Ohne Herzrasen und weiche Knie in der Seilbahn

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Timo Cronert seilt Redaktorin Lilly-Anne Brugger aus der Seilbahn ab. Gut zu sehen die leuchtend gelbe Rettungswindel, mit der im Ernstfall die Passagiere gesichert werden. (Bild: Tommy Dätwyler)
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Bevor die Rettung demonstriert werden kann, müssen alle einen Sicherungsgurt anziehen. Redaktorin Lilly-Anne Brugger wird anschliessend zusätzlich mit einem von der Decke hängenden Stahlseil gesichert. (Bild: yr)

Ich sitze in einer Seilbahn. Sie steht still. Mein Herz pocht. «Achtung, jetzt wackelt es ein bisschen», sagt Timo Cronert, nachdem er die Seilbahntüre von aussen geöffnet hat. Er klettert vom Dach der Bahn zu mir in die Kabine. Aus der Tasche, die er auf dem Rücken trägt, reicht er mir die sogenannte Rettungswindel. Ein leuchtend gelbes Dreieck, das ich anziehen soll. Dann gilt es ernst. «Du kannst jetzt rausgehen», sagt Timo zu mir. Ich schaue durch die geöffnete Seilbahntüre nach unten. Meine Beine wackeln. Vorsichtig taste ich mich rückwärts an die Kante, während Timo Cronert das Seil sichert, an dem die Rettungswindel – und damit auch ich – eingehängt ist. Dann lässt Timo mich langsam auf den Boden runter.

Übung in geschützter Umgebung

Als ich unten ankomme, bin ich froh, wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben. Angst, eine Seilbahn zu betreten, habe ich nicht. Die Seilbahn aber zwischen Tal- und Bergstation an einem Seil hängend zu verlassen, braucht doch etwas Überwindung. Auch wenn ich mich in geschützter Umgebung befunden habe. Die Gondel im Zofinger Trainingszentrum von Schweizwerk hängt acht Meter über dem Boden. Das ist durchaus realistisch. Aber Wind und Wetter, die sonst eine Seilbahnrettung erschweren können, sind hier ausgeschaltet. Ich war die ganze Zeit durch ein Kabel, das von der Decke hängt, zusätzlich gesichert.

Angst verhinder Seilbahnfahren

Auch mit einer zweiten Sicherung würde sich Mengia Suter nicht von Timo Cronert aus der Seilbahn retten lassen. Sie hat Höhenangst und Platzangst, was in einer Seilbahnphobie gipfelt. Seit Jahren ist sie nicht mehr Seilbahn gefahren – obwohl sie in den Bergen aufgewachsen ist. «Ich wünsche mir, mit meiner Familie Wanderausflüge zu machen oder im Winter gemeinsam Skifahren zu gehen», sagt die 49-Jährige. Wegen ihrer Seilbahnangst war dies bisher ein Ding der Unmöglichkeit. Als Mengia Suter sieben oder acht Jahre alt war, ist sie vom Heuboden gestürzt. Seither hat sie in der Höhe Angst. Angst zu stürzen. Ins Bodenlose. Sie hatte Herzrasen und spürte ein Kribbeln in den Beinen, wenn sie eine Gittertreppe hätte betreten sollen oder nach oben schaute, wenn ihre Kollegen von Schweizwerk in den Übungsanlagen herumgeturnt sind. So hat es sich angeboten, dass Mengia Suter den Pilotkurs von Schweizwerk zum Thema Seilbahnangst besucht hat. Zusammen mit drei weiteren Personen hat sie ihre Angst angepackt. «Unsere Kurse finden in Kleingruppen statt. So können wir eine nahe und individuelle Betreuung garantieren», sagt Markus Hobi, Geschäftsführer von Schweizwerk.

Am Morgen des eintägigen Kurses arbeiten die Teilnehmer intensiv mit Mentalcoach Judith Wirth. Sie ergründen ihre Angst und versuchen, diese mit positiven Gefühlen zu überschreiben. «Ich habe Mengia Suter und den anderen Teilnehmern gesagt, dass sie am Ende des Kurses in die Seilbahn einsteigen werden, die im Trainingszentrum hängt», sagt Judith Wirth. Zu Beginn des Seminars konnte sich das keiner der vier Teilnehmer vorstellen. Nach der Arbeit mit dem Mentalcoach waren alle bereit dazu. Gemacht haben sie es dann trotzdem nicht. «Es ist doch etwas anderes, in eine Seilbahn einzusteigen, wenn sie in der Talstation steht», sagt Markus Hobi. Sich mit einem Seil hochziehen zu lassen, um in die Bahn einzusteigen, sei auch für Menschen ohne Seilbahnphobie nicht einfach.

Mit harten Facts gegen die Angst

Der zweite Teil des Seilbahnangst-Seminars zeigt auf, wie sicher die Bahnen sind – und wie gut die Rettung organisiert ist, falls doch mal etwas passiert. «Wir üben regelmässig die Rettung aus Seilbahnen», erzählt Jörg Ruppen, Aussendienstmitarbeiter und Pilot von Air-Glacier. Besonders wenn eine neue Bahn in Betrieb genommen werde, sei es wichtig, dass sie diese kennenlernten. Denn nicht jede Seilbahntüre lässt sich auf die gleiche Weise von aussen öffnen. «Wir werden von den Betreibern alarmiert, sobald sich eine Panne ereignet. Dann gehen wir auf Standby und bereiten uns vor, damit wir innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit sind, falls die Bahn nicht repariert werden kann», so Ruppen. Dass die Retter jeden Handgriff intus haben, zeigt Timo Cronert, Leiter des Trainingszentrums von Schweizwerk. Er seilt während des Kurses einen Kollegen aus der Seilbahn ab und zeigt, dass die Passagiere im Falle eines Falles in erfahrenen Händen sind.

Grosse Ziele

Bei Mengia Suter hat das Seilbahnangst-Seminar geholfen. «Ich kann jetzt meine Kollegen begleiten, sehen, was sie im Trainingszentrum alles machen», sagt sie stolz. Bisher hat sie es kaum gewagt, ihr Büro zu verlassen und ihre in luftigen Höhen arbeitenden Kollegen zu beobachten. Mit einer Seilbahn gefahren ist sie bisher aber noch nicht. Das wird sie aber bald nachholen. Bei der nächsten Reise ins Engadin. «Ich will auf die Motta Naluns fahren und dort gemeinsam mit meinem Mann wandern gehen. Das habe ich schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gemacht», sagt sie und ihre Augen glänzen.

Schweizwerk AG: Seit Anfang Jahr im Trilapark in Zofingen

Die Schweizwerk AG mit Sitz in Zofingen ist durch ein Management-Buy-out aus der Schweizer Zweigniederlassung der deutschen Bornack GmbH & Co. KG entstanden. Seit Anfang Jahr ist das Team um Geschäftsführer Markus Hobi im ehemaligen Hochregallager im Trilapark aktiv. Erfahrene Trainer vermitteln praktisches Wissen für alle Arbeiten, die in der Höhe und in der Tiefe gesichert ausgeführt werden müssen.

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Judith Wirth arbeitet mit Mengia Sutter an ihrer Höhenangst. Mit Übungen sollen die negativen Erinnerungen mit positiven überschrieben werden. (Bild: lbr)
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