Lotto-Abend des Turnvereins: Das Glück der Zahlen

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Morena Kleeb und Ruth Hunziker am Chäppelimatte-Tisch konzentrieren sich auf die Zahlen. Claudia Walder
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Die Preise stehen bereit.
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Ronald Reagan teilt den Tisch mit weiteren Glücksbringern.

Am Ende der ersten der langen Tischreihen, die sich durch die Mehrzweckhalle Wikon ziehen, sitzt Ronald Reagan. Grinsend schaut der ehemalige US-Präsident auf die Karten mit ihren je 15 Zahlen, die ausgebreitet auf dem Tisch vor Timothy Wright liegen. «Glück bringt er eigentlich nicht», sagt dieser. Das Konterfei des Amerikaners hat seine Freundin mitgebracht, aber nun wacht die kleine Plastikbüste über ihrer beider Spiel.
«90 – 17 – 21»
Der Speaker sitzt an diesem Freitagabend auf der Bühne und zieht Zahl um Zahl aus einem Stoffsäckchen, bevor er sie laut in ein Mikrofon liest. Das Amt erfordert Ausdauer und David Lang, der Präsident des Turnvereins STV Wikon, übernimmt die erste «Schicht». Nach einer Stunde wird er abgelöst von Michel Blunier – «Blunschi», wie seine Nachbarn von der Chäppelimatte ihn neckend nennen.

Das ganze Quartier hat sich zum Anlass eingefunden und spielt nun um Migros-Gutscheine und Essenstaschen. «Vielleicht gibt’s am Ende einen Grillabend für die Chäppelimatte», sagt Morena Kleeb, deren lila Plastikchips zu ihren Haaren und dem Batman-Aufdruck auf ihrem T-Shirt passen. Im Moment ist ihr das Glück nicht hold, trotz Glückszahlen auf den Dauerkarten. «Als Kind hab ich einmal ein Velo gewonnen», erzählt sie zwischen den Lottogängen. Aber der eigentliche Glückspilz in der Gruppe sei Isabelle Niggli, ergänzt sie. Diese sitzt ein paar Plätze weiter oben am Nachbarschaftstisch: «Letztes Jahr hatte ich so oft Lotto, dass es schon beinahe peinlich wurde!», lacht sie verlegen.

Zerfledderte Dollarnote

Lotto, das heisst, dass alle fünf Zahlen einer Reihe genannt wurden. Auch Levin Linder, mit seinen zwölf Jahren vermutlich einer der jüngsten Spieler an diesem Abend, fiebert jeder neuen Zahl entgegen und deckt bereits gezogene mit farbigen Plastikchips zu. Am liebsten verwendet er die orangen Chips, die grünen sortiert er aus. Als Glücksbringer liegt eine zerfledderte Dollarnote neben seinen Karten. «Die habe ich geschenkt bekommen. Der Deal war, dass ich zehn Dollar bekomme, wenn ich sie ein Jahr später noch habe», erzählt er. Statt den zehn Dollar wurden es dann fünf Franken.
«37 – 05 – 62»
«Jetzt hesch si doch no gfunde!», ruft eine Stimme aus dem Saal. Der Speaker schaut kurz auf. «I tue si nome zie!», antwortet er sec und fährt weiter:
«78 – 26 – 81»
Im Gegensatz zur fröhlichen Quartiergruppe sitzt Sepp Fellmann allein und im hinteren Teil der Halle, in der Nähe der Küche, von wo STV-Mitglieder geschäftig ausschwärmen, um Bestellungen aufzunehmen, Sandwiches zu bringen oder Getränke zu servieren. Seine 73 Jahre sieht man dem pensionierten Metzger nicht an, dafür aber seine Begeisterung für Amerika: auf dem T-Shirt prangt die US-Flagge und auch sein Baseball-Cap stammt unübersehbar aus den Vereinigten Staaten. Wobei die Begeisterung vor allem amerikanischen Autos zu gelten scheint. «Früher hatte ich zeitweise 10–15 Amerikaner», sagt er stolz und meint damit natürlich Oldtimer. Das schönste Auto, das er je besessen habe, sei ein rotes 72 Chevrolet Impala Cabrio gewesen, und das teuerste wohl auch.

Chauffeur für Hochzeiten

Den Zahlen lauscht Sepp Fellmann nur mit einem Ohr, immer wieder bleibt eine genannte Zahl ungedeckt, denn lieber erzählt er davon, wie er nebenbei als Chauffeur für Hochzeiten agierte. Dann weicht der manchmal leicht verlorene Blick – er habe vor einigen Monaten einen geliebten Menschen verloren, erwähnt er – einem schelmischen Schmunzeln. Einmal hätten sich die Brautleute auf dem Weg von der Kirche zum Restaurant so gestritten, dass er am Ende der Fahrt gesagt habe: «I fahre denn au für Scheidige!»
«43 – 55 – 73»
Während Sepp Fellmann den Zahlen entspannt lauscht, sitzen Erna Vonmoos und Sophie Flükiger konzentriert über ihren Dauerkarten. Die beiden Schwestern aus Reiden haben, wie viele der regelmässigen Lottospieler hier, ihre eigenen Plastikchips mitgebracht. Diese sind dank eines dünnen Metallrands magnetisch. «So kann man sie ganz einfach einsammeln, wenn ein Gang vorbei ist und der nächste beginnt», erklärt Sophie Flükiger und demonstriert, wie man mit dem dazugehörigen Magnetstab über die Karten fährt. «Das Beste, was ich je bei einem Lotto gewonnen habe, war ein Fernseher», ergänzt sie. Ihr gegenüber sitzt Marie Kramer: «Ich war auch schon an den grossen Lottos», sagt diese, «da geht es richtig um Geld.» Natürlich sprechen beide nur in den kurzen Pausen, die es zwischen den Gängen gibt, denn wenn das Spiel läuft und der Speaker die Zahlen verliest, dann herrscht hier am Tisch Ruhe und gespanntes Warten. Auch wenn es statt um Geld um Migros-Gutscheine, Geschenkkörbe und Essenstaschen geht. Denn am Ende geht es auch hier ums Gewinnen. Und um den Spass am Spiel und die Gesellschaft.

Wobei, für den STV Wikon geht es um mehr an diesen Abenden. Es geht um die Teilnahme an Sportanlässen, um Kameradschaft und Zugehörigkeit – und damit irgendwie auch, wie Vereinsmitglied Aurelia Betschart sagt, «ums Deheime».

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