Landwirte bangen um ihre Kirschen: Bäume blühen früh – das weckt schlechte Erinnerungen

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Jeden Tag öffnen sich die Knospen mehr: Die Kirschbäume oberhalb von Frick stehen kurz vor der Blüte. © Nadine Böni
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Aargauer Weinbauern kämpfen im April 2017 mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben (Raphael Nadler)

Das sagen mehrere Fricktaler Landwirte und Produzenten. Sie sind sich einig: Die «Chriesibluescht» hat zwei Wochen früher eingesetzt als im vergangenen Jahr – mindestens. Auch im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt könne von einem «frühen Jahr» gesprochen werden, bestätigt Othmar Eicher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg den Eindruck.

Die Gründe dafür sieht er einerseits beim warmen und sonnigen Wetter im Februar und März. Andererseits bei den kalten Temperaturen Ende Januar und Anfang Februar. «Die Blütenknospen brauchen einen solchen Kältereiz, um auszutreiben», sagt Eicher. «Es ist also eine Kombination beider Faktoren.»

Die frühe Blüte könnte für die Landwirte und Produzenten ein Grund zur Freude sein. Denn eine frühe Blüte bedeutet eine frühe Ernte – und das wiederum gerade bei den Tafelkirschen bessere Absatzchancen, weil die Sommerferien zur Erntezeit noch nicht begonnen haben. Aber: Die frühe Blüte löst Sorgenfalten aus. Zu gross sind die Parallelen zum Frühjahr 2017, als die Bäume ähnlich früh blüten. Zu frisch die Erinnerungen an den damaligen Frosteinbruch im April und die Schäden, die er in der Landwirtschaft verursachte.

«In der Blütezeit und im Jungfruchtstadium sind Kirschen besonders anfällig auf Frost», sagt Eicher. Die Produzenten in der Region «sitzen derzeit auf Nadeln», wie es André Steinacher, Landwirt in Schupfart, ausdrückt. Gibt es in den kommenden Wochen einen Kälteeinbruch, drohen ähnliche Schäden wie 2017. «Viele Landwirte versuchen deshalb, sich so gut wie möglich vorzubereiten und Schäden mit verschiedenen Massnahmen vorzubeugen», sagt Othmar Eicher.

Den Schäden vorbeugen

Auch die Fricktaler Landwirte treffen Vorkehrungen. Christoph Müller, Landwirt in Schupfart, sagt: «Viele sind für die Thematik sensibilisiert und haben vorgesorgt.» Er selber setzt unter anderem auf eine Bewässerung seiner Kirschbaumanlagen. «Durch das Wasser kann einerseits Frost verhindert und andererseits der Boden befeuchtet werden – und ein feuchter Boden kann wiederum mehr Wärme aufnehmen», erklärt er. Zudem sei es wichtig, das Gras kurz zu mähen, damit der Boden die Wärme abgeben könne.

Auch der Sulzer Obstbauer Marcel Weiss hat seinen Wasserspeicher bereits aufgefüllt, um seine Anlage im Notfall bewässern zu können. So könne er in der Obstanlage ein oder zwei Grad Temperatur gewinnen. Ausserdem hat er, wie verschiedene Landwirte in der Region, vorsorglich Frostkerzen angeschafft, die er bei Bedarf in der Anlage aufstellt. Auch im Lager von André Steinacher stehen solche Frostkerzen bereit, ebenso ein Gasofen mit mehreren Gasflaschen. Steinacher überlegt sich zudem, Folien als Frostschutz über die Anlage zu ziehen – und er ist mit dieser Überlegung nicht allein. «Viele Landwirte halten vorsorglich die Foliendächer bereit, die sonst eigentlich vor der Ernte als Hagelschutz eingesetzt werden», weiss Othmar Eicher.

Wichtig sei, die Wetterprognosen genau zu verfolgen, sagt Christoph Müller. Auch die Langzeitprognosen. Denn um die Massnahmen rechtzeitig umzusetzen, brauchen die Landwirte einige Tage Vorlaufzeit. Für den Kälteeinbruch Ende Woche sind sie verhalten optimistisch, sollte die Temperatur gemäss den neuesten Prognosen doch kaum unter null Grad sinken. Überhaupt: «Überstanden haben wir es nicht, aber ich bin zuversichtlich für dieses Jahr», sagt Müller.

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