Der FC Aarau will Lausanne nervös machen

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Das erste Heimspiel des FC Aarau gegen Lausanne im Dezember war ein Spektakel und endete 2:2. Varol Tasar (Mitte) erzielte das frühe 1:0 für den FCA. (Bild: Freshfocus)

Heiss auf Lausanne, heiss auf die Barrage, heiss auf die Super League! Der FC Aarau träumt fünf Runden vor Schluss vom Aufstieg. Träume sind erlaubt. Aber Träume sind oft Schäume. Noch ist ein Platz in der höchsten Spielklasse in weiter Ferne. Erst einmal geht es um Rang zwei, um den Barrage-Platz also, der Ende Mai/Anfang Juni die Aufstiegsspiele gegen den Neunten der Super League möglich macht. Der FC Aarau kann im Spitzenspiel gegen Lausanne am Samstag im Brügglifeld die Weichen in Richtung Barrage stellen. Mehr nicht.

Fünf Punkte beträgt der Rückstand der Aarauer auf die Waadtländer. Mit einem Sieg könnte der FCA den Rückstand auf zwei Zähler verkürzen. Am nächsten Freitag gastiert Lausanne in Genf und muss zum Derby gegen Servette antreten. Der FCA spielt in Schaffhausen. Im besten Fall grüssen die Aarauer am Samstag, 11. Mai, kurz vor 19.30 Uhr von Rang zwei …

Gemach, gemach: Erst braucht es einen Erfolg gegen Lausanne. Klar ist: Nach dem 2:1-Sieg gegen Servette grassiert rund um den FC Aarau das Fussballfieber. Im Vorfeld des Spiels zwischen Aarau und Lausanne sprechen FCA-Präsident Alfred Schmid, Trainer Patrick Rahmen, Sportchef Sandro Burki, Captain Gianluca Frontino und FCA-Fotografin Sarah Rölli über ihre Gefühle, Erwartungen und Wünsche.

Präsident Alfred Schmid: «Für mich ist FC Aarau gegen Lausanne ein Final. Ich liebe Spiele mit Cup-Charakter. Es geht um alles oder nichts. Wir müssen gewinnen und wollen Lausanne nervös machen. Unsere Spieler strahlen seit Wochen und Monaten eine extreme Winner-Mentalität aus. Das beste Beispiel ist Stefan Maierhofer. Keiner versteht es so gut wie der Österreicher, die Mitspieler zu motivieren und anzustacheln. Er ist eine markante Persönlichkeit. Die Euphorie rund um die Mannschaft ist gross. Aber es ist nicht nur das Team, das mich überzeugt. Auch der Trainerstab mit Patrick Rahmen an der Spitze zieht an einem Strick. Und Sportchef Sandro Burki ist es gelungen, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Ich spüre bei allen Beteiligten, dass sie sich mit dem FCA identifizieren. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Klar ist, dass der FCA gegen ein starkes Lausanne die Unterstützung der Zuschauer braucht. Die Fans müssen die Rolle des zwölften Mannes spielen. Ich gehe mit einem guten Gefühl ins Brügglifeld und freue mich, dass unser Sportminister Alex Hürzeler mit dabei ist. Das Spiel wird ein Spektakel. Ich rechne mit rund 5000 Zuschauern. Ich glaube an viele Tore und tippe auf einen 3:2-Sieg des FCA.»

Trainer Patrick Rahmen: «Für mich ist es eine Genugtuung, dass der FC Aarau immer noch um den Barrage-Platz kämpfen kann. Ich freue mich für den Trainerstab, für die Spieler, für die Angestellten des Vereins und für die treuen Fans. Die Erfolge der vergangenen Wochen und Monate sind der Beweis für die Solidarität untereinander. Nach dem verpatzten Saisonstart ging es um meinen Job als Trainer. Nachdem wir nach elf Spielen nur vier Punkte hatten, wusste ich, dass ich jetzt nicht weitere fünf Spiele verlieren darf. Aber ich hatte keine Angst, zu scheitern. Nie! Meine Energie war immer da. Zudem spürte ich das Vertrauen von Sportchef Sandro Burki und das Vertrauen des Verwaltungsrats. Ich wusste um die Qualität der Mannschaft. Ich wusste, dass ein Erfolgserlebnis den Turnaround auslösen kann. Es war wichtig, dass wir nach dem schlechten Start auf dem Transfermarkt aktiv wurden. Die Verpflichtungen von Nicolas Bürgy, Stefan Maierhofer und Goran Karanovic haben die Qualität des Kaders verbessert. Und das kurzfristig anberaumte Trainingslager im Allgäu löste bei den Spielern eine positive Reaktion aus. Es hat die Spieler zusammengeschweisst.»

