Kampf gegen importierte Tierquälerei

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Unser Esstisch wird je länger, je mehr zu einer politischen Kampfzone: Diverse Volksbegehren sollen die Herstellung von Nahrungsmitteln im Inland ökologischer und tierfreundlicher oder unser Essen gar weitgehend vegetarisch machen. Ein Problem, das vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht bekannt ist, sind bestehende Produktionsverbote im Tierschutzbereich, welche per Import locker umgangen werden können. SVP-Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder (St. Gallen) will in einer Motion ein Verbot der Einfuhr von Waren, deren Produktion in der Schweiz verboten ist – «weil Tiere darunter zu sehr leiden». Im Visier primär Gänsestopfleber und Froschschenkel, aber auch gewisse Pelz- und Lederprodukte.

Schwenken die Eidgenössischen Räte nicht auf die Motion Keller-Inhelder ein, drohen drei grosse Tierschutzverbände des Landes mit einer Volksinitiative. Federführend ist die Alliance Animal Suisse. Deren Kampanienleiter heisst Michael Gehrken – ein einstiger Zofinger Kantonsschüler und heutiger Kommunikationsberater.

Wenn es um tierische Produkte geht, lässt die Schweiz gerne im Ausland produzieren. 2017 importierten wir 274 Tonnen Pelze, rund eine Million Reptilien-Häute, 120 000 Tonnen Fleisch (nicht Kutteln, sondern Edelstücke), 100 000 Tonnen Milchprodukte und 700 Millionen Eier. Tendenz steigend. Foie gras? 300 Tonnen pro Jahr, für welche einer halben Million Enten und Gänsen das Futter in den Hals gedrückt wurde. 91,5 Tonnen ist die Importmenge an Froschschenkeln – das sind 1,5 Millionen Frösche, denen man aus Kostengründen lebendig die Beine abgeschnitten hat.

Die Schweiz hat als erstes Land der Welt die Batteriehaltung von Hühnern verboten. Aber: Der Import von Eiern aus Batteriehaltung ist weiterhin erlaubt. Was soll das? Das Ei würde in einem Land, das bei anderen Themen auf «Political Correctness» pocht, einige Rappen teurer. Spezieller die Situation bei Foie gras, Froschschenkel und Echsenhaut. Hier haben wir es bei einem Ja mit einem absoluten Verbot – und dem Röstigraben zu tun.

Die Romands werden sich ihre traditionelle Foie gras zu den Festtagen kaum nehmen lassen. Und sie haben den Support der Uhrenindustrie. Die benötigt Schlangen- und Alligatorenleder für die Armbänder ihrer Nobeluhren. Der Weltmarkt verlange diese. Die Schweiz ist einer der weltgrössten Umschlagplätze für Alligatorenleder und Schlangenhäute – von denen nur ein sehr kleiner Teil im Inland nachgefragt ist.

In der Schweiz ist das Schächten, also das betäubungslose Schlachten, seit über 125 Jahren untersagt. Juden und Muslime – beim Thema Schächten für einmal im Schulterschluss – können das Tierschutzgesetz heute problemlos umgehen und koscheres, respektive Halal-Fleisch aus dem Ausland importieren.

Auch religiöse Gemeinschaften müssen sich die Frage gefallen lassen, ob jahrtausendealte Texte unnötiges Leiden von Lebewesen rechtfertigen und ob nicht Schlachtmethoden mit Betäubung zeitgemässer wären – oder auf Fleisch zugunsten von Fisch zu verzichten. Die Reaktion der Betroffenen? Kommt es dazu, dann «bliebe einem religiösen Juden nichts anderes übrig, als auszuwandern», gab Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, letzte Woche zu Protokoll.

Ähnlich die Reaktion der «Koordination Islamischer Organisationen». Die Gegenfrage ist, wie es der Islam in seiner Einflusssphäre mit den religiösen Werten von Christen hält. Beispiel Brunei: Christliche Symbole sind bei Strafe verboten – und Leuten, denen Homosexualität (eine eingetragene Partnerschaft wird zum Risiko) nachgewiesen wird, droht die Steinigung.

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