Den geplagten Anwohnern zuliebe: Fahrverbot für Sandbank-Touristen

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Die beiden Sandbänke auf der Rothrister und Boninger Seite (Bild), in der Nähe des Wasserkraftwerks Ruppoldingen, haben sich auch durch die sozialen Medien zum Besuchermagnet entwickelt. Archiv bm
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An schönen Wochenenden stellt die Gemeinde Rothrist mobile Verkehrsschilder auf: Fahrverbote (rot), Tafeln, die den Weg (grün) zu den signalisierten Parkmöglichkeiten (blau) weisen, und solche, die Fussgängern den Weg zur Aare zeigen (gelb).zvg

Sommerliche Temperaturen locken Badegäste an die Aare. Der Magnet sind die Sandbänke in Rothrist und in Boningen, die in der Nähe des Wasserkraftwerks Ruppoldingen sind. Scharenweise reisen Sonnenhungrige und Badefans von nah und fern an, um am weissen Sandstrand zu grillieren, Musik zu hören, zu spielen und sich miteinander zu unterhalten. Der einen Badefreud ist der Anwohner Leid.

An schönen Tagen, besonders an den Wochenenden, herrscht in den Rothrister Wohnquartieren Chaos. Fremde stellen auf Privatgrundstücken oder vor Einfahrten ihre Fahrzeuge ab. Dröhnende Bässe, laute Unterhaltungen und röhrende Auspuffe machen das Sein im Garten oder auf dem Balkon zum Verdruss und reissen die Anwohner aus dem Schlaf, wenn diese ihn überhaupt finden. Die Missachtung des Feuerverbots und Littering sind weitere unerwünschte Begleiterscheinungen des stetig zunehmenden Besucherstroms, der im letzten Sommer ein für die Einheimischen unerträgliches Mass erreicht hat.

Anwohner reichen Begehren ein

Margrit Bachmann, Hans Rudolf Herzog und Heinz Richiger haben mit 60 Anwohnern aus dem Gebiet Lehen letzten Herbst beim Rothrister Gemeinderat ein Begehren deponiert, das Massnahmen zur Verbesserung dieser Missstände verlangt. «Die Problematik ist bekannt», sagt Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser und betont: «Im letzten Sommer haben sich die Zustände durch die Verbreitung in den sozialen Medien zugespitzt.» Nicht nur die Parkplatzsituation habe zu problematischen und teilweise gefährlichen Situationen geführt.

Wie unangenehm und unerfreulich die Situationen teilweise sind, schilderten einige Direktbetroffene an einem Infoabend, der von über 90 Anwohnern besucht wurde. Zu diesem hatte der Gemeinderat ins Feuerwehrlokal geladen, um das von der Verkehrskommission erarbeitete Konzept zu präsentieren. «Es ist nicht Ziel, die Bürger zu schikanieren», sagte Gemeinderat Sägesser und betonte: «Wir wollen die Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit rund um dieses Naturerholungsgebiet verbessern.» Wie die Massnahmen aussehen, zeigte Susann Hunziker, Leiterin Tiefbau Gemeinde Rothrist, anhand eines Ortsplans und mit Bildern.

An schönenWochenenden 

Ab Anfang Mai bis Ende September stellt der Werkhof der Gemeinde Rothrist ausschliesslich an schönen Wochenenden mobile Verkehrsschilder auf. Vorgesehen ist, an sechs Standorten die Zufahrt ab Freitagabend bis Montagmorgen zu sperren. So beispielsweise ab dem Rivella-Kreisel, dem Abzweiger Industrieweg und dem Abzweiger Richtung Juraweg. Ausgenommen vom Fahrverbot sind Zubringerdienste. Da Parkplätze gefragt sind, stehen ebenfalls nur an sonnigen Wochenenden an der Neuen Industriestrasse auf jeder Strassenseite je 20 Parkplätze zur Verfügung. Die Zufahrt ist von beiden Seiten beim Kreisel Ferroflex/Schöni signalisiert. Damit die Besucher den «Badestrand» finden, sind die Wege für Fussgänger ausgeschildert. So beim Aareweg und Lehenhof.

