Vitus Huonder bleibt vorläufig im Amt – wer könnte den umstrittenen Bischof ablösen?

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Bischof Vitus Huonder ©Manuela-Jans Koch

Diesen Moment hatten sich viele Reformkatholiken herbeigesehnt. Am Ostersonntag, an seinem 77. Geburtstag, sollte die Amtszeit von Vitus Huonder enden. Doch der wohl umstrittenste Oberhirte der Schweiz und die Bistumsleitung bleiben vorerst im Amt, bis Huonders Nachfolge geregelt ist. Das teilte das Bistum Chur am Montag mit.

 Ein neuer Termin für das Ende von Huonders Amtszeit ist laut dem Bischöflichen Ordinariat in Chur nicht bekannt. 
 Im Prozedere für die Ablösung von Huonder war vor Ostern kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen. Alle Namen, die im Zusammenhang mit der Nachfolge des abtretenden Churer Bischofs ins Spiel gebracht worden sind, gründen auf Spekulationen.

Als der Churer Bischof dem Papst vor zwei Jahren – dem Kirchenrecht folgend – den Rücktritt angeboten hatte, bat ihn der Vatikan, noch zwei Jahre zu bleiben. Diese beiden Jahre hätten eben just am Ostersonntag geendet. Nun kommt es zu einer weiteren Verlängerung.

Im Vorfeld der Bischofswahl haben Priester an die 700000 Gläubigen im Bistum Chur appelliert, für einen «guten» Bischof zu beten, für einen, der versöhnend und verbindend wirke.

1. Wer könnte Vitus Huonder beerben?

Als möglicher Kandidat gilt Urban Federer, der Abt des Klosters Einsiedeln. Werner Inderbitzin, der Präsident der Schwyzer Kantonalkirche, glaubt, dass er «wieder für die nötige Ruhe in Chur sorgen könnte». Weggefährten beschreiben Federer als sanften, klugen Zeitgenossen, intelligent, offen und tolerant. In Einsiedeln wird der 50-Jährige geschätzt, weil er aktiv am Dorfleben teilnimmt.

Immer wieder macht auch der Name von Alain de Raemy die Runde, des 60-jährigen Weihbischofs des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg. Der «Tages-Anzeiger» beschreibt ihn als «freundlichen, aber farblosen Kirchenmann» und «linientreuen Apparatschik». Am meisten Furcht flösst reformorientierten Katholiken Martin Grichting ein. Der 51-jährige Generalvikar des Bistums Chur steht dem dualen System mit der römisch-katholischen und der Landeskirche ablehnend gegenüber. Er würde wohl Huonders Kurs weiterführen.

2. Wie wird der neue Bischof überhaupt gewählt?

Selbst Insider halten das Prozedere für intransparent. Aufgrund eines historischen Privilegs wählt das Churer Domkapitel den neuen Bischof. Dieses besteht aus 24 Domherren, die den Bischof in der Leitung des Bistums unterstützen. Doch auch Rom spielt eine zentrale Rolle. Der Nuntius in der Schweiz, derzeit der amerikanische Erzbischof Thomas Edward Gullickson, schlägt dem Vatikan mögliche Huonder-Nachfolger vor. Daraus erstellt Rom ein Dreierticket, aus dem wiederum das Domkapitel den neuen Bischof kürt. Denkbar ist auch, dass der Papst einen Apostolischen Administrator, eine Art Übergangsbischof, in Chur installiert.

3. Weshalb polarisiert Vitus Huonder so stark?

Im persönlichen Gespräch wirkt der Bischof zurückhaltend, fast scheu. In öffentlichen Stellungnahmen hat er aber immer wieder viele Menschen brüskiert, indem er den Primat der katholischen Lehre betonte. Im einem Hirtenbrief aus dem Jahr 2012 stellte er klar, dass geschiedene Wiederverheiratete nicht zu den Sakramenten zugelassen sind. Im letzten Jahr schrieb Huonder wieder in einem Hirtenbrief, die Verhütung gehöre zur «Kultur des Todes». Er rief die Botschaft der 1968 erschienenen päpstlichen Enzyklika «Humanae Vitae» in Erinnerung, die Katholiken jegliche Verhütungsmittel verbietet.

Die wohl schärfste Kontroverse löste Huonder aus, als er 2015 an einem Vortrag in der deutschen Stadt Fulda folgende Stelle aus dem Alten Testament zitierte: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.» Der Homosexuellenverband Pink Cross reichte darauf eine Anzeige ein wegen öffentlichen Aufrufs zu Gewalttätigkeit, blitze aber ab.

4. Was macht Vitus Huonder nach seiner Zeit als Bischof?

Huonder wird in den Wohntrakt für Priester des Knabeninstituts Sancta Maria in Wangs (SG) einziehen, wo die die ultrakonservative Piusbruderschaft eine staatlich anerkannte Privatschule führt. Huonder wird erst dann aus dem bischöflichen Sitz in Chur ausziehen, wenn er weiss, wie der neue Bischof heisst.

Er hat von Papst Franziskus den Auftrag erhalten, einen informellen Kontakt mit der exkommunizierten Bruderschaft zu pflegen. In Rom stehen die Zeichen auf Annäherung. Huonder sagt, die Piusbrüder leisteten viel Wertvolles, gerade im Bereich der Bildung.

Und: «Wir dürfen sie nicht an die Wand drängen, sondern müssen sie integrieren.» In der Vergangenheit geriet die Bruderschaft auch wegen antijudaistischen Tendenzen unter Beschuss.

Vitus Huonder sagt: «Es gibt in allen Gemeinschaften verschiedene Geister. Man darf keine Pauschalurteile fällen.» So habe die Bruderschaft zum Beispiel Holocaustleugner Richard Williamson aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. (chm/sda)

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