Luzerner Sicherheitsdirektor fordert schweizweite Massnahmen gegen Fussball-Chaoten

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Luzerner Polizisten sichern das Stadion vor den GC-Fans im Fussball-Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FCL und GC am vergangenen Sonntag. © Ennio Leanza/Keystone, 12. Mai
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Paul Winiker. © CH Media

Sie haben gegenüber unserer Zeitung gesagt, die Vorfälle vom Sonntag, die zum Abbruch des Spiels gegen GC geführt haben, seien für Sie «unter keinen Umständen tolerierbar». Was heisst das genau?

Paul Winiker: Es braucht zeitnahe und spürbare Konsequenzen für diese Chaoten. Und zwar strafrechtliche wegen Nötigung und Drohung und solche, die vom Fussballverband ausgesprochen werden.

Das nützt herzlich wenig, die Liste von Vorfällen ist lang.

Ich kann mich an keinen Spielabbruch in Luzern aufgrund eines solchen Verhaltens erinnern. Aber ja: Es war offenbar nicht möglich, das zu verhindern, was am Sonntag in Luzern vorgefallen ist.

Das verschärfte Hooligan-Konkordat sähe Massnahmen vor. Warum werden sie nicht angewendet?

Vorerst möchte ich festhalten, dass Drohungen, wie sie am Sonntag von GC-Ultras ausgesprochen wurden, kein Offizialdelikt sind. Damit die Strafverfolgung tätig werden kann, braucht es Anzeigen, die von GC bis jetzt leider nicht eingegangen sind. Immerhin hat die Swiss Football League schnell und richtig gehandelt und angekündigt, die 57 Personen, die über die Abschrankungen gestiegen sind, zusammen mit der Polizei zu identifizieren. Bereits sind erste schweizweit geltende Stadionverbote zwischen drei und fünf Jahren ausgesprochen werden. Weitere folgen. Das sind griffige Massnahmen.

Sind zwei bis fünf Jahre Stadionverbot nicht eine zu milde Strafe?

Der Verband bestimmt die Dauer.

Warum werden nicht einfach Sektoren der Gäste-Fans gesperrt? Das ist im Hooligan-Konkordat vorgesehen.

Damit würde man auch friedliche Fans bestrafen, die sich an die Auflagen halten. Und es besteht die Gefahr, dass die ausgesperrten Fans in die Luzerner Innenstadt ausweichen, was letztlich zu unkontrollierbaren Situationen führen würde. Die Massnahme könnte kontraproduktiv sein.

Stadionverbote sind also wirksamer?

Es braucht eine Kombination von wirksamen Massnahmen aus Repression und Prävention und klarer Sanktionierung. Dazu gehören Stadionverbote, welche Vereine oder die Liga aussprechen. Und es braucht Rayonverbote zusammen mit Meldeauflagen für identifizierte und verurteilte Personen, die im Kanton Luzern wohnen. Aber grundsätzlich hat ein Stadionverbot eine grössere Wirkung.

Möglich wären auch ID-Kontrollen: Scannen der Ausweise, Fotografieren der Gesichter und Abgleiche mit der Hooligan-Datenbank.

ID-Kontrollen wurden unter den kantonalen Sicherheits- und Polizeidirektoren ausführlich diskutiert und nicht in den Katalog der möglichen Massnahmen aufgenommen. Es sind sich alle einig: ID-Kontrollen in einem einzigen Stadion machen keinen Sinn.

Im Eishockey funktionieren sie, wie das Beispiel des EV Zug zeigt.

Das müsste im Fussball mit einer viel grösseren Anzahl von Gästefans flächendeckend geschehen, das zeigen auch Erfahrungen aus dem Ausland. Nutzen einer ID-Kontrolle wäre, dass man Leute, die mit einem Stadionverbot belegt sind, ausschliessen kann.

Also doch ID-Kontrollen?

Wenn sich herausstellt, dass es unter den 57 GC-Randalierern solche in die Swisspor-Arena geschafft haben, die mit einem Stadionverbot belegt sind. ID-Kontrollen sind aber kein Allerheilmittel. Die eingeführten Gesichtskontrollen mit hochauflösenden Videoaufnahmen sind wirksam, damit sind Identifikationen möglich. Im aktuellen Fall müssen der Verband und unsere Strafverfolgungsbehörden beweisen, dass griffige Massnahmen umgesetzt werden. Ich bin überzeugt, dass dies gelingen wird.

SC-Kriens-Präsident Werner Baumgartner scheint nicht daran zu glauben. Er will gegen GC gar nicht erst antreten und so eine Forfait-Niederlage kassieren. Das Sicherheitsrisiko sei zu hoch.

Man muss sich selbstverständlich überlegen, wie man mit solchen Fangruppen umgeht.

Das heisst?

Man muss prüfen, ob allenfalls gewaltbereite Fans ausgesperrt werden sollen.

Jetzt widersprechen Sie sich. Eben haben Sie gesagt, Gästesektoren zu sperren, sei kontraproduktiv.

Das ist kein Widerspruch. Wenn die jetzigen Sanktionsmöglichkeiten nicht greifen, ist dies im konkreten Fall als mögliche Massnahme zu prüfen.

Wird die Sperrung von Gästesektoren denn vor jedem Risikospiel geprüft?

Ja. Beim Spiel FCL gegen GC ist man zum Schluss gekommen, es sei falsch, den Gästesektor zu sperren. Im Grunde geht es immer wieder um das Gleiche: Es gilt, die gewaltbereiten Fans von den friedlichen zu trennen.

Das gelingt offenbar nicht. Der Mann, der in Sion für einen Spielabbruch gesorgt hat, konnte das auch in Luzern.

Was die Strafbehörden und der Verein unternommen haben, ist uns nicht bekannt. Aber offensichtlich hatte der Betreffende kein Stadionverbot.

Für die Öffentlichkeit ist nicht nachvollziehbar, dass Vorfälle wie am Sonntag immer wieder passieren.

Die Luzerner Polizei hat einen sehr guten Job gemacht. Sie hat verhindert, dass es zu Gewalt und zu verletzten Personen gekommen ist. Im Moment, als die Ultras über die Zäune kletterten, war der FCL-Ordnungsdienst angesichts der Zuspitzung der Lage offensichtlich überfordert.

Also hat der FCL zu wenig Personen für den Ordnungsdienst?

Wir werden den Vorfall mit Polizei und FCL auswerten und Schlüsse ableiten.

Es kommt der Eindruck auf, die Ordnungskräfte seien den Ultras hilflos ausgeliefert.

Hilflosigkeit ist, wenn man nichts tun kann. Oder wenn man nonchalant davon spricht, kein Problem zu haben.

Das behauptet niemand.

Ich sage einfach, dass wir in Luzern einen enormen Aufwand betreiben. Wir nehmen das Thema sehr ernst und pflegen einen intensiven Dialog mit allen Involvierten, auch den Fans. Mit ihnen haben wir keine gröberen Probleme. Es gab in den letzten Jahren keine Gewalttätigkeiten oder gravierende Vorfälle mit Luzerner Fans.

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