Knall in der Schweizer Radsportszene: Nationaltrainer Danilo Hondo gesteht Blutdoping

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Danilo Hondo vor wenigen Tagen an der Tour de Romandie © Keystone

Sonntag, kurz vor 14.30 Uhr, erreicht die Schweizer Medien eine Einladung zu einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz um 18 Uhr. Absender: Swiss Cycling. Der Hintergrund kann nur einer sein: Doping.

 

Und tatsächlich: Der frühere deutsche Radprofi und heutige Schweizer Nationaltrainer Danilo Hondo hat am Sonntagmorgen vor laufenden Kameras der ARD-Dopingredaktion gestanden, beim Erfurter Arzt Mark Schmidt Blutdoping betrieben zu haben. «Er hatte vehement versucht, Druck auszuüben, dass das schon eine Geschichte ist, die Sinn macht, die doch sehr weit verbreitet ist», sagt Hondo gegenüber der ARD, «dann habe ich schlussendlich leider Gottes den grossen Fehler meines Lebens getan und dieser Geschichte zugestimmt.»

Der Erfurter Arzt Schmidt war im Zuge der Razzien bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld und in Erfurt Ende Februar festgenommen worden. Die Ermittler hatten bekanntgegeben, dass dem Dopingring 21 Sportler aus acht Nationen und fünf Sportarten angehörten.

«Anti-Doping auf die Fahnen geschrieben»

Noch am Samstag wurde Hondo mit der Geschichte von den ARD-Journalisten konfrontiert, stritt aber eine Tatbeteiligung Schmidts vehement ab. Doch dann, keine 24 Stunden später, entschied er sich dazu, ein vollumfängliches Geständnis abzulegen, obwohl ein Anwalt noch dazu abgeraten hatte.«Da ich mittlerweile als Nationalcoach in der Schweiz tätig bin, mit vielen jungen Fahren zu tun habe und mir in den letzten Jahren wirklich ganz aktiv, präventiv Anti-Doping auf die Fahnen geschrieben habe, war dann relativ klar: Wenn ich in diesen Fall verwickelt bin, muss ich dazu stehen, um das, was ich in den letzten Jahren als nicht mehr aktiver Radprofi getan habe fortführen», sagt er im ARD-Interview, «da wäre es jetzt Unrecht, wenn ich versuchen würde, mich meiner Verantwortung mit juristischen Mitteln zu entziehen. Nur so kann ich ein klares Zeichen setzen gegenüber meinen Sportlern.»

Schweizer Radsportverband «geschockt»

Geständnis hin oder her. In der Schweiz sollen bereits Ermittlungen gegen Hondo aufgenommen worden sein. Sowohl die Schweizer Anti-Doping-Agentur wie auch die Bundespolizei fedpol und die Kantonspolizei Bern sollen sich unlängst mit Hondo beschäftigt haben. Dass sein Geständnis schwerwiegende Konsequenzen haben wird, sei Hondo bewusst. «Ich habe den Schweizer Radsportverband am Sonntag früh informiert, alle sind geschockt», sagt er in dem ARD-Exklusiv-Interview. Hondo weiter: «Mir war gleich klar, dass es keine Zukunft im Radsport mehr für mich geben würde – zumal ich offiziell auch noch Wiederholungstäter bin.»Der Schweizer Radsportverband will heute Abend, 18 Uhr, in der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz über den Fall informieren. Es darf davon ausgegangen werden, dass Hondo als Nationaltrainer der Schweizer Strassen-Radprofis per sofort freigestellt wird. Gemäss der ARD weilt der in Zug wohnende Hondo bereits nicht mehr in der Schweiz.

Hondo ist ein Wiederholungstäter

Hondo war 2005 bereits einmal positiv getestet und für zwei Jahre gesperrt worden. Der mittlerweile 45-Jährige, der 2014 vom aktiven Sport zurückgetreten war, hatte stets bestritten, damals bewusst gedopt zu haben. Trotz der Doping-Vergangenheit engagierte Swiss Cycling den Deutschen 2015 als U23-Nationaltrainer. Nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro stieg Hondo zum Nationaltrainer auf.

Bei der "Operation Aderlass" waren während der nordischen Ski-Weltmeisterschaften Ende Februar in Seefeld fünf Langläufer festgenommen worden. Diese hatten teilweise gestanden, Blutdoping betrieben zu haben. Als Drahtzieher des Netzwerkes gilt der zum selben Zeitpunkt in Erfurt verhaftete Arzt Mark Schmidt.

In der Folge zog der Fall immer weitere Kreise. Im April war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck den Servicemann von Dario Cologna vernommen hat. Die österreichischen Behörden bestätigten indes, dass die Befragung in keinem Zusammenhang mit dem Engagement bei Swiss-Ski stehe. Insgesamt stehen 21 Athleten aus fünf Sportarten im Fokus der Untersuchungen.

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