Spitex kritisiert Einzelgänger in Aarburg

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Regina Lehmann (v. l. n. r.), der abtretende Geschäftsführer Daniel Weber, Max Haudenschild, Christine Meier, Andreas Keller, Präsidentin Sonja Morgenthaler, Jakob Frei und die neue Geschäftsführerin Simone Jeitner. (Bild: Michael Küng)

Daniel Weber findet deutliche Worte, wenn er die Vorgänge in Nachbarsgemeinden des Spitex-Verbands Suhrental Plus anspricht. Er ist abtretender Geschäftsführer und nutzte seine letzte Generalversammlung im Amt für einen Appell. Am Mittwoch in Safenwil sagte er vor 163 Anwesenden, davon 83 Stimmberechtigte: «Es gibt Gemeinden, die in den Medien behaupten, sie könnten Leistungen günstiger anbieten. Ich sage, da stimmt etwas nicht.» Welche Gemeinden das sind, sagt er zwar nicht, doch es ist klar, um wen es geht: Aarburg hat kürzlich vermeldet, dass es dank seinem Alleingang mit einer kleinen privaten Spitex nur 22.90 Franken pro Einwohner ausgibt. Zum Vergleich: Im Verband Suhrental Plus mit 16 Gemeinden sind es knapp 65 Franken.

«Ich sage, da stimmt etwas nicht», so Weber. Er glaube, dass die tiefen Kosten mit einem Leistungsabbau zu tun haben. «Ich glaube nicht, dass die mit 22.90 Franken pro Stunde dasselbe leisten können wie wir mit 65 Franken.» Er warnte davor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. «Unter solchen Massnahmen leidet vielfach die ältere Bevölkerung, die zuvor jahrzehntelang mit ihren Steuern zum Gemeindewohl beigetragen hat», so Weber weiter. Die erst vor einem Jahr gegründete Spitex Aarburg-Oftringen bezeichnet ihren Geschäftsgang in einer Anfang April veröffentlichten Mitteilung hingegen als «vollen Erfolg.» Die Zahlen würden dem privaten Modell mit Unterstützung durch das Alterszentrum Lindenhof recht geben. Zu diesem Schluss kommt offenbar auch die Gemeinde Holziken, die sich kürzlich gegen einen Beitritt zur Spitex Suhrental Plus entschieden hat und die Spitex-Dienste im Bereich Pflege stattdessen seit dem 1. Mai bei der Spitex desselben Alterszentrums in Oftringen bezieht. Sehr zum Ärger des regionalen Grossverbands Suhrental Plus, der die Gemeinde gerne aufgenommen hätte.

Die tiefen Kosten in Aarburg haben entscheidend damit zu tun, dass die Gemeinde anders als die meisten anderen keine Beiträge an die Hauswirtschaft bezahlt. Aarburg hat diese Kosten auf Zusatzversicherungen und Ergänzungsleistungen der Klienten verlagert. Der Spitex Verband Aargau monierte gegenüber dieser Zeitung, dass die Geschäftszahlen aus dem ersten Betriebsjahr nur bedingt aussagekräftig seien. Gerade in kleinen Organisationen könnten einzelne Pflegefälle bedeutende Folgen für das Finanzergebnis haben. Die nächsten Jahre würden zeigen, ob die Zeit dem privaten Modell von Aarburg und Holziken recht gibt.

Suhrental mit schwarzer Null

Die Spitex Suhrental Plus hat ihr Geschäftsjahr 2018 mit einem Mini-Gewinn von 147 Franken abgeschlossen. Wie in anderen Organisationen auch, stieg der Aufwand für ambulante Dienstleistungen und mit ihm auch der Personalaufwand. Der abtretende Geschäftsführer Daniel Weber wies auf das kleine Vereinsvermögen von 127 000 Franken hin. Ihm stehen monatliche Lohnkosten von über 300 000 Franken gegenüber. «Wenn das Geld einmal nicht mehr fliessen sollte, werden wir also nicht weit kommen», warnte er.

Durch die Leistungssteigerung stiegen die Pflegekosten pro Einwohner von 51.80 Franken im Jahr 2013 auf 64.80 Franken im Jahr 2018. Für das Budget 2019 plant die Spitex mit um 346 000 Franken höheren Personalkosten gegenüber dem Vorjahr. «Die Leute werden heute mit ganzen Apparaturen aus dem Spital entlassen. Unsere Mitarbeiter müssen mit diesen umgehen können», sagte Weber. Das bedinge auch viel Einsatz in der Weiterbildung. «Am Jahresende sollten wir mit einer Null herrauskommen», sagte Weber.

Am Anfang war ein Notebook

Schliesslich verabschiedete Präsidentin Sonja Morgenthaler den Geschäftsführer Daniel Weber, der sich mit 60 Jahren frühpensionieren lässt. «Als ich vor sieben Jahren zur Spitex gekommen bin, hat es diese noch gar nicht gegeben», sagte Weber. «Da war einzig ein Notebook, mit dem ich mich auf die Suche nach den Voraussetzungen für die Fusion der damals fünf Spitex-Organisationen gemacht habe.» Der Vorstand und die einzelnen Organisationen seien bereits sehr gut vorbereitet gewesen. «Die Fusion ist erstaunlich gut verlaufen.» In seiner Amtszeit hat die Spitex Suhrental Plus den Nachtdienst, die Hauswirtschaftsangebote sowie die Palliativpflege eingeführt. Jährlich wuchsen die Pflege-Leistungen um zehn Prozent. «Ich glaube, wir sind leistungsstark und bieten eine gute Qualität.» Das bestätigt auch ein externes Audit, das letztes Jahr durchgeführt wurde und der Spitex Bestnoten bescherte. Verbesserungspotenzial hat die Organisation noch im Bereich Arbeitsplatzsicherheit.

Daniel Weber tritt in fünf Tagen ab. Seit dem 1. Mai ist bereits seine Nachfolgerin Simone Jeitner (52) in der Geschäftsführung. Die Berufsdiplomwirtin mit Schwerpunkt Gesundheitswesen bringt 23 Jahre Erfahrung als Geschäftsführerin von Pflegeheimen, Reha-Kliniken und Spitälern mit. Sie wird bei der Spitex Suhrental Plus für die Versorgung von 38 000 Einwohnern in 16 Gemeinden zuständig sein und 111 Mitarbeitende in 61 Vollzeitstellen führen.

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