Pastoralassistent Mütel: «Ich bin traurig, hier wegzugehen»

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Mathias Mütel in der Marienkirche in Langnau. Er wohnte mit seiner Familie im Pfarrhaus nebenan. ben.

Die katholischen Pfarrgemeinden von Langnau, Richenthal und Reiden-Wikon verabschieden nach vier erfolgreichen Jahren ihren engagierten Pastoralassistenten Mathias Mütel: Der 36-