Der EHC Olten im Stile eines Boxkampfs

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Silvan Wyss mit schmerzverzerrtem Gesicht, nachdem er an der Hand getroffen wurde. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Was war das für ein Spiel! Der EHC Olten taumelte in diesem dritten Halbfinal-Duell gegen den SC Langenthal mehrmals im Stile eines schwer getroffenen Boxers dem stehenden K.o. entgegen. Aber am Ende rettete er sich auf wundersame Art und Weise und schaffte es seinerseits, den Gegner auf die Bretter zu schicken. Cason Hohmanns Treffer zum 5:3 ins leere Tor der Gäste, zwei Sekunden vor der Schlusssirene sorgte für eine Glücksexplosion unter den 5500 Zuschauern im Kleinholz.

In den zwei Stunden davor erlebten die Fans aber ein Wechselbad der Gefühle. Um beim Boxkampf zu bleiben: Zu Beginn prasselte ein richtiggehender Schlaghagel auf die Oltner nieder. Immer wieder brannte es lichterloh vor dem Tor des einmal mehr überragenden EHCO-Goalies Simon Rytz. Die Langenthaler landeten immer wieder schmerzhafte Treffer gegen die EHCO-Defensive. Aber: Sie brachten den Puck nicht im Oltner Tor unter.

Dass am Ende des ersten Drittels dann die Powermäuse, die lange Zeit gar nicht wussten, wie ihnen geschah, mit zwei Längen in Vorsprung lagen, war eigentlich absurd. Aber die Langenthaler hatten es geschafft, sich mit Undiszipliniertheiten selber in die Bredouille zu manövrieren. Lukas Haas traf zweimal im Powerplay. «Wir haben uns provozieren lassen und dumme Strafen genommen», ärgerte sich SCL-Headcoach Per Hanberg nach dem Spiel. Bemerkenswert war, dass ausgerechnet Langenthals Captain Stefan Tschannen, der nach einer Verletzungspause sein Comeback gab, beide Male auf der Strafbank sass.

Langenthals Disziplinprobleme

Hatten sich die Oltner auf unergründliche Weise aus der Umklammerung gelöst, so kippte das Spiel im zweiten Drittel langsam aber sicher wieder auf die Seite der Langenthaler, die bei ausgeglichenem Spielerbestand die bessere der beiden Mannschaften waren. Bis kurz nach Spielhälfte hatten die Oberaargauer den Ausgleich bewerkstelligt, ehe sie sich mit einer krassen Undiszipliniertheit wieder auf die Verliererstrasse manövrierten. Dario Kummer donnerte seinen Stock auf die Hand von Oltens Vorzeigekämpfer Silvan Wyss und wanderte dafür in die Garderobe.

Kurz darauf gesellten sich zwei weitere Gästespiele auf die Strafbank, was bedeutete, dass der EHCO weit über zwei Minuten in doppelter Überzahl agieren durfte. In dieser Phase sorgten Simon Lüthi und Lukas Haas, Letzterer mit seinem dritten persönlichen Treffer des Abends, innert 47 Sekunden für die Vorentscheidung. «So viele 5-gegen-3-Situation habe ich noch nie erlebt», befand Per Hanberg am Ende, beklagte sich aber explizit nicht über die Schiedsrichterleistung. «Am Mittwoch waren die Referees schrecklich gewesen. Diesmal waren wir selber schuld. Wir müssen ganz einfach unsere Nerven besser in den Griff bekommen.»

Die Langenthaler kamen zwar nochmals bis auf 3:4 heran, doch die Oltner hielten dem letzten Schlaghagel des Gegners mit Bravour stand, ehe Cason Hohmann der entscheidende K.o.-Schlag gelang. Besondere Erwähnung verdient in diesem harten Verteidigungskampf des EHC Olten ein Spieler: Silvan Wyss. Er kam im Verlauf des letzten Drittels trotz sichtlich grosser Schmerzen an der getroffenen Hand, die noch genauer untersucht werden muss, ins Spiel zurück und trug mit seinen Puckgewinnen entscheidend dazu bei, dass die Powermäuse diesen so wichtigen Sieg über die Runden brachten. «Wir haben lange Zeit nicht so gespielt, wie wir es uns vorgenommen haben. Aber zum Glück hat unser Powerplay so gut funktioniert», fasste Wyss die Geschehnisse treffend zusammen.

In der Tat können sich die Oltner vor allem bei ihren herausragenden Special Teams bedanken, dass sie in dieser Serie nun wieder mit 2:1-Siegen vorne liegen. Bemerkenswert: Bei ausgeglichenem Spielerbestand auf dem Eis sind dem EHCO im Halbfinal in drei Partien erst zwei Tore gelungen. «Wir sind das bessere Team, deshalb mache ich mir keine Sorgen», zeigte sich Per Hanberg optimistisch, dass seine Mannschaft wieder zurückkommen wird. Es wäre wahrlich keine Überraschung, wenn sich dieses Playoff-Duell über das Maximum von sieben Spielen hinziehen würde. Im Stile eines Boxkampfs. 

 

Olten - Langenthal 5:3 (2:0, 2:2, 1:1)

Kleinholz. – 5503 Zuschauer. – SR: Müller/Oggier, Ambrosetti/Schlegel. – Tore: 17. Haas (Lüthi, Gervais/Ausschluss Tschannen) 1:0. 20. (19:51) Haas (Lüthi/Ausschlüsse Tschannen, Rytz) 2:0. 25. Kelly (Dünner) 2:1. 31. Rytz (Kelly, Pelletier/Ausschlüsse Schwarzenbach, Ulmer) 2:2. 39. (38:04) Lüthi (Hohmann/Ausschlüsse Pelletier, Dünner, Kummer) 3:2. 39. (38:51) Haas (Gervais, Lüthi/Ausschlüsse Pelletier, Kummer) 4:2. 48. Gerer (Tschannen) 4:3. 60. (59:57) Hohmann (Gervais/aufs leere Tor) 5:3. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Olten, 7-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten plus Restausschluss (Kummer) gegen Langenthal.

Olten: S. Rytz; Zanatta, Lüthi; Grossniklaus, Rouiller; Bagnoud, C. Gerber; Kparghai, Bucher; Wyss, Gervais, Hohmann; Schwarzenbach, Mäder, Ulmer; Haas, Rexha, Huber; Hrabec, Schneuwly, Muller.

Langenthal: Wüthrich; Müller, Andersson; P. Rytz, Pienitz; Scheidegger, Maret; Henauer; Tschannen, Pelletier, Kelly; Andersons, Kummer, Sterchi; T. Gerber, Dünner, Leblanc; L. Wyss, Dal Pian, Küng; Nyffeler.

Bemerkungen: Olten ohne Chiriaev, Eigenmann, Horansky, Vodoz, Truttmann (alle verletzt) und Heughebaert (überzählig). Langenthal ohne Campbell, Christen, Mathis (alle verletzt), Hess und Oehninger (beide überzählig). 20. Lattenschuss Grossniklaus. 21. Lattenschuss Gervais. 40. Lattenschuss Bagnoud. 58:27 bis 59:57 Langenthal ohne Torhüter Wüthrich, dafür mit einem sechsten Feldspieler.

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