Mit Neocolor und Wachsstiften gegen psychische Erkrankungen

Denise Keller.JPG
Die 50-jährige Denise Keller führt die magenta-Farbschule seit 2010 als Inhaberin und Schulleiterin.Lukas Aecherli

Prestigeträchtig ist die Geschichte des Hauses an der Ecke, wo die Werkstrasse in die Unterwasserstrasse mündet: Einst als Gaststätte geplant, dann als Herberge geführt und später als Wohnhaus genutzt, dient das Gebäude seit fünf Jahren als Schulhaus der magenta-Schule. Die von Denise Keller und Hans Rudolf Zurfluh gegründete und geführte «Schule für farbiges Lernen» ist eine Ausbildungsstätte für angehende Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten. «In unseren Räumlichkeiten unterrichten wir die sieben Module des viereinhalbjährigen Lehrgangs Kunsttherapie, welche unsere Studierenden mit dem Branchenzertifikat abschliessen», sagt die Inhaberin und Schulleiterin.

Die Kunsttherapie ist eine Methode, die Menschen mit psychischen und physischen Erkrankungen – beispielsweise Depressionen oder Burnouts – mit Mitteln und Methoden der Kunst helfen soll: «Den inneren Konflikten soll mit Farbe und anderen Materialien Ausdruck verliehen werden; sie sollen sich im Werk abbilden.» Das entstehende Bild dient dabei als Kommunikationsmittel und gibt einen Einblick in die individuell erlebten Turbulenzen. Deshalb eignet sich die Kunsttherapie «überall da, wo die Sprache an ihre Grenze kommt», sagt die 50-Jährige. So findet sie neben dem klinischen Tätigkeitsfeld auch im sozialen Bereich, in der Sonderpädagogik, aber auch in Alters- und Pflegeheimen oder im Bereich der Migration – beispielsweise im Umgang mit Flüchtlingen – Anwendung. Das verfolgte Ziel ist stets die Aktivierung der Selbsthilfekräfte. «Hilfe zur Selbsthilfe», wie Denise Keller die Intention der Kunsttherapie zusammenfasst.

Die Ursachen innerer Konflikte sieht Keller indes in einem «Seelenhunger»: «Die Menschen sehen oftmals den Sinn in dem, was sie machen, nicht mehr.» Sie wollen als Individuum wahrgenommen und nicht nur auf ihre Leistung reduziert werden – das reine Funktionieren ist nach der Kunsttherapeutin nicht mehr zeitgemäss und könne zur Sinnkrise oder — in Kellers Worten — zu einem Seelenhunger führen.

Kreativität im Mittelpunkt

Für die Erstellung eines solchen Werkes inneren Ausdrucks sind sämtliche Mittel, welche die Kunst hergibt, gestattet. «Wir arbeiten unter anderem mit Gouache-Farben, Wachsstiften und Neocolor-Farben.» Ein Grundtalent im Umgang mit diesen Mitteln brauche es aber nicht, ist die Schulleiterin überzeugt. Im Gegenteil: «Manchmal stehen einem künstlerische Fähigkeiten im Weg.» Denn die magenta-Farbschule sei keine Gestaltungsschule. Vielmehr ist sie eine auf die Fachrichtungen Malen und Gestalten spezialisierte Ausbildungsstätte, welche die angehenden Therapeutinnen und Therapeuten nicht im künstlerischen Schaffen, sondern im Anleiten zum künstlerischen Ausdruckverleihen innerer Konflikte ausbildet. So steht nicht der Mangel oder die Krankheit im Mittelpunkt der gemeinsamen künstlerischen Arbeit, sondern die kreativen Fähigkeiten der Klienten, welche es ihnen ermöglichen sollen, ihre inneren Konflikte eigenverantwortlich und autonom darzustellen.

Von der Pilotin bis zur Dr. Physik

Ein einschlägiger Berufsabschluss auf der Tertiärstufe – zum Beispiel als Lehrerin oder Sozialpädagogin – sei hingegen von Vorteil. Insbesondere, wenn die Teilnehmer die Höhere Fachprüfung anstreben. Trotzdem melden sich immer wieder Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für den viereinhalbjährigen Lehrgang an, den man laut Denise Keller als zweiten, teilweise sogar als dritten Bildungsweg absolviert. «Deshalb können wir verschiedenste Berufsgattungen – von der Pilotin bis zur Doktor Physik – in unseren Schulungsräumen begrüssen.»

Diese vielseitigen Hintergründe der Lehrgangsteilnehmer sieht Keller als «enorme Bereicherung.» Denn die angehenden Kunsttherapeuten werden mit Klienten und Patienten aus allen beruflichen Bereichen arbeiten, weshalb eine vielseitige Lebens- und Berufserfahrung von Vorteil ist. So führte auch ihr beruflicher Werdegang über verschiedene Stationen: von der Fachfrau für Raum- und Farbgestaltung bis zur Kunsttherapeutin und jetzigen Schulleiterin der eigenen Ausbildungsstätte. In dieser Funktion hat sie die Lehrgänge zu organisieren und die Dozenten zu rekrutieren. Aufgrund der Dauer des Lehrgangs muss die Schulleiterin immer fünf Jahre im Voraus planen, was eine «grosse Herausforderung» ist.

Von Sempach nach Reiden

Obschon es bereits der neunte Lehrgang ist, ist die magenta-Farbschule erst seit fünf Jahren in Reiden beheimatet. Ihren Anfang nahm die Schule in Sempach. Aus Platzmangel übersiedelte sie an die Werkstrasse in Reiden. Dieser Standort sei optimal, da die Wiggertaler Gemeinde im «Herzen der Schweiz» liege und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar sei. «Das kommt insbesondere unseren Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmern aus dem Bündnerland oder dem Tessin zugute.» Doch trotz des Standortwechsels hat die magenta-Farbschule bereits wieder mit dem altbekannten Problem zu kämpfen: Es fehlt an Platz. Aufgrund dessen plant die magenta-Schule im grosszügigen Garten der einstigen Herberge einen kubusförmigen Erweiterungsbau – in ihm wollen Denise Keller und Hans Rudolf Zurfluh die neue Fachrichtung Intermediale Kunsttherapie unterbringen. So erfährt das prestigeträchtige Objekt an der Ecke, wo die Werkstrasse in die Unterwasserstrasse mündet, in naher Zukunft eine weitere Veränderung und die Geschichte des jetzigen Schulhauses wird um ein Kapitel erweitert.

Die sieben Module

Modul 1 Fachgrundlagen I Medizinische Grundlagen

Modul 2 Fachgrundlagen II u.A. Psychologie, Psychopathologie, Biografie, Soziologie, Pädagogik, Sozialpädagogik, Psychohygiene

Modul 3 Künstlerische Fähigkeiten

Modul 4 Kunsttherapie

Modul 5 Kunsttherapeutisches Praktikum

Modul 6 Fallstudie

Modul 7 Berufsrolle

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Bademeister/in 100%, 4852 Rothrist, Mitarbeiter,
EW Rothrist AG
Technischer Angestellter, 4852 Rothrist, Mitarbeiter,
Pensionskasse Kanton Solothurn
Leiter/in Immobilienbewirtschaftung, 4502 Solothurn, Mitarbeiter, hurn
GLB
Langenthal/Landschaftsgärtner, 4900 Langenthal, Mitarbeiter, Langenthal
INSIDE
Inside, 4500 Solothurn, ,
H. P. Müller Werkzeugmaschinen AG
Servicetechniker 100%, 4554 Etziken, Mitarbeiter, Etziken
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner