Vier Meinungen: Ist der Muttertag eine lästige Übung oder ein schöner Brauch?

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Bild: www.flowers-deluxe.de

Muttertag muss nicht sein

Ehrt die Mutter jeden Tag (Tobias Walt)
Am Sonntag ist nicht nur Mutertag, sondern auch der Welttag des Elefanten und in Turkmenistan wird ausserdem der Tag der Melone gefeiert. Für jeden Stuss gibt es heutzutage einen Tag, was die herkömmlichen Gedenk- und Ehrentage wie der Muttertag total abwertet. Doch dies ist nicht schlimm, denn den Muttertag braucht es nicht. Nicht mehr. Es gab mal eine Zeit, in welcher der Mann das Familienoberhaupt war und für das finanzielle Einkommen sorgte, während die Frau zu Hause in der Küche stand, Einkäufe erledigte oder die Wäsche wusch. Während der Mann sonntags und später auch samstags frei hatte, war die Frau sieben Tage die Woche im Einsatz, meist ohne dafür je einen Rappen verdient zu haben. Wollte sich eine Frau etwas leisten, musste sie bei ihrem Mann regelrecht um das Geld betteln. Solche Verhältnisse wären heute nicht mehr denkbar. Umso wichtiger war es damals, dass man den Einsatz der Mutter für die Familie honorierte. Meine Eltern hingegen teilten sich Familienbetreuung und Arbeit immer sehr gleichmässig auf. So habe ich nie begriffen, weshalb ich mit dem Muttertag einen Tag zelebrieren soll, der viel prominenter da steht als der Vatertag und ausserdem — wie der Valentinstag — kommerziell missbraucht wird. «Du sollst Vater und Mutter ehren», gilt seit dem Alten Testament jeden Tag und nicht nur am zweiten Sonntag im Mai. Mehr Teilzeitstellen und Lohngleichheit sind Dinge, die den Müttern mehr nützen als Blumen. Und ein Blumenstrauss für Mama ist doch unter dem Jahr mit dem Überraschungseffekt mehr wert, als am Muttertag, wenn er fast schon erwartet wird.

Den Muttertag lieber als Familientag feiern (Emiliana Salvisberg)
Das vor Tagen von meiner Tochter gepflückte Margritli lässt den Kopf schon etwas hängen, ihr «Mama ich liebe Dich»-Zettel hängt aber neben anderen Botschaften und Zeichnungen in meinem Büro. Es sind die kleinen, überraschenden Aufmerksamkeiten, die mein Herz erwärmen. Morgen ist Muttertag – und selbstverständlich erfreuen mich die selbst gebastelten Geschenke meiner Tochter – vor allem weil sie so bemüht ist, ja nichts zu verraten. Auch ich habe als Kind meine Mutter gerne verwöhnt. Was mich aber schon früh störte, war ihr Wertschätzung und Aufmerksamkeit an einem vorgeschriebenen Tag zu zeigen. Denn alles was sie für mich, für uns getan hat, tat sie an jedem Tag das ganze Jahr über. Der Muttertag ist für mich erzwungen, aufgesetzt wie der Valentinstag. Sie vereint, dass sie total kommerzialisiert sind, damit die Kassen klingen, was sie auch tun. Doch ein immaterieller Wert wie Liebe lässt sich nicht mit Blumen, Parfüm oder Pralinen aufwiegen. Wichtig ist mir jeden Tag zu erleben, dass wir einander helfen, uns respektieren, ehren und lieben – halt mal mehr, mal weniger. So geniesse ich es, wenn die Familie sich abseits des Werbe-Trubels vereint. Natürlich mit den Vätern, denn auch sie verdienen, wie die Kinder, Anerkennung. So bin ich dafür, den Muttertag als Familientag zu begehen – jeden Tag aufs Neue.

Der Muttertag ist ein Festtag

Macho – einmal im Jahr (Philippe Pfister)
Eine ewige Kritikerin des Muttertags ist – meine Mutter selbst. Das sei doch ein Chabis, diese Erfindung der Geschäftemacher, befand sie jeweils am Mittagstisch, wenn dann doch jemand aus der Familie (meist meine ältere Schwester) eine rettende Idee gehabt hatte und Mama eine Muttertagsüberraschung überreicht werden konnte. Diese Abneigung muss es gewesen sei, die meine Skepsis anstachelte und mich erst einmal eine Gegenposition einnehmen liess. So richtig abbringen davon konnte mich bisher nichts.

Aus politisch korrekter Sicht ist dieser Muttertag natürlich fürchterlich rückständig. Mama, die jahrein, jahraus am Herd steht und für die Meute kocht. Mama, die den Haushalt vor dem Abgleiten in Chaos bewahrt. Also seid gefälligst mal dankbar, mindestens einmal im Jahr! So denken nur Machos und die gehören schliesslich ins Pfefferland geschickt.

Gerade dieser altbackene Groove ist es, den ich am Muttertag so mag. Er gehört zum Mai wie Weihnachten zum Dezember. An Ritualen ist diese Welt in den letzten Jahrzehnten nicht reicher geworden, im Gegenteil. Wieso also über Sinn und Unsinn eines Rituals nachdenken, das unter dem Strich ein paar glückliche Gesichter hinterlässt?

Ich bin mal gespannt, was meine Mama morgen über den Muttertag verlauten lässt. Inzwischen ist sie bald 93 und lebt ein einem Pflegeheim. Ihr Beine tragen sich nicht mehr, aber ihr temperamenvoller Geist blitzt auf wie eh und je. Wahrscheinlich wird sie am Brunchtisch sagen, dass dieser Muttertag doch ein riesiger Chabis sei – und sie sich trotzdem wahnsinnig freuen. Bingo!

Wir lieben diese Familientreffen (Raphael Nadler)

Der Muttertag ist bei uns in der Agenda immer rot angestrichen. An diesem Tag wird schon seit Jahren nichts anderes abgemacht. Es ist ein Feiertag. Seit Tagen basteln unsere Kinder nun schon im Geheimen kleine Geschenke für den Muttertag. Mit Liebe malen sie Tischkärtchen, schreiben Brieflein für ihre Mutter, ihre Grossmütter und ihre Urgrossmutter. Sie alle kommen zu Besuch. Es gibt ein grosses Wiedersehen mit den Liebsten. Ein richtiges Familientreffen mit allem, was dazugehört. Natürlich gibt es zum Muttertag auch Blumen und ein feines Essen. Die Kinder servieren freiwillig und natürlich immer zuerst allen Müttern. Diese schätzen es sehr und geniessen es im Mittelpunkt stehen. Dass die Amerikanerin Anna Marie Jarvis, die Initiantin des Muttertags, diesen wieder abschaffen wollte, verstehe ich nicht. Es gäbe aus meiner Sicht andere «Tag des ...», die man bedenkenlos streichen könnte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Für uns sind Familientreffen keine lästigen Angelegenheiten, die wir möglichst schnell hinter uns bringen wollen. Wir lieben sie und treffen uns regelmässig. Wir feiern jeden Geburtstag unserer Angehörigen mit einem Fest oder treffen uns auch sonst regelmässig zu einem gemütlichen Essen oder einem gemeinsamen Spaziergang. Die Familie und ihre Zusammengehörigkeit steht bei uns hoch im Kurs. Nicht nur am Muttertag.

 

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