Online-Pionier Roland Brack: «Meine Mission: Wertschöpfung in der Schweiz behalten»

Brack1.jpg
Roland Brack im Hauptlager in Willisau. © Pius Amrein, 15. Mai 2019

Nach einem jahrelangen Streit hat das Bundesgericht Anfang April der Competec-Gruppe recht gegeben. Die Firmengruppe, zu der unter anderem der IT-Grosshändler Alltron und der Onlineshop Brack.ch gehören, darf ihr Logistikzentrum in Willisau ausbauen. Am Mittwochmorgen fand in Willisau der Festakt anlässlich des Baustarts statt. Firmengründer Roland Brack investiert rund 60 Millionen Franken in den Ausbau. Trotz hohem Automatisierungsgrad sollen rund 50 Personen im Neubau arbeiten, wenn dieser voraussichtlich Ende 2020 in Betrieb genommen wird.

Wofür brauchen Sie mehr Platz?

Roland Brack: Wir benötigen das neue Gebäude einerseits für grosse Produkte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen, aber auch als Reservelager für Produkte, die wir in grosser Menge an Lager haben, wie zum Beispiel Bildschirme oder Computer. Diese Produkte lagern wir heute im bestehenden Bau. Dort schaffen wir Platz für Kleinteile. Wenn der Neubau realisiert ist, werden wir zudem deutlich mehr Andockrampen haben.

Sie verkaufen längst nicht nur Elektronik, sondern etwa auch Instrumente, Spielzeug, Lebensmittel und seit kurzem sogar Photovoltaik-Anlagen und Drogerie-Artikel. Verzetteln Sie sich nicht?

Ich hoffe es nicht. Wir haben immer noch den Anspruch, als Online-Fachhändler wahrgenommen zu werden. Zu allen Produkten, die wir verkaufen, bieten wir vor und nach dem Kauf Beratung an. Mit jeder Sortimentserweiterung bauen wir Kompetenzen auf. So hat der Leiter der neuen Geschäftseinheit Supermarkt und Drogerie vorher bei einer Versandapotheke gearbeitet.

Seit einem Jahr verkaufen Sie auch haltbare Lebensmittel wie Pasta, Chips oder Mineralwasser. Wie läuft das Geschäft?

Der Handel mit Lebensmitteln ist auch für uns schwierig. Eine Sechserpackung Mineralwasser per Post zu verschicken, ist nicht so einfach. Wir sind zufrieden mit den Verkäufen, sehen aber auch, dass insbesondere Spezialitäten gut laufen, wie ein besonderer Brotaufstrich oder Gewürze, die man nicht in jedem Supermarkt bekommt.

Wo sehen Sie im Online-Handel am meisten Wachstumspotenzial?

Dort, wo der stationäre Handel am meisten unter Druck ist: Im Non-Food-Segment. Es werden immer mehr Läden verschwinden, gewisse Angebote wird es in den Läden gar nicht mehr geben. Hier ist das Potenzial sicher gross.

Haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie zum Lädelisterben beitragen?

Das sehe ich nicht so. Fürs Ladensterben kann man Online-Händler kaum verantwortlich machen. Es ist der Kunde, der entscheidet, wo er einkauft. Wir decken dieses Bedürfnis ab. Meine Mission sehe ich eher darin, Wertschöpfung in der Schweiz zu behalten. Im Modebereich ist Zalando bereits mit grossem Abstand führend, ohne einen Mitarbeiter in der Schweiz zu beschäftigen. Ausserdem sorgt der Online-Handel auch dafür, dass kleine Firmen Marktzugänge und Chancen erhalten, die früher nicht möglich gewesen wären. Ich sage jeweils: Es ist nicht mehr so, dass die Grossen die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen.

Sie sind mit Ihrer Competec-Gruppe schnell zu einer stattlichen Grösse herangewachsen. Aber sind Sie auch profitabel genug?

Im Online-Handel sind die Umsätze traditionell gross, während die Gewinnmarge im Vergleich eher klein ist. Das Wachstum zu finanzieren, ist immer eine grosse Herausforderung. Ich bin aber überzeugt, dass es eine gewisse Grösse braucht, um im Online-Markt am Leben zu bleiben. Es gibt in diesem Geschäft Platz für die Grossen und für die ganz Kleinen, die eine Nische besetzen. Die Mittelgrossen haben es schwer. Deshalb wollen wir zu den Grossen gehören.

Seit 2015 sind Sie Verwaltungsrats-Mitglied von Möbel Pfister. Der Möbelhändler verkauft die eigenen Artikel seit kurzem aber ausgerechnet über Ihren Konkurrenten Galaxus. Haben Sie nichts dagegen?

Im Gegenteil. Ich habe diesen Schritt sogar unterstützt. Man darf nicht vergessen, dass wir auch im Grosshandel tätig sind und in diesem Bereich ist Galaxus ein Kunde von uns. Bei dem Verwaltungsrats-Mandat steht der Erfolg der Pfister-Gruppe im Zentrum, da zählen meine persönlichen Interessen nicht. Galaxus ist in diesem Segment der bedeutendste Marktplatz in der Schweiz.

Haben Sie nie in Erwägung gezogen, Brack.ch nach dem Vorbild von Amazon und Galaxus ebenfalls zu einem Marktplatz für Drittanbieter zu machen?

Nein, wir wollen uns differenzieren. Als Marktplatz müssten wir Drittprodukte vertreiben, über die wir keine Kontrolle hätten. So wäre es nicht möglich, Online-Fachhändler zu sein, wie wir das möchten. Denkbar ist aber, dass wir für Dritthändler Logistikdienstleistungen anbieten.

Ab nächstem Dienstag sind Sie auf TV24 in der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen» zu sehen. Sie sind einer der fünf Investoren, welche die Startup-Ideen beurteilen und dann investieren. Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?

Es war natürlich ein riesiges Abenteuer. Ich wusste zwar, dass die Schweiz sehr innovativ ist, aber das, was uns die Start-ups präsentiert haben, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen.

Wo werden Sie nun investieren?

Das darf ich noch nicht verraten. Ich habe aber deutlich mehr investiert, als ich mir vor der Sendung vorgenommen hatte.

ZUR PERSON

Roland Brack (46) gründete während seines Elektrotechnikstudiums im Jahr 1994 seine eigene Firma. Später entstand daraus die Competec-Gruppe, zu der unter anderem der IT-Grosshändler Alltron und der Onlineshop Brack.ch gehören. Brack.ch ist heute der grösste unabhängige Online-Händler der Schweiz. Im März 2018 hat Roland Brack die CEO-Funktion der Gruppe abgegeben. Seitdem konzentriert sich der Fricktaler auf das Präsidium des Verwaltungsrats. Die Gruppe mit Hauptsitz im aargauischen Mägenwil beschäftigt über 700 Personen, davon rund 200 im Logistikzentrum Willisau. 2018 stieg der Gruppenumsatz um 9 Prozent auf 724,7 Millionen Franken.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Seniorenzentrum Hardmatt
Teamleitung Admin. 80%, Strengelbach, Mitarbeiter,
Clientis Sparkasse Oftringen
Sachbearbeiterin Zahlungsverkehr, 4665 Oftringen, Mitarbeiter, Oftringen
Gemeinde Wikon
Kauffrau/-mann EFZ, 4806 Wikon, Mitarbeiter, Wikon
aarReha Schinznach
Verstärkung Zofingen Hotellerieteam, Schinznach , Mitarbeiter, Zofingen
ZSB ARCHITEKTEN SIA AG
Bauleiter/in, 4702 Oensingen, Mitarbeiter, Oensingen
Rieder Evelyne
Ich komme zu Ihnen nach Hause, ,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Regio4Fun
Open Air Kino Zofingen
Partner