Will denn niemand Präsident des FC Aarau werden?

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«Mister X» – wo bist du? Der FC Aarau sucht einen neuen Präsidenten. (Bild: Shutterstock)

Im Frühling 2018 kündigt Alfred Schmid an: «Die Saison 2018/19 wird die letzte meiner Amtszeit als Präsident des FC Aarau sein.» Seither ist ein Jahr vergangen. Die Generalversammlung der FC Aarau AG, an der Schmids Nachfolger gewählt werden soll, rückt näher – am 24. Juni 2019 ist es so weit. Doch so wie geplant dürfte es nicht kommen. Denn der Nachfolger des Unternehmers aus Gränichen wird aller Voraussicht nach er selber sein. Was Schmid noch vor einem halben Jahr kategorisch ausschloss, ist mittlerweile die wahrscheinlichste Variante.

Schmid, 63 und seit 2007 im Amt, hängt ein 13. Jahr als FCA-Präsident an. Die Anzeichen dafür sind offensichtlich: Namen von Nachfolger-Kandidaten sind in den vergangenen Monaten keine durchgesickert. Und die einstige Prognose Schmids, dass Ende Februar, spätestens Ende März dieses Jahres der Name des neuen Präsidenten bekannt sein werde, ist nicht eingetroffen. Dabei war Schmids Rücktrittsankündigung vor einem Jahr alles andere als heisse Luft. Damals schien es, als würde die für den Stadion-Neubau entscheidende Volksabstimmung über die Teilrevision der Nutzungsplanung im Aarauer Torfeld Süd während der Saison 2018/19 stattfinden. Bekanntlich ist dieser Fahrplan überholt, gemäss Insidern findet der Urnengang im ersten Halbjahr 2020 statt.

Nach dem Sieg in der Stadion-Abstimmung abtreten – das war Schmids Wunschszenario. Für seinen Nachfolger wäre klar gewesen, ob der FCA in absehbarer Zeit eine neue Spielstätte erhält oder nicht. Weil diese Frage immer noch einer Antwort harrt, kann Schmid trotz intensiver Suche und vielen Gesprächen keinen Nachfolger präsentieren. An der Ungewissheit «neues Stadion ja oder nein», die ein neuer Präsident übernehmen müsste, will sich niemand die Finger verbrennen.

Weitere Punkte im Anforderungsprofil erschweren die Suche: Der neue Präsident wäre ein Mann von Schmids Gnaden und verpflichtet, den FCA im ähnlichen Stil weiterzuführen. Heisst: Die breite Abstützung in der kantonalen Wirtschaftselite pflegen sowie die Bereitschaft und die finanzielle Potenz haben, um im Notfall mit privaten Geldern ein Loch zu stopfen.

Eine wichtige Rolle in der Präsidentensuche spielen die mächtigen Gönnervereinigungen «Club 100» und «White Socks». Sie plädieren für eine weitere Amtszeit von Präsident Alfred Schmid, weil sie in Zeiten der Unsicherheit Kontinuität an der Klubspitze wollen. Mit Schmid würde auch Vizepräsident Roger Geissberger im Verwaltungsrat bleiben: Dieser hat stets betont, er sei 2007 mit Schmid angetreten und werde gemeinsam mit ihm austreten. Vor allem Sportchef Sandro Burki wird sich über diese Aussichten freuen: Er wüsste mit Schmid und Geissberger eine Klubspitze hinter sich, die ihn 2017 zum sportlichen Sanierer erkoren hat und die ihn machen lässt.

Schmid will sich offiziell nicht äussern. Er lässt zwar durchblicken, dass nach der Suche ein Kandidat verblieben sei, der seinen Vorstellungen entspreche. Bis Mitte Mai werde er von diesem «Mister X» Bescheid erhalten. Trotz dieser minimen Hoffnung auf den Rücktritt: Schmid geht von einem weiteren Jahr als FCA-Präsident aus. In ihm ist die Erkenntnis gereift, dass der Status quo bis 2020 alles andere als eine Notlösung wäre. Er und seine Verwaltungsratskollegen sind vertraut mit dem Stadion-Dossier, wogegen sich ein neuer Präsident erst in die komplexe Materie einarbeiten müsste. Ein Risiko, wenn man davon ausgeht, dass die Stadion-Abstimmung tatsächlich bis Mitte 2020 über die Bühne geht.

Gemäss Recherchen ist auch eine Übergangslösung möglich: Schmid bleibt ein weiteres Jahr Präsident, am 24. Juni aber wird sein designierter Nachfolger in den Verwaltungsrat gewählt (für den sicher ausscheidenden Urs Bachmann). Dieser soll nach einem Jahr Eingewöhnung und der hoffentlich entschiedenen Stadion-Frage im Sommer 2020 von Schmid übernehmen.

Was heisst der Status quo aus sportlicher Sicht? Schmid lässt keine Zweifel offen, dass ein erfolgreicher FC Aarau die halbe Miete für einen Sieg in der Stadion-Abstimmung sei. Also würde Sportchef Burki die nötigen Mittel erhalten, um für die nächste Saison ein ebenso kompetitives Kader wie das aktuelle zu bauen. Schmids neues Wunschszenario lautet: Im Frühling 2020 erst die Stadion-Abstimmung gewinnen, aufsteigen und dann abtreten.

Doch was, wenn der FCA die kleine Chance nutzt und bereits dieses Jahr aufsteigt? Das würde die Ausgangslage auf den Kopf stellen. Schmid hätte das sportliche Ziel, den Klub zurück ins Oberhaus zu führen, erreicht. Zudem wäre es in diesem Fall aus Attraktivitätsgründen wohl möglich, auf den letzten Drücker einen neuen Präsidenten zu finden. Und als Superligist, so Schmid, hätte der FCA das neue Stadion auf sicher. Bei einem Aufstieg also dürfte sich sein Wunsch, 2019 zurückzutreten, doch noch erfüllen.

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