Sportchef Sandro Burki: «Ich bin in erster Linie stolz auf die Mannschaft, den Trainerstab, alle Mitarbeiter und alle Fans des FC Aarau. Sie haben trotz des schlechten Saisonstarts grossartige Arbeit geleistet. Ich spürte bei allen Leuten im Umfeld des FC Aarau eine grosse Solidarität. Für mich war es eine verrückte Saison mit vielen Höhepunkten und vielen Tiefschlägen. Ich habe viel gelernt. Das Wichtigste für mich war, dass ich sowohl in guten wie in schlechten Zeiten sachlich und positiv bleibe. Obwohl der FC Aarau jetzt um den Barrage-Platz kämpft, hat keiner vergessen, woher wir kommen. Der FC Aarau war bis im Herbst des vergangenen Jahres Tabellenletzter. Wir hatten elf Spiele, vier Punkte. Aus den vergangenen 20 Spielen hat der FC Aarau 47 Punkte geholt. Das ist sensationell. Es ist aber wichtig, dass wir bescheiden bleiben und nach vorne blicken. Das Foto von der rauschenden Siegesfeier in der Garderobe nach dem 2:1-Erfolg gegen Servette zeigt, dass der FC Aarau lebt. Es war eine Ausnahmesituation, die ich auf spontane Art und Weise mit einigen Handy-Bildern festgehalten habe. Wir wissen, dass der Barrage-Platz nach diesem Sieg in Griffweite ist. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir die Unterstützung der Fans. Es wäre schön, wenn gegen Lausanne mehr als 4000 Zuschauer ins Brügglifeld kommen würden. Ich kann eines versprechen: Der FC Aarau wird auf Sieg spielen, muss aber aufpassen, dass er bei aller Offensive die Kontrolle nicht verliert.»

Captain Gianluca Frontino: «Mal ganz ehrlich: Nachdem ich meinen Rücktritt vom Profifussball bekannt gab, hat kaum noch jemand mit mir gerechnet. Für mich ist das Tor zum 1:1 gegen Servette eine Genugtuung. Und das Tor ist die Bestätigung, dass ich auf dem Niveau der Challenge League immer noch mithalten kann. Ich konnte also ein Zeichen setzen. Ein Zeichen, das mir guttut. Aber dieses Zeichen widme ich in erster Linie der Mannschaft, die in den vergangenen Wochen ganz stark gespielt hat. Und nun kommt Lausanne ins Brügglifeld. Gewinnen wir auch dieses Spiel, ist alles möglich. Dann sind wir im Vergleich mit den Waadtländern vier Runden vor Schluss von der psychologischen Seite her im Vorteil. Natürlich möchte ich meinen Teil für einen gelungenen Abschluss der Saison beitragen. Ich bin fit und bereit für weitere Einsätze. Nun wünsche ich mir für das Spiel gegen Lausanne ein gut gefülltes Stadion mit an die 5000 Zuschauern. Jetzt muss es ‹choche› im Brügglifeld!»

Fotografin Sarah Rölli: «Auf gehts! Gegen Lausanne kann ein entscheidender Schritt für den weiteren Verlauf der Saison gemacht werden. Meine Vorfreude ist riesig. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie für grosse Aufgaben bereit ist, und hat sich einen grossen Publikumsaufmarsch verdient. Dass es in dieser Phase der Meisterschaft noch um den Barrageplatz gehen könnte, haben im Herbst wahrscheinlich nur unverbesserliche Träumer wie ich geglaubt. Natürlich hat die brutale Anfangsphase auch bei mir Spuren hinterlassen. An der Liebe zu meinem Verein hat sich nichts verändert und auch an der Mannschaft habe ich nie gezweifelt, doch hat es enorm wehgetan zu sehen, dass die Mannschaft wie auch der Staff in der Öffentlichkeit zerrissen wurden und die Zuschauerzahlen sanken. Der Wendepunkt aus meiner Sicht war das Auswärtsspiel in Chiasso, als wir als Schlusslicht anreisten und nach 85 Spielminuten im Hintertreffen lagen; mit Tränen in den Augen bin ich am Spielfeldrand gestanden, um nur wenige Minuten später – nach der spektakulären Wende – einen kapitalen Sieg zu feiern. Seither erlebe ich eine meiner schönsten Zeiten mit dem FCA. Zuletzt war der Erfolg in Genf herausragend – unbeschreiblich, nach so vielen Jahren endlich mit drei Punkten aus dem Stade de Genève heimreisen zu dürfen. Das macht Mut für das Spiel gegen Lausanne.»

 

 

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