Müller Martini: «55 Stellen werden in Zofingen abgebaut»

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Der Auftragseinbruch im letzten Herbst sei frustrierend, sagt Bruno Müller, CEO von Müller Martini. zvg

Müller Martini sehe sich gezwungen, in den kommenden Monaten rund 115 der aktuell 800 Arbeitsplätze an seinen Standorten in der Schweiz abzubauen, teilte das Zofinger Familienunternehmen am Mittwoch mit. Geprüft wird auch die Schliessung der Betriebsstätte in Stans mit 60 Mitarbeitenden. Im Interview erklärt CEO Bruno Müller, wie es zu dem Stellenabbau kam.

Herr Müller, wie haben die Mitarbeiter auf die Ankündigung des Stellenabbaus reagiert?

Bruno Müller: Das war natürlich für alle – Mitarbeitende und Kader – ein Schock. Am Standort Zofingen machen wir seit Januar Kurzarbeit und kompensieren Überzeit und Ferien. Die Leute haben also erwartet, dass etwas kommt. Aber der Umfang der Massnahmen, verbunden mit einer Standortschliessung, ist ein Schock für alle.

Warum nur Abbau in der Schweiz?

Es gibt nicht einen Abbau nur in der Schweiz. Wir sind seit längerem dran, unsere Organisation zu straffen und neu aufzustellen. Das ist ein Prozess, der seit längerem und global läuft.

Wie viele Stellen werden in Zofingen abgebaut?

55 Stellen werden in den Firmen am Standort Zofingen abgebaut, wobei das nicht 55 Kündigungen sind. Es sind 55 Arbeitsplätze, die langfristig wegfallen. Wir wollen das über Fluktuationen, Pensionierungen, auch vorzeitige, auffangen. Am Schluss wollen wir mit möglichst wenig Kündigungen auskommen. Wir wollen vor allem die Pensionierungen, die auf uns zukommen, nutzen, um die Anpassungen zu machen.

Wird es vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 50 treffen?

Nein, das versuchen wir zu vermeiden. Komplett ausschliessen kann ich es nicht. Wir versuchen immer, Wege zu finden, die vertretbar sind, und nicht einfach ältere Mitarbeiter zu entlassen.

Verlieren auch Lehrlinge in Zofingen ihre Stelle?

Nein, die Lehrlingsausbildung ist uns sehr wichtig. In Zofingen wird kein Lehrling seine Stelle verlieren. Wir bilden in der Schweiz aktuell 85 junge Leute aus. Das ist unsere Zukunft, und da wollen wir uns weiter engagieren. Für die neun Lehrlinge am Standort Stans suchen wir eine Lösung.

Hat das Unternehmen früh genug auf die fundamentalen Umwälzungen durch die Digitalisierung reagiert?

Ich denke ja. Müller Martini war sehr erfolgreich bis zur Finanzkrise 2008, als innerhalb eines Monats die Branche komplett kollabierte. Nach der Finanzkrise kam ein Strukturwandel in Gang, der extrem schnell ablief. Wir haben im Zuge dieses Strukturwandels unsere Anlagen modernisiert; sie produzieren heute Bücher und Magazine, die sehr individuell gestaltet werden können.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wenn Sie heute im Online-Handel ein Buch bestellen, wird dieses Buch auf den neuen Anlagen für Sie produziert. Man produziert keine Lager, sondern nur genau ihr Buch als Einzelexemplar. Dieser Markt funktioniert zurzeit sehr gut. Der Gegenpol, das Geschäft mit den hohen Auflagen, ist seit letztem September deutlich eingebrochen.

Aber der Buchdruck hat Zukunft?

In den letzten beiden Jahren hat sich das Buch gegenüber digitalen Medien eher wieder etablieren können. Unser Fokus liegt darauf, Maschinen für Bücher, Magazine und Kataloge zu produzieren, die man sehr individuell gestalten kann. Wir können stolz sein, dass wir bis letztes Jahr einen Wandel vollzogen haben und wieder Fuss fassen konnten. Umso frustrierender ist der Einbruch vom letzten Herbst, der uns jetzt noch einmal massiv beschäftigt.

Wie geht es in den nächsten Wochen weiter?

Beim Standort Stans befinden wir uns in einem Konsultationsverfahren mit der Personalkommission. Wir prüfen Alternativen und alle Möglichkeiten, um die Schliessung allenfalls zu vermeiden oder die Auswirkungen zu mindern. Das Verfahren läuft in den nächsten Wochen, bevor wir den Entscheid definitiv fällen. In Zofingen laufen Gespräche mit Mitarbeitenden, die für eine vorzeitige Pensionierung infrage kommen – mit dem Ziel, diese Phase möglichst schnell abzuschliessen, um der Belegschaft Sicherheit zu geben. Denn die Unsicherheit nach der Ankündigung ist gross. Mitarbeitende, die ihre Stelle verlieren, unterstützen wir, damit sie schnell wieder eine Stelle finden.

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