Max Uthoff nahm Kabarett-Preis Cornichon 2019 entgegen und gab sein neustes Programm

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Skulptur Cornichon-Preis der Oltner Kabarett-Tage. © zvg

Nein, Mann und Frau können sich nicht mit gutem Gewissen einen Abend lang in wohliges Kabarett-Gefühl einlullen. Max Uthoff präsentiert nichts Charmantes, Hübsches. Auch nicht in Olten, wo der Münchner gestern Abend zum Auftakt der 32. Oltner Kabarett-Tage den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon 2019 entgegennahm. Im Gegenzug gab er sein neustes Programm «Moskauer Hunde». Themen: Teenies, die auf einer Mülldeponie in Ghana, umgeben von europäischem Schrott und giftigen Dämpfen, Teile für die Wiederverwertung sichern; Teenies in Südostasien auf Krabbenfang in eiskaltem Wasser, junge Kongolesen, die wahlweise von deutschen Waffen getötet werden oder in Coltan-Minen schuften, damit sich die Habenden das neuste iPhone sichern können. Das geht dem Leiter der «Anstalt» der Satiresendung des ZDF, aber satt gegen den Strich. Nicht nur deshalb, weil Hunde und Katzen im Westen besser gehalten sind als Menschen anderswo. Der Jurist und Kabarettist verbeisst sich in Grundsätzliches. Manchmal erinnert er in der Stimmlage an Harald Schmidt, den deutschen Mister Late Night Show. Aber nur im Ton, nicht in Inhalt und Schärfe.

Aficionados feiern

Wenn Uthoff sagt, Crystal Meth, eine Droge übrigens, führe «zu Gedächtnisverlust, zum Zerfall des Gehirns, und wenn beides zusammenkommt zur Mitgliedschaft in der SPD», dann stossen bei alten Kabarett-Aficionados ARD-Zeiten mit der Sendung «Scheibenwischer» auf. Und das über lange Zeit so schmerzlich vermisste Säuerliche wirkt mit einem Mal wieder dufte. Damals nämlich, zu Zeiten des Dieter Hildebrandt, glaubte man im Publikum noch daran, der Kabarettist würde sagen, was er glaubt. Anders rum: Glauben, was er sagt. Oder war das naiv? Uthoff jedenfalls wirkt jeweils authentisch, glaubhaft, gar verärgert und besorgt. Uthoff spielt nicht Uthoff, Uthoff ist Uthoff. Punkt. Es müsste sich eigentlich Dankbarkeit breitmachen im Publikum, dass sich wenigstens einer über Himmelschreiendes ereifert. Der Bayer bringt alles in allem den schmetternden Weltschmerz zurück auf die Bühne, vielleicht sogar jene Verwerfungen, die in die Apokalypse münden. Die kommt dann – zum Glück fürs Publikum ja (noch) nicht oder erst dann, wenn sich die mit perlendem Prosecco gefüllte Flûte geleert hat.

Frontal ätzend

Uthoff, so erklären viele, sage die Wahrheit; die unbequeme, die ätzende. Nicht so, als drohte darob das Lachen im Hals stecken zu bleiben. Aber doch so, dass sich eine kurze Reflexionsphase einstellt. Die Pointe mit dem Verzögerungsmechanismus von der Dauer eines Wimpernschlags braucht ein hellwaches Publikum.

Uthoffs Weltsicht – überraschend verpackt, virulent angriffig, wirkt frontal. Der Münchner steht mit Sicherheit nicht für das Bild des Lieblingsschwiegersohnes, den Frau bei jeder Gelegenheit ans Herz drückt, weil «der so glatte Sprüche macht». Der 51-Jährige scheut keine Konfrontation, widersteht gar Zeitgenossen, die ihn vor Gericht zerren, weil er – aus seiner Sicht – Ross und Reiter benennt. In der «Anstalt» hatte der Kabarettist dem Herausgeber der Wochenzeitung «Zeit» die Mitgliedschaft in Organisationen unterstellt, die Lobbying betreiben würden. Der Herausgeber klagte. Uthoff gewann. Die Bandagen sind hart in diesen Zeiten.

Der Mann, sein geschliffener Geist hinter geschliffenem Mund verrät: Da agiert ein «Big Shot» der Szene. Und gibt ihm die Welt die Chance, noch mehr zu wachsen, er wird sie nutzen. Denn wer zweifelte daran: Die Welt wird nicht eine andere werden.

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