Beim ETF in Aarau verteilt er Wertschätzung mit der Giesskanne

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Ob Klein oder Gross: Wo Thomas Jäger beim ETF in Aarau auch aufkreuzt, verbreitet er gute Laune. (Bild: André Albrecht)

Eigentlich wollte Thomas Jäger nach dem Eidgenössischen Turnfest (ETF) in Biel den Bettel hinschmeissen. Er hatte genug. Hunderte von Stunden hat er im Vorfeld und während des Turnfests 2013 investiert, er hat organisiert und geplant, geholfen, wo Not am Mann war – immer mit dem Ziel, dass die Wettkämpfe regelkonform und möglichst gerecht ablaufen. Und dann kam einfach nichts. Kein Danke, kein Feedback, rein gar nichts. Er war enttäuscht, hatte genug. Also, Schluss.

Sechs Jahre später, 7 Uhr am Freitagmorgen. Thomas Jäger steht in kurzer Hose, schwarzem Poloshirt und mit Turnfest-Mütze auf dem Kopf vor dem Aarauerhof am Bahnhof. Mit einem breiten Lachen empfängt er seine Gäste. Zu Dutzenden strömen jugendliche Turnerinnen und Turner aus dem Bahnhof. Das Turnen feiert seinen zweiten Frühling 2019 am ETF in Aarau. Der Schweizerische Turnverband hat seit dem letzten Turnfest beim Nachwuchs einen Zuwachs von rund 15 500 Mitgliedern verzeichnet. Entsprechend sind auch deutlich mehr Junge am Fest in Aarau.

Jägers Tag beginnt früh, um sechs Uhr frühstückt er am Freitag, wie an allen anderen Tagen auch. Und sie ziehen sich in die Länge. Weit nach Mitternacht ist er erst in Bett gekommen. Von Müdigkeit keine Spur. Jäger ist sonst Finanzchef in einem Ingenieurbüro, er ist es sich gewohnt, Leute zu führen, wo nötig auf die Finger zu schauen und einzuschreiten. Reden ist seine Leidenschaft, Kommunikation das A und O, daran gibt es für ihn keinen Zweifel. Er ist ein Meister darin, die wahren Bedürfnisse der Menschen herauszuhören. Jäger spürt sehr schnell, wo der Turnschuh drückt bei anderen. «Wertschätzung» wird er an diesem Tag immer wieder betonen. «Wertschätzung, darauf kommt es an. Überall. Im Job, in einer Paarbeziehung und nicht zuletzt bei der freiwilligen Arbeit.»

Schneller Aufstieg
Wertschätzung, die erfuhr Jäger im Nachtrag zum ETF 2013 dann doch noch. Es brauchte etliche Gespräche – «gute, nicht einfache», sagt er – mit STV-Geschäftsführer Ruedi Hediger, um ihn umzustimmen, doch wieder als Gesamtwettkampfleiter anzutreten in Aarau, quasi vor seiner Haustür. Fast 80 Prozent des engeren Organisationszirkels von damals haben weitergemacht. Jäger kennt alle, die meisten mit Namen.

1996 war Thomas Jäger erstmals als Teilnehmer am ETF in Bern dabei, knapp 17-jährig, schon sechs Jahre später beim ETF im Baselbiet wechselte er die Seiten, organisierte mit. Er stieg schnell auf, bis zum Gesamtwettkampfleiter, wurde Herr über 198 Wettkampfleiter, die wiederum über mehr als 4000 Einzel- und Wertungsrichter gebieten. Jäger führt auf Augenhöhe, zieht Schulterklopfer und gutes Zureden dem rauen Ton vor.

