet, für falsch und der Struktur, Geschichte und wirtschaftlichen Realität des Aargaus nicht für angemessen», schreiben Wermuth und Giezendanner. Und die Nationalräte bitten den Regierungsrat, den Entscheid bezüglich des KV-Standortes Zofingen nochmals zu überdenken. (jow)

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