«Das Ergebnis der Organisationsanalyse hat uns erschlagen»

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«Polemik ist nicht zielführend», sagt Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (Mitte). Links Gemeinderat Ivan Zanin, rechts Esther Ammann, Wolfgang Kunzelmann. ben
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«Zwischenmenschliche Probleme haben die strukturellen Defizite Wikons weiter verstärkt.» Patrick Deicher, Vizedirektor BDO Luzern

Der Gemeinderat Wikon und die Beratungsfirma BDO haben offen die Ergebnisse einer externen Organisationsanalyse über die Zustände in der Gemeinde präsentiert. Die Analyse ist niederschmetternd und erhellend. Nur gerade 20 Nasen interessierte das jedoch in Wikon.

«Die Analyse hat uns förmlich erschlagen», sagte Wikons Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (CVP) am Mittwochabend an der öffentlichen Infoveranstaltung im Mehrzwecksaal. «Obwohl wir vieles wussten, war uns das Ausmass der Probleme nicht bewusst.» Vieles sei «historisch gewachsen», sagte Tschuor.

Doch irgendwann explodierte der Vulkan der aufgestauten Probleme. Sie erinnerte an den Eklat im November 2018, als die Gemeindeschreiberin kündigte und auf eigenen Wunsch freigestellt wurde. Die Gemeindeverwaltung war führungslos. Das habe zu einem inneren Rückzug der Verwaltungsangestellten geführt. «Ich mag nicht mehr, schaut doch selber», lautete der Tenor. Es folgte eine Phase der Wut, und man suchte Schuldige. Doch: «Polemik und Personenhetze sind nicht zielführend», so die neue Gemeindepräsidentin.

Patrick Deicher, Vizedirektor der Firma BDO aus Luzern, präsentierte die Ergebnisse der vom Gemeinderat bestellten Organisationsanalyse über die Gemeinde; die Firma BDO berät öffentliche Verwaltungen. «Wir haben ein negatives bis sehr negatives Gesamtbild angetroffen. Die Gemeinde steckte in einer eigentlichen Krise», sagte Deicher. Das habe nach einem Krisenmanagement und nach Sofortmassnahmen gerufen.

Führung war ungenügend

Deicher erwähnte die übermässige Belastung einzelner Personen in der knapp dotierten Gemeindeverwaltung. Dienstleistungen konnten nicht mehr erbracht werden, Arbeiten blieben liegen. Die Kompetenzabgrenzung zwischen Gemeinderat und Verwaltung, wer also wofür zuständig sei, seien nicht definiert gewesen. Gesetzliche Vorgaben zum Controlling wurden teilweise nicht erfüllt. «Bis Juni 2018 war die Wahrnehmung der Führungsverantwortung durch den Gemeinderat mangelhaft», sagt Patrick Deicher. Zwischenmenschliche Probleme hätten die strukturellen Defizite weiter verstärkt.

Die Beratungsfirma habe den Eindruck gewonnen, dass nicht alle Gemeinderatsmitglieder und Kommissionspräsidien sich der Dramatik bewusst gewesen seien. «Der Wille, die Probleme in Rat und Verwaltung zu lösen, war nur bei einzelnen Ratsmitgliedern spürbar.»

Deicher erwähnte ebenfalls, dass das Know-how in der Bauverwaltung Wikon zurzeit fehle. «Da gibt es Nachholbedarf», sagt er. Die Baukommission sei momentan «nur eingeschränkt funktionsfähig». In der Bildungskommission habe der zuständige Gemeinderat nicht an Sitzungen teilgenommen und das Gremium nicht geführt. Dessen Rolle sei ebenfalls nicht in der Gemeindeordnung abgebildet.

Personal leidet unter der Situation

Zum Thema Personalführung in der Verwaltung meinte der Berater, diese sei uneinheitlich. Die einen führten Mitarbeitergespräche, andere nicht. Ob der Gemeindepräsident oder aber die Gemeindeschreiberin neue Mitarbeiter rekrutiert, war unklar. «Weiche Faktoren» seien ausserdem zu wenig bedient worden. Beispielsweise habe man Angestellten nicht zum Geburtstag oder zu einem Dienstjubiläum gratuliert. Das Fazit der angetroffenen Zustände: «Das Personal leidet massiv unter der aktuellen Situation.»

Wie geht’s jetzt weiter? Das Ergebnis der Analyse sind 45 Empfehlungen, wie die Gemeinde Wikon wieder auf Vordermann gebracht werden kann. Am 20. Mai will der Gemeinderat ein Massnahmenpaket verabschieden. Laut Michaela Tschuor wird die ganze Übung nicht gratis sein. Sie sprach von einem «Preisschild» und einem Zusatzkredit, über den Wikon abstimmen werde. Die Höhe bezifferte sie nicht.

Laut Tschuor ist das Krisenmanagement noch nicht abgeschlossen. Die Geschäftstätigkeit der Gemeindeverwaltung lasse sich nur dank momentanen Interimslösungen aufrechterhalten. Beim Steuerwesen arbeitet Wikon mit der Stadt Sursee zusammen, was sich bewährt hat. «Das hat uns den schönen positiven Gemeindeabschluss beschert», sagte die Gemeindepräsidentin lächelnd.

Das Personalwesen führt Michaela Tschuor seit Februar selber. Sie ist am meisten vor Ort im Gemeindehaus und arbeitet momentan 60 bis 70 Prozent. Das sei aber keine Dauerlösung. Tschuor: «Ich will den Puls fühlen, sehen, wo es brennt, und auch für die Bevölkerung eine Ansprechperson sein.»

Bald neuer Gemeindeschreiber?

Aktuelle Schwerpunkte des Gemeinderats seien die Anstellung eines neuen Gemeindeschreibers mit einem 80- bis 100-Prozent-Stellenpensum. Die Gemeinde hat gute Bewerbungen erhalten. Momentan nimmt der frühere Aarburger Gemeindeschreiber Andreas Kalt diese Aufgaben interimistisch war.

Auch die Bauverwaltung Wikons soll personell verstärkt werden. Die vom Gemeinderat bevorzugte Variante ist dort die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Laut der Gemeindepräsidentin wurden diverse Gespräche, auch über die Kantonsgrenze hinaus, geführt. Auch bei Finanzen und Steuern ist eine Aufstockung des Stellenpensums geplant. Die bisherige Stelleninhaberin geht Ende Jahr in Pension. Ihr Pensum wurde in 20 Jahren nie angepasst.

Laut Manuela Tschuor ist das Gesamtziel der Gemeinde-Reorganisation ambitiös und soll bis nach den nächsten Gemeinderatswahlen realisiert sein. «Am 1. September 2020 wollen wir mit einer funktionierenden Verwaltung und einem miliztauglichen Gemeinderatsmodell in die neue Legislatur starten.»

Wenig Interesse der Wikoner

Man hätte mehr Bürgerinnen und Bürger an der Orientierung erwarten können. Denn die Analyse ist erhellend und die Absicht, diese so offen und ehrlich zu präsentieren, ist löblich. Doch nur rund 20 Personen, darunter viele ältere Einwohner und politisch Aktive, fanden den Weg in die Mehrzweckhalle. Eine mögliche Erklärung: Den Ortsparteien und Kommissionen ist die Organisationsanalyse Anfang Woche bereits separat vorgestellt worden. Nur eine Person stellte eine Frage zum Bauwesen und wollte wissen, ob man bezüglich Zusammenarbeit auch mit Gemeinden ausserhalb des Kantons Luzern geredet habe. Die Antwort: «Ja.»

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