«Pfingsten – und Sie haben wieder einen Draht zueinander»

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(Bild: zvg)

Sie erinnern sich vielleicht an die alte Geschichte vom Turmbau zu Babel. Sie erzählt, wie die Menschen beschlossen, einen Turm bauen, der so hoch werden sollte, dass sie bis zu Gott gelangen könnten. Sie begannen mit der Arbeit. Da verwirrte Gott ihre Sprache. Sie verstanden sich nicht mehr und zerstreuten sich über die ganze Erde. In der Pfingstgeschichte ist es, wie wenn sich das umkehren würde. Die Menschen in Jerusalem verstanden die Jüngerinnen und Jünger – sogar als sie begannen von Gott und ihrem Glauben zu reden. Sich dabei zu verstehen oder vielleicht nur zuzuhören ist, wie wir nur allzu gut wissen, etwas vom Allerschwierigsten. Aber es gelang. Gott hatte einen neuen Draht gelegt.

Die Pfingstgeschichte der Bibel berichtet: «Alle (Jüngerinnen und Jünger) wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab. Wegen des Pfingstfestes hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden. Fassungslos riefen sie: ‹Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Lybien. Sogar aus Rom sind Besucher hier, sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unserer eigenen Sprache von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat.›»*

In meiner ersten Gemeinde lebte eine Familie mit einem schwer behinderten Kind. Oft sass es im Rollstuhl und stiess manchmal unverständliche Laute aus. Seine Mutter wusste immer genau, was es wollte. Ich habe immer darüber gestaunt, wie gut und genau sich die beiden verstanden. Sie hatten einen besonderen Draht zueinander.

Ein Bekannter hat mir erzählt, er gehe oft mit einem Freund klettern. Wenn sie einen Berg bestiegen hätten, würden sie sich oft auf dem Gipfel hinsetzen und keiner spräche ein Wort. Trotzdem fühle er sich seinem Freund nie so nahe wie dann. Und wenn sie die Aussicht genössen, komme zum ersten noch ein zweiter Draht hinzu.

Zwei Personen sitzen sich in einer Stube gegenüber. Die eine hat viel aus ihrem Leben erzählt, die andere hat zugehört. Sie hat ein Buch auf ihre Oberschenkel gelegt. Es ist im Dialekt geschrieben. Sie schlägt es auf und liest daraus vor: «Tue nümmen ängschte und gryne, my Seel! Vertrou uf e Heerget, unds wird wider guet! »** Und langsam knüpfte sich ein lange abgebrochener Draht zaghaft wieder zusammen.

Ich wünsche Ihnen ein hoffnungsvolles Pfingstfest mit vielen guten Drähten!

 

*Apostelgeschichte 2,4-11, nach Neue Genfer Übersetzung
**Aus «Us Härz und Heimet», Traugott Meyer, Gesammelte Werke Band 5, S.174

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