Da kommt Bewegung ins Spiel

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Eigentlich bin ich kein Fan von Versammlungen wie dem Frauenstreik, bei denen viele Leute zusammenkommen und sich öffentlich mit viel Aufmerksamkeit für oder gegen eine Sache aussprechen. Vielleicht liegt das an meiner aus dem alten Balkan geprägten Erziehung, bei der – überspitzt gesagt – ein gutes Kind ein Kind ist, das ruhig sitzt und sich an alle Regeln hält. Mit dem Strom mitschwimmen und nicht auffallen – das war lange das Motto. Vielleicht stören mich aber auch all diejenigen, die sich bei solchen Events einfach des Events wegen und nicht anlässlich der Sache einfinden. Ich war noch nie selber an einer Demo oder einem Streik und kann deshalb nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Obwohl: Der serbische Anhänger, der mir mit seinen Fäusten an der Handball-EM 2012 drohte, weil ich in Belgrad beim Spiel Serbien gegen Kroatien während der Hymne die kroatische Flagge hochhielt, gehört in eine ähnliche Kategorie. Solche Leute wie er scheinen aus anderen, aus meiner Sicht falschen Gründen am Anlass teilzunehmen. Diese Leute gibt es an grösseren Versammlungen immer. Aber zurück zum Frauenstreik.

In den letzten Wochen führte kein Weg am Frauenstreik vorbei. Es ist offensichtlich, dass wir in Sachen Gleichberechtigung seit 1991 schon sehr viel erreicht haben – aber es genügt nicht. Die Zahlen und Statistiken sprechen eine eigene Sprache: Frauen verdienen im Schnitt noch immer 15 Prozent weniger als Männer. Mehr als die Hälfte davon ist nicht erklärbar. Trotzdem besteht beim Frauenstreik ein schmaler Grat zwischen dem Einstehen für die Gleichberechtigung und der Bevorzugung des weiblichen Geschlechts. Vielleicht ist es auch die Angst, als «Feminazi» abgestempelt zu werden, die viele Frauen davon abhält, morgen auf die Strassen zu gehen. Noch wichtiger als der Streik selbst scheint mir jedoch die Auseinandersetzung mit den Fragen im direkten Umfeld. Auch bei uns zu Hause war der Frauenstreik Thema am Esstisch. Die Einsicht, dass die Forderungen der Frauen automatisch auch für alle Männer und deshalb für die ganze Gesellschaft relevant sind, war das Ende einer angeregten Diskussion. Egal, ob man den Frauenstreik morgen unterstützt oder nicht – in den Köpfen hat er auf alle Fälle bereits bewegt.

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