Erster Alarm kurz nach 6 Uhr
Kaum hat Jäger sein Frühstück verzehrt, läutet an diesem Freitagmorgen das Telefon. Die Anmeldezentrale wird überrannt. Schlangen von 50 Metern um Viertel nach sechs. Kurzfristig disponiert das Team um und öffnet sämtliche Meldestationen, was eigentlich erst um 7 Uhr hätte passieren sollen. Für Jäger und sein Team sind solche Situationen kein Stress, höchstens eine Herausforderung. Er gehört zu der Sorte Mensch, bei denen das Glas halb voll ist, sobald es zu mehr als einem Drittel gefüllt ist. Hadern und zweifeln, solche Gemütsregungen scheint er nicht zu kennen.

Wenn er mit seinem E-Trottinett von der Schaltzentrale des ETF im Feuerwehrmagazin an der Erlinsbachstrasse Richtung Schachen fährt, ins Herz des Turnfests, dann mit einem breiten Grinsen. Es geht zur Bühne der Aerobicturner. Kaum hatten die Wettkämpfe um 8 Uhr begonnen, klingelte Jägers Handy. Probleme mit der Musik. Also kurz vorbeischauen. Bis wir dort sind, ist alles geregelt. Jäger hält, hört zu, redet, hört zu. Dann weiter zu den Gymnastikern. Das Pult des Speakers ist so tief, dass dieser kaum zu den Darbietungen sieht. Als der Troubleshooter angesurrt kommt mit seinem Elektrogefährt, findet der Mann am Mikrofon, alles sei in Ordnung. Wo Jäger auftaucht, scheinen sich die Probleme in Luft aufzulösen. Als wären sie nie gewesen.

Schweiss und pralle Luft
Bei den Nationalturnern, ein bisschen weiter hinten auf der Schachenwiese, aber ist alles anders. Zwei von vier Bahnen der Steinstösser münden in abfallendes Gelände. Das verschafft Vorteile. Jäger findet die Lösung, das heisst, die verantwortlichen Wettkampfrichter haben sie eigentlich schon, Jäger kommuniziert. Bis nächste Woche soll das abfallende Gelände mit Sand aufgeschüttet werden.

Von der einen zur nächsten, von den Steinstössern zu den Gerätezelten, ein kurzer Schwatz mit ein paar kleinen Geräteturnerinnen aus Aristau, ein Zwischenstopp in der Halle, Mittagessen im Helferzelt, Hörnli und Ghacktes mit Salat, kurz ein Problem mit irgendeinem Resultatblatt lösen. Weiter gehts, hoch ins Zelgli. Hier braucht das E-Trottinett menschliche Unterstützung. Der Schweiss perlt an der Stirn, die Luft ist prall, bis zu den quellenden Wolken mit Feuchtigkeit vollgesogen. Hier ist der STV Herznach im Einsatz, Jägers Turnverein, ein Heimspiel.

Noch rasch die Nachfolge regeln 
Während ringsum Steine gestossen werden, Kugeln durch die Luft fliegen, Beine im Eilschritt über die Tartanbahn eilen, spricht Jäger seinen designierten Nachfolger an. Das heisst, Jäger hat ihn auserwählt, eingewilligt hat er noch nicht. Weshalb hier auch sein Name ungenannt bleiben soll. Für Jäger aber ist klar: Er muss es sein, er ist mit Abstand der am besten geeignete Mann. «Er hat zum ersten Mal davon gehört. Für mich war es spontan einfach der richtige Moment, ihn hier darauf anzusprechen. Solche Dinge plane ich nie, das passiert immer spontan.»

Wir rauschen weiter. Apéro mit einem Glas Saint-Saphorin bei den Korbballern in Biberstein, ein kurzes Hallo bei den Faustballern in Rohr und zuletzt der Abstecher zu den Leichtathleten nach Buchs. Jäger wird kaum ruhen, bis das ETF 2019 fertig ist. Er eilt von hier nach dort und wieder fort. Zum Schluss gibts ein «happy day». Zu viel positive Energie gibt es nicht, zu viel Wertschätzung ebenso wenig. Darum verteilt er beides mit der Giesskanne.

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