Seilbahn-Unfall am Titlis: «Alle sind sehr betroffen. Gestandene Mitarbeiter haben heute geweint.»

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Die von der Polizei abgesperrte Unfallstelle. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
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Marco Niederberger von der Obwaldner Kantonspolizei, Obwaldner Staatsanwalt Bernhard Schöni, Veraltungsrat Hans Wicki und CEO der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG Norbert Patt und Arno Inauen von der Garanventa AG, von links, während der Medienkonferenz im Hotel Terrace in Engelberg. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Die Fahnen vor dem Hotel Terrace in Engelberg standen auf halbmast. Mit betroffenen Gesichtern traten Titlis-CEO Norbert Patt und Verwaltungsratspräsident Hans Wicki vor die Medien, flankiert von Garaventa-Chef Arno Inauen, Staatsanwalt Bernhard Schöni und Pikettoffizier Marco Niederberger von der Obwaldner Kantonspolizei. «Das ist der schwärzeste Tag in der Geschichte unseres Unternehmens», sagte Wicki.

Am frühen Morgen war es bei geplanten Revisionsarbeiten an der Titlis Xpress-Gondelbahn zwischen Engelberg und Trübsee zu einem tragischen Unfall gekommen. Bei der Kürzung des Förderseils der Gondelbahn auf der Gerschnialp löste sich die dafür nötige temporäre Abspannung im Bereich des Seilspleisses, worauf die dazwischen stehenden Arbeiter vom nach oben schnellenden Förderseil sowie vom nach unten fallenden Entlastungsseil getroffen wurden.

Ein Mitarbeiter der Titlisbahnen wurde dabei so schwer getroffen, dass er noch auf der Unfallstelle starb. Zwei weitere wurden schwer verletzt. Sie sowie ein mittelschwer verletzter Mitarbeiter der Thurgauer Drahtseilfirma Fatzer wurden von der Rega ins Spital geflogen. Die beiden Schwerverletzten seien ansprechbar gewesen, sagte Hans Wicki. Drei leicht verletzte Titlis-Mitarbeiter konnten vor Ort behandelt werden. Unverletzt blieben 10 weitere Mitarbeiter der Titlis-Bahnen sowie 2 von der Seilbahnfirma Garaventa. Sie wurden am Berg von einem Care-Team betreut.

«Qualifizierte Mitarbeiter»

Die Unfallursache ist Gegenstand von Abklärungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Revisionsarbeiten seien zwar Routine, sagte Norbert Patt, «aber es sind natürlich immer grosse Kräfte da».

Marco Niederberger, Leiter der Obwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei, sprach am Rande der Pressekonferenz von einem schrecklichen Anblick, der sich vor Ort bot. «Auftrag der Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit uns ist es nun, abzuklären, ob es etwa ein Materialbruch war oder ein technisches oder ein menschliches Versagen.» Erst wenn die Unfallursache klar sei, würden je nachdem allfällige strafrechtliche Schritte eingeleitet. Zur Abklärung beigezogen wurden das Forensische Institut Zürich sowie der Unfallversicherer Suva. Zudem werde die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) untersuchen, ob ein Materialfehler vorgelegen habe, sagte Staatsanwalt Schöni.

Kein vergleichbarer Fall

Wicki wie Garaventa-CEO Arno Inauen betonten, dass Sicherheit in ihren Unternehmen oberstes Gebot sei. «Es waren qualifizierte Mitarbeiter mit korrektem Werkzeug im Einsatz», betonte Inauen. Ihm sei in seiner ganzen bisherigen Karriere kein vergleichbarer Unfall bekannt.

Der Verstorbene habe 32 Jahre für die Titlisbahnen gearbeitet, zuerst als Saisonmitarbeiter, danach als Jahresmitarbeiter, sagte CEO Norbert Patt. Und Hans Wicki ergänzte: «Es ist sehr schmerzhaft, wenn ein Mitarbeiter, der sich für das Unternehmen so sehr eingesetzt hat, bei seiner Tätigkeit sein Leben lassen muss. Er war ein sehr fleissiger Mann, der immer anpackte, wenn Not am Mann war.» Er und Patt hätten die Familie des Verstorbenen noch am Morgen besucht, so Wicki. «Seine Kinder sagten, ihr Vater habe die Arbeit geliebt, aber immer gewusst, dass auch ein Risiko dabei ist», erzählte Wicki. Wie Staatsanwalt Schöni auf Anfrage sagte, handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen 58-jährigen Nidwaldner. Am Mittwochabend kamen die Mitarbeiter der Titlisbahnen bei der Talstation zusammen. Der Schock sitzt tief. Man wolle ihnen die Möglichkeit geben, zu reden und sich zu informieren, sagte Norbert Patt. «Alle sind sehr betroffen. Gestandene Mitarbeiter haben heute geweint.»

Da sich der Unfall im Rahmen ordentlicher geplanter Revisionsarbeiten ereignete, war der touristische Verkehr nicht betroffen. Die Standseilbahn von Engelberg nach Gerschnialp sowie die ältere Bahn von Gerschnialp nach Trübsee fahren nach dem regulären Fahrplan. Man hoffe, die Gondelbahn aufs Wochenende hin wieder in Betrieb nehmen zu können, sagte Patt. «Es wird wohl keinem der Mitarbeiter egal sein, die gleichen Arbeiten wieder zu machen. Daher müssen wir versuchen, Sicherheit zu geben – und dafür brauchen wir den Bericht über die Unfallursache.»

Unfälle mit Seilbahnen: Zahlreiche Vorfälle

In den vergangenen zehn Jahren starben neun Personen bei Seilbahnunfällen. Meist waren es Arbeitsunfälle oder Stürze aus den Gondeln.

In Seelisberg wurde im Februar 2009 eine Kabine aus dem Tragseil geschleudert. Ein Kleinkind stürzte 200 Meter einen steilen Hang hinunter und verletzte sich schwer.

In Lungern-Schönbüel lag der Schnee im Januar 2012 so schwer auf dem Mast des Sessellifts, dass es diesen samt Fundament aus dem Boden drückte und er in Schräglage geriet. Keine Verletzten.

Eine Fahrt in einer Transportseilbahn endete 2013 für ein Ehepaar in Innerthal tödlich. Die Transportkiste stürzte mit ihm und seinem Kleinkind 30 Meter ein steiles Waldstück ab. Das Ehepaar starb, die Tochter überlebte schwer verletzt, da sie in Ästen hängen blieb.

Eine starke Windböe war im Skigebiet Stoos im März 2016 für den Absturz eines leeren Sessels verantwortlich. Dieser blieb an einer Stütze hängen und wurde aus dem Seil gehebelt. Verletzt wurde dabei niemand.

Im Tessin stürzte 2015 ein Mann aus einer Gondel (Sasso del Ferro) 15 Meter in die Tiefe. Er überlebte den Sturz nicht.

Im Juni 2017 stürzte Schwingerkönig Matthias Glarner 12 Meter von einer Gondel im Gebiet Hasliberg. Er zog sich schwere Verletzungen zu. Glarner stand gesichert auf dem Dach einer Gondel.

Im Juli 2018 verletzten sich vier Personen in einer Transportseilbahn im Kandertal. Das Kabel der privaten Bahn riss. Fünf Insassen stürzten zehn Meter tief, vier mussten hospitalisiert werden. (lil)

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