Das Wirrwarr der Welttage

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Lukas Aecherli

Der morgige Tag steht ganz im Zeichen der Frauen: Es ist der «Internationale Tag der Frau».

Seine Ursprünge hat er in sozialistischen Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Damals kämpfte die Bewegung um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht der Frauen sowie die Emanzipation der Arbeiterinnen. Forderungen, deren Erfüllung einem steinigen Weg gleichkommt: Man bedenke, dass die Schweiz das Frauenstimmrecht erst seit 1971, Appenzell Innerrhoden sogar erst seit 1991 und aufgrund eines Bundesgerichtsurteils, kennt.

Weiter ist man noch nicht am Ende dieses Weges angelangt. So spricht das Bundesamt für Statistik im Jahr 2016 im privaten Sektor von einer Lohndifferenz von 19,6 Prozent, wovon der unerklärte Anteil 42,9 Prozent beträgt.

Diese Fakten führen einen Zweifler des «Internationalen Tages der Frau» trotz des milden Frühlingswetters sehr schnell aufs Glatteis.

Ungeachtet dieser Gefahr wage ich, ihn kritisch zu hinterfragen: Nicht den «Internationalen Tag der Frau» an sich, sondern die sogenannten «Welttage» im Allgemeinen.

Einerseits macht es durchaus Sinn, Krankheiten wie Krebs, Kulturgüter wie die Poesie oder eben die Frauen ins Zentrum zu rücken und ihnen einen Tag zu widmen. Sie frischen unser Wissen um unsere Errungenschaften auf, schärfen aber auch unser Bewusstsein bezüglich verschiedenster Missstände. Das Beispiel des unerklärbaren Anteils der Lohndifferenz zeigt, dass sie oftmals näher sind, als es uns lieb sein mag. Andererseits stuft das «Wirrwarr» an Welttagen – es gibt beispielsweise den «Tag der Tiefkühlkost», den «Mache-einen-Spaziergang-im-Park-Tag» oder den «Gegenteil-Tag» – ihre Bedeutung herab. Die enorme Diversität an Welttagen lässt den einzelnen Tag im Wirrwarr untergehen und nimmt ihm seine Symbolkraft. Mit einer abgeschwächten Aussagekraft gilt er somit lediglich als einer unter vielen, wodurch er sein Gewicht in brisanten Fragen wie der Gleichstellung der Frau verliert.

So wäre die Abschaffung gewisser Welttage wünschenswert. Nur so kann einem «Internationalen Tag der Frau» wieder das nötige Gewicht gegeben und der Weg der Gleichberechtigung der Frauen baldmöglichst zu Ende gelaufen werden.

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