Wenn der Gott in Weiss im Spital die Selbstbestimmung einschränkt

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Lernschwester Katy Sadler (Jeannette Bürli-Wirz, links) und Pfleger John (Mattias Peyer, sitzend) kümmern sich um Patient Ken Palmer (Peter Unternährer) (Bild: monika Szalai)

Wie lebenswert ist das Leben eines Tetraplegikers, der – vom Hals abwärts gelähmt – auf Pflege und Hilfestellung anderer Menschen angewiesen ist? Darf sein Leben noch als solches bezeichnet werden? Dass solchen Fragen mit philosophisch-abstrakten Gedankenspielen allein nicht beizukommen ist, zeigte das Theater Altishofen am Freitag mit der Premiere von «Ist das nicht MEIN Leben?». Bereits der Titel bringt es in seiner personalisierten Zuspitzung trefflich auf den Punkt: Dahinter verbergen sich stets konkrete menschliche Schicksale.

Schicksal auch etwas Positives

«Es war leider nicht mehr alles zu flicken», hadert der Bildhauer Ken Palmer mit seinem Los. Nach einem Autounfall ist er vom Hals abwärts gelähmt und befindet sich seit über sechs Monaten im Spital. Gefangen in seinem Bett. Nie wieder wird er mit seinen Händen eine Skulptur erschaffen können.

Und doch, trotz aller Unbill des Lebens, hat er Grund zur Freude: «Ich kann wieder selber über meine Zukunft bestimmen – allzu lange musste ich mir dieses Recht erkämpfen.» Wie und weshalb Ken Palmer um dieses Recht auf Selbstbestimmung kämpfen musste, wird während zwei Akten in einer grossen Erzählrückblende erklärt. Abgesehen von ein paar wenigen Nebenszenen spielt sich ein Grossteil der Handlung rund um ebenjenes Spitalbett ab, welches – sich vom Rest der einfach gehaltenen Kulisse wuchtig abhebend – in der Mitte der Bühne thront. Auch wenn oder gerade weil er sich kein Stück fortbewegen kann, diktiert darin der Patient das Geschehen.

Interpretiert wird die Hauptrolle von Peter Unternährer, der sich nahezu über die volle Spieldauer auf der Bühne befindet – eine eindrückliche schauspielerische Parforceleistung. Mal geradeheraus seine verzweifelte Situation beklagend, mal mit geradezu zynischen Spitzfindigkeiten dieselbe überspielend, lässt der 57-jährige Hauptdarsteller das Publikum tief in seine aus den Fugen geratene Gefühlswelt eintauchen.

Kampf um Selbstbestimmung

Je länger, je mehr kommt bei Patient Palmer der Wunsch auf, nicht weiterleben zu müssen. Doch die unerbittlich lebenserhaltende Spitalmaschinerie steht ihm im Weg. Wenn er also seinen Arzt Amerson leicht scherzhaft als Zeus vom Olymp bezeichnet, stellt sich unweigerlich die Frage, inwiefern dieser – gleichsam ein Gott in Weiss – über Leben und Tod bestimmen darf. Erst auf Weisung des Richters gibt der Arzt nämlich dem Todeswunsch seines Patienten widerwillig nach. Der von Erfolg gekrönte Kampf um Selbstbestimmung einerseits und die daraus resultierenden tödlichen Folgen andererseits gipfeln für den Zuschauer in einer schier auflösbaren Ambivalenz.

Mit einer wohl austarierten Melange aus Lachmomenten und Tiefgang versteht es das Theaterensemble Altishofen, über ein ernsthaftes Thema zum Nachdenken anzuregen. Der Lohn: Das Premierenpublikum zollte begeistert Beifall.

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