Der «Riese von Reiden» bekommt einen Ehrenplatz im Natur-Museum Luzern

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200 Jahre waren weitere Skelettteile verschollen. Auf dem Bild das rechte Schulterblatt aus Göttingen. Natur-Museum Luzern

In der aktuellen Sonderausstellung «Wie viel Urzeit steckt in dir?» erhalten die drei Knochen des Reider Mammuts einen attraktiven Platz, teilte das Natur-Museum Luzern mit.

Eine Rückblende: Vor 442 Jahren gab in Reiden ein ungewöhnlicher Fund zu reden. Unter einer vom Sturm entwurzelten Eiche kamen im Sommer 1577 ausserordentlich grosse Knochen zum Vorschein. Da sie keinem damals bekannten Tier zugeordnet werden konnten, wurden sie nach Luzern geschickt. Schliesslich wurde der Fund dem bekannten Basler Arzt Felix Platter vorgelegt, der ihn als Skelett eines 5,6 Meter grossen «Riesen» deutete.

Erster Schweizer Mammutfund

Über 200 Jahre waren die Luzerner stolz, von einem Riesengeschlecht abzustammen, und feierten den «Riesen von Reiden». Entsprechende «Wilde Mannen» wurden am Luzerner Rathaus und auf dem ersten Brückenbild der Luzerner Kapellbrücke abgebildet.

Im Jahr 1783 besuchte der Göttinger Medizin-Professor Johann Friedrich Blumenbach auf seiner Schweizerreise auch Luzern und liess sich die im Rathaus ausgestellten Riesen-Gebeine zeigen. Blumenbach erkannte in den Knochen als Erster die Überreste eines Wollhaar-Mammuts (Mammuthus primigenius) und nahm einige Stücke mit nach Göttingen. Trotz aller Enttäuschung, nicht von Riesen abzustammen, blieb den Luzernerinnen und Luzernern der Trost: Der Fund von 1577 ist der erste Mammutfund in der Schweiz und damit der historisch älteste seiner Art.

Aus eins mach drei

Vor 13 Jahren war von dem einstigen Sensationsfund gerade noch ein einziger Knochen im Natur-Museum Luzern vorhanden – das linke Schulterblatt des Mammuts von Reiden. Damals beschloss die Reider Journalistin Adelheid Aregger, im Nachlass von Johann Friedrich Blumenbach nach weiteren Stücken zu fahnden. Zusammen mit ihrem Mann besuchte sie am 16. Juli 2006 das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen und fragte beim dort zuständigen Kurator nach den Knochen aus Reiden.

Doch 166 Jahre nach dem Tod von Johann Friedrich Blumenbach war das Ergebnis ernüchternd: Es gab im Nachlass Blumenbachs keine Mammutknochen mit der Herkunftsbezeichnung «Reiden» oder «Luzern». Dafür mehrere ohne Fundortangaben. Deshalb kamen die Göttinger Wissenschaftler auf die Idee, die unbeschrifteten Knochen mit dem im Natur-Museum Luzern noch vorhandenen Schulterblatt anhand von Isotopenanalysen zu vergleichen. Und siehe da: Vor fünf Jahren erkannten die Göttinger anhand der Untersuchungen zwei zusätzliche Knochen: Den bruchstückhaften linken Oberarm und das rechte Schulterblatt des Reider Mammuts.

Von allen drei Knochen des «Riesen von Reiden» wurden Kopien hergestellt. Vor Kurzem ist das Luzerner Original mit je einem Abguss der beiden Knochen von Göttingen ins Natur-Museum Luzern zurückgekehrt. Die Kopien stehen dem gezeigten Original in nichts nach. Von blossem Auge sind sie von der Vorlage kaum zu unterscheiden. Der «Reider Riese» ist damit noch ein wenig grösser geworden und einen Besuch im Kantonshauptort wert. (NML)

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