Dominik Gresch, der Mann der Mitte

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Freut sich auf das Kantonalschwingfest im Mai: OK-Präsident Dominik Gresch auf dem Zofinger Thutplatz. (Bild: Joel Widmer)

Eigentlich müsste Dominik Gresch in der CVP politisieren. Zumindest wenn man die erbliche Vorbelastung berücksichtigt. Politik war im Hause Gresch immer ein Thema. Beide Grossväter des heutigen Zofinger Stadtrates waren schon Politiker. Werner Gresch war aktiv in der CVP und schaffte es fast in den Grossrat. Karl Marti sass als erster Parteiloser im kantonalen Parlament. Und auch Vater Richard Gresch politisierte in der CVP, war deren Bezirksparteipräsident und im Einwohnerrat von Oftringen. Warum also folgte Dominik Gresch nicht den christdemokratischen Fussstapfen? «Die CVP hat damals vor gut zehn Jahren, als ich in die Politik ging, die Öko-Themen klar vernachlässigt», so Gresch, der im Herbst für den Nationalrat kandidiert. Er schlug einen anderen Weg ein und half eine neue Partei zu gründen, die ihm besser passte.

Und das kam so: Im Studium der internationalen Beziehungen in Genf interessierte sich Gresch stark für Öko-Themen. Für den Klima-Wandel und die marktwirtschaftlichen Massnahmen, um diesen zu begrenzen. Und als er 2007 zurück nach Zofingen zog, bekam er mit, dass einige Interessierte im Aargau eine grünliberale Partei gründen wollten. Er meldete sich bei diesen und half mit, die Partei aufzubauen. Exponenten der GLP Zürich hätten ihnen damals Entwicklungshilfe geleistet, sagt Gresch. «Ich war sehr engagiert bei der Erarbeitung des Positionspapiers.» Da habe es ihn politisch gepackt. Politisch engagierte sich Gresch also von Anfang an für eine intakte Umwelt. Privat versucht er einigermassen danach zu leben. Ins Flugzeug steige er einmal pro Jahr, um in Europas Süden in die Ferien zu fliegen. Auch ein Auto besitze er zwar. Doch zur Arbeit nach Zürich fahre er immer mit der Bahn. Und in Zofingen sei er meist zu Fuss unterwegs.

Wahlerfolg mit der CVP

Nach der Parteigründung strebte Gresch zunächst kein Amt an, denn im gleichen Jahr kam die jüngere von zwei Töchtern zu Welt. Da wollte sich der Jungvater nicht zu viel aufhalsen. Doch die Auszeit war von kurzer Dauer, denn 2009 hat sich in Zofingen aus den Reihen der GLP ein Grüppchen gebildet, das für den Einwohnerrat kandidieren wollte. So trat Gresch mit drei Grünliberalen an. Nicht auf einer eigenen Liste, sondern zusammen mit der Partei seines Vaters: Die CVP gewährte den Grünliberalen Unterschlupf auf ihrer Liste mit dem Namen «Dynamische Mitte».

Die «Mitte» machte sechs Sitze. Drei davon gingen bei den Wahlen an bisherige CVPler, die anderen drei an die GLP. «Das war ein krasses Ergebnis», sagt Gresch. Damit hätten sie nicht gerechnet. Und so begann Greschs aktive Laufbahn. «Im Einwohnerrat hat es mir schnell gefallen.» Da habe er die politischen Mechanismen gelernt und es habe ihm die Augen geöffnet, wie wichtig die Arbeit über die Fraktionsgrenzen sei, um Lösungen zu finden. Und dann ging es mit der Karriere rasant weiter. «Zum Ende der Legislatur wurde ich von anderen Parteien ermuntert, für den Stadtrat zu kandidieren», sagt Gresch. So wurde er 2013 mit 37 Jahren in die Stadtregierung gewählt. Und das gleich mit dem drittbesten Ergebnis.

Aufgewachsen ist Gresch zwar in Oftringen. Doch er war immer schon stark nach Zofingen orientiert. Das elterliche Haus in Küngoldingen lag nahe an der Stadtgrenze. Die Familie habe auch in Zofingen eingekauft und sei in Zofingen zur Kirche gegangen. Sein politisches Interesse wuchs nicht nur am Küchentisch, sondern auch in der Bezirksschule. Dort war ebenfalls der Vater daran mitschuldig, denn zu diesem ging Gresch in den Geschichtsunterricht.

Das Interesse für Politik war auch ein Grund für die Studienwahl. Nach Genf ging er, weil der Freund einer Cousine dort schon studierte. Zu Beginn konnte sich Gresch vorstellen in die weite Welt zu reisen, für eine internationale Organisation oder als Schweizer Diplomat. Doch bald interessierte er sich mehr für die wirtschaftlichen Komponenten des Lehrgangs.

Verhandlungen und Spieltheorie

Die heutige Arbeit hat aber nicht mehr viel mit dem Studium zu tun. Beim Versicherungsverband ist Gresch Leiter des Bereichs Kranken- und Unfallversicherung. Und auch in der politischen Arbeit als Stadtrat kommen die studierten Fächer Verhandlungstaktik oder Spieltheorie nicht gross zum Einsatz. «Auf Gemeindestufe brauche ich das nicht so oft, da weniger komplexe Verhandlungen anstehen wie zu einem Klimaprotokoll.»

Zu seinen politischen Erfolgen als Stadtrat zählt Gresch die kantonale Asylunterkunft als Zwischennutzung im alten Pflegezentrum. «Da haben wir mit dem Kanton eine sehr gute Lösung gefunden.» Als grösste Niederlage bezeichnet er dann die Folgen nach der Auflösung der Unterkunft. Da musste die Stadt aufgrund der Aufnahmepflicht Flüchtlinge in der Stadt unterbringen. «Da haben wir uns bei der Umsetzung schwergetan.» Die Leute haben Ansprüche, es braucht Sprachkurse und viele weitere Massnahmen. «Ich habe das unterschätzt», sagt Gresch.

Die Chancen, im Herbst in den Nationalrat gewählt zu werden, sind eher klein. Grösser sind jene auf das Amt des Zofinger Stadtammanns. Wenn Hans-Ruedi Hottiger auf die nächste Legislatur hin abtritt, wird sich Gresch der Frage stellen müssen, ob er kandidiert. «Ich habe schon Lust, in Zofingen noch eine Zeit weiter zu politisieren», sagt er dazu. Es sei eine dankbare Aufgabe, die ihn motiviere.

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Bild: Joel Widmer
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