Ein weiteres Problem ist, dass die Besucher sich in der freien Natur und teilweise in den Gärten erleichtern. Gemäss Sägesser wird auf dem Parkplatz Bornweg eine Toi-Toi-Anlage aufgestellt und die Alpiq Hydro Aare AG, Besitzerin des Wasserkraftwerks Ruppoldingen, übernimmt ein Jahr lang die Kosten für die Sauberhaltung. Der ungewollte Massentourismus zieht weitere Vorkehrungen mit sich. «Abfälle achtlos wegzuwerfen oder liegenzulassen ist eine ärgerliche, zunehmende Unsitte», sagte Gemeinderat Sägesser und erklärte, dass zusätzliche Abfallkübel aufgestellt werden. «Das nützt eh nichts, weil sie teilweise zu faul sind und ihren Dreck überall liegen lassen», meinte ein Anwohner. Ein anderer Betroffener machte seinem Ärger Luft: «Einen Kehrichtsack fülle ich problemlos nach einem Wochenende mit dem Müll, den die Leute in meinen Garten und drum herum einfach wegschmeissen.» Für die Entsorgung und die zusätzlichen Gebühren müsse er selber aufkommen. Ein Anwohner entrüstete sich über die Zustände auf «klein Ibiza» und meinte, dort würden laute Partys mit Alkohol und Drogen gefeiert – und dies auch unter der Woche.

Mehr Polizeipräsenz erwünscht

Ein Mitglied des Bootsvereins erzählte, dass kürzlich einige Boote und Bänke beschädigt worden seien. Er schlug vor das Gebiet ab Freitag bis Sonntag mit Schlagbäumen abzusperren. Auch die Idee von Pollern oder einer Totalsperrung wurde vorgebracht. «Da es auch ein Industriegebiet ist, geht dies alles wegen den Lastwagen nicht, da die mit Lieferungen unterwegs sind», gab Sägesser zu bedenken.

Einige der Anwohner erklärten, dass sie sich von der Regionalpolizei etwas im Stich gelassen fühlen. Dies, weil sie sich unter anderem mehr Präsenz und bei Parkplatz-, Lärm- und Abfallsündern ein härteres Durchgreifen wünschen. Andreas von Arx, Gruppenchef Verkehr Repol, hörte aufmerksam zu und zeigte den teilweise begrenzten Handlungsspielraum auf. Vorgesehen ist, dass verstärkt Patrouillen eingesetzt werden.

«Eine Patentlösung gibt es nicht, es lohnt sich aber, mit diesen Massnahmen zu starten», sagte Hans Rudolf Sägesser. Der Gemeinderat gab zu bedenken, dass Gespräche mit umliegenden Gemeinden und Grundeigentümern, auch über die Kantonsgrenze, stattgefunden haben und Rothrist weiter am Ball bleibt. «Wir möchten aber nicht warten, bis alle zustimmen», sagte er und unterstrich: «Rothrist hat eine Vorreiterrolle übernommen, hoffentlich machen die anderen mit.» Den Anwohnern versprach er, im Herbst gemeinsam Bilanz zu ziehen. «Ich hoffe, dass alle Rothrister ab Mai ins neue Hallenbad und danach ins Freibad gehen», sagte Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser und wünschte mit einem Augenzwinkern allen einen «ruhigen Sommer».

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Susann Hunziker, Leiterin Tiefbau, Andreas von Arx, Gruppenchef Verkehr Repol, und Gemeinderat Hans Rudolf Säg-esser präsentieren den Massnahmenplan. egu
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Gegessen, getrunken und alles liegen gelassen –Littering ist nicht nur beim Sitzplatz oberhalb des Wasserkraftwerks Ruppoldingen ein Riesenproblem.archiv bm
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Einverstanden, aber...

Danijel Arsic
schrieb am 16.05.2020 00:13
Und was sieht das Schutzkonzept für die Hand voll Angler vor, die regulär das Jahrespatent beim Fischereiverein Aarburg beziehen? Wie sollen wir in dieser Strecke angeln, etwas unsere Ausrüstung 2km weit tragen?
Hier wird leider wieder einmal mehr auf Kosten von allen das Vergehen weniger verhindert. Ich bin absolut einverstanden, dass das massenhafte Baden und Littering/Lärmverschmutzung absolut fehl am Platz sind (stört uns Angler übrigens genau gleich wie die Anwohner!). Aber was haben wir Angler denn verbrochen, dass wir nicht am Uferparkplatz parkieren dürfen? Wir zahlen uns noch dumm und dämlich, dass wir unser Hobby mit sonstigen schon weitreichenden Einschränkungen überhaupt ausüben dürfen.
Ich bitte die Verantwortlichen doch mit dem Verein Konakt aufzunehmen, um hier nach einer Lösung zu suchen. Es wäre einfach nur fair.
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