«Krankenkasse light» bedeutet: Keine Chemo- oder Strahlentherapie bei Krebs

krankenkassen.jpg
Die Standardprämien sind zu hoch, findet Yvette Estermann – sie will eine günstigere Alternative schaffen. Foto: Gaëtan Bally/Keystone

477.90 Franken pro Monat: So hoch ist nach den aktuellsten Berechnungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) die durchschnittliche Standardprämie für einen Erwachsenen in der Schweiz. Zu hoch, findet Yvette Estermann. Die Luzerner SVP-Nationalrätin hat Ende Session eine Motion eingereicht, in der sie eine «Krankenversicherung light» mit stark eingeschränktem Leistungskatalog verlangt.

Diese Forderung hat ihre Partei bereits erhoben, allerdings nur für Flüchtlinge: Asylsuchende, Sans-Papiers und vorläufig Aufgenommene seien «zwecks Kostentransparenz in einer separaten Krankenkasse mit reduziertem Grundleistungskatalog zu versichern», heisst es im jüngsten Parteiprogramm der SVP. Estermann geht einen Schritt weiter: Sie möchte eine solche günstige Alternative für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger schaffen. Damit diskriminiere man niemanden und entspreche erst noch einem breiten Bedürfnis, sagt sie.

Dem Mittelstand soll die Wahl gelassen werden

«Vor allem der Mittelstand leidet stark unter den hohen Krankenkassenprämien», heisst es in dem Vorstoss. Viele Versicherte wüssten zwar genau, dass sie den umfangreichen Leistungskatalog nie voll benötigen würden. Sie hätten aber keine Wahl. Für diese Leute möchte Estermann eine «Krankenversicherung light» mit einem schlankeren Leistungskatalog und einer tieferen Prämie.
 

Eine solche Versicherung würde teure Therapien sowie Eingriffe nicht übernehmen, erläutert die Ärztin. Bei einer Krebserkrankung zum Beispiel gäbe es weder Chemotherapie noch Bestrahlung. Für Organtransplantationen würde die Grundversicherung ebenfalls nicht zahlen. «Viele Menschen wollen das ohnehin nicht», sagt Estermann. Sie werde immer wieder darauf angesprochen und möchte jetzt «im Interesse dieser Mitbürger» handeln, denen es auch sonst nie in den Sinn käme, bei leichteren Erkrankungen wie etwa der Grippe zum Arzt zu gehen.

Kritik: Solidarität würde ausgehebelt

Bezahlen soll die günstige Alternativversicherung lediglich die Behandlung von schweren, akuten Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie. Profitieren von einem System «Krankenversicherung light» würden alle Versicherten und die gesamte Bevölkerung, gibt sich die SVP-Nationalrätin überzeugt.

«Damit öffnet man die Büchse der Pandora hin zu einer Zweiklassenmedizin», widerspricht Stefan Müller-Altermatt. Der Solothurner CVP-Nationalrat, Kampagnenleiter der Kostenbremse-Initiative seiner Partei, weist darauf hin, dass das Grundprinzip des Krankenversicherungsgesetzes die Solidarität zwischen Kranken und Gesunden sei: «Alle zahlen ein und tragen die Kosten solidarisch mit.» Zudem seien persönliche Ansichten nicht für alle Zeiten in Stein gemeisselt, was eine Reihe von Fragen aufwerfe. Etwa: «Was macht jemand, der plötzlich doch eine Krebsbehandlung möchte – wechselt er einfach ins Vollangebot?» Estermanns Motion sei deshalb kategorisch abzulehnen.

 

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Haushälterin, Mitarbeiter,
Suter Samuel
Mithilfe im Pferdestall, Mitarbeiter,
Bachmann Bauunternehmung AG
junger Maurer, 4814 Bottenwil, Mitarbeiter, Bottenwil
Allenspach Medical AG
Social Media & Online Marketing Manager, 4710 Balsthal, Mitarbeiter, Balsthal
Zweckverband ARA Falkenstein
Klärwärter/in, 4702 Oensingen, Mitarbeiter, Oensingen
Zaugg AG Rohrbach
Bauschreiner, 4938 Rohrbach, Mitarbeiter, Rohrbach
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner