Den Rahmen intimer Kammermusik gesprengt

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Elisabeth Schreyer-Puls (r., Flügel) und Anita Gwerder (Violoncello) spielten kammermusikalische Schönheiten aus Meisterhand. K.P.

Einmal mehr präsentierte das Label «Kulturplatz Strengelbach» in der Johanneskirche der EMK Zofingen an der Breitbachstrasse 31 in Strengelbach ein aussergewöhnliches Konzert: Elisabeth Schreyer-Puls (Flügel) und Anita Gwerder (Violoncello) spielten kammermusikalische Schönheiten aus Meisterhand. Vier besondere Raritäten, die selten zu hören sind, kamen in ihrem Programm auf die Bühne. Mit Musik aus Ungarn, Frankreich, Deutschland und Russland führte das Programm einmal quer durch Europa. Insbesondere mit der schwer zu spielenden Sonate in g-Moll op. 19 von Sergei Rachmaninow (Russland, 1873–1943) wurde der Rahmen intimer Kammermusik gesprengt. Fachleute sprechen «In duo animando» die Verbindung von technischer Souveränität mit äusserster Empfindsamkeit und Gestaltungskraft zu. Vollendet beherrschen die beiden begnadeten Musikerinnen die Kunst des musikalischen Dialogs; sie lassen ihre Instrumente stets gleichgewichtig zu Wort kommen.

Auch zeitgenössische Musik

Die Johanneskirche war voll besetzt, als der Organisator Siegfried P. Stich das Publikum begrüsste und einige Gedanken mitteilte; von tiefem Frieden im ersten Stück war da die Rede. Elisabeth Schreyer-Puls erklärte, dass alle vier Komponisten auf dem Boden der Tonalität bleiben. Aufgeführt wurden Werke von Zoltán Kodály (Ungarn, 1882–1967), Nadia Boulanger (Frankreich, 1887–1979), Roland Leistner-Mayer (Deutschland, zeitgenössisch, geb. 1945) und eben Rachmaninow. Damit wurden ganz unterschiedliche Klangsprachen präsentiert. Das Spektrum reichte vom poetischen Klang des französischen Impressionismus über schwungvolle osteuropäische Volksmusik bis zur Spätromantik und Gegenwartskompositionen.

Den atemberaubenden Höhepunkt des Konzerts bildete Rachmaninows Sonate in g-Moll op. 19 mit den Sätzen Lento, Allegro moderato, Allegro scherzando, Andante und Allegro mosso. Im Jahre 1901, ein Jahr nach Abschluss seines zweiten Klavierkonzerts, vollendete Rachmaninow die hier in Rede stehende Sonate. Die Uraufführung fand im selben Jahr statt, mit dem Komponisten am Klavier und mit Anatolij Brandukow, dem Widmungsträger der Komposition, am Cello.

Es handelt sich um eine hochromantische Komposition, die heute zum Standard-Cello-Repertoire gehört. Mit ihren vier Sätzen folgt die Sonate immer noch dem klassisch romantischen Schema. Der Allegro-Moderato-Teil, bis hin zum Moderato-Abschnitt, befindet sich zwischen Wiederholungszeichen. Dies vermittelt den Eindruck einer klassischen Sonatenform. Der folgende Teil hat Eigenschaften eines Entwicklungsabschnitts. Es arbeitet mit Themen und Motiven aus dem ersten Teil. Es fehlt jedoch ein echter Rekapitulationsabschnitt. Das Stück entwickelt sich bis zum etwas abrupten Ende. Auch harmonisch ist die Bewegung vom klassischen Schema weit entfernt. Das Allegro scherzando ist ein rhythmisch anspruchsvoller, virtuoser, ziemlich komplizierter Satz.

Zum Ende ein jubelndes Vivace

Der langsame Satz Andante beginnt wie ein heiteres und sehr melancholisches Lied ohne Worte mit dem Klavier allein – eine der schönsten und intensivsten Erfindungen von Rachmaninow, mit langen Phrasen, die zu ausdrucksstarken Höhepunkten führen. Der rondoartige Satz Allegro Mosso ist wiederum sehr virtuos, oft polyrhythmisch. Das Cello behält meistens seinen «stimmlichen» Charakter, oft im Dialog mit dem Pianisten, mit einem schönen Melodie- Gesangsthema. Gleichzeitig ist die Bewegung sehr facettenreich mit häufigen Tempowechseln. Was dominiert, ist der überbordende, freudige und brillante Charakter in den wiederkehrenden Allegro-Mosso-Parts, der am Ende zu einem jubelnden Vivace beschleunigt wird.

Das Konzert wurde mit Standing Ovations bedacht und erforderte eine Zugabe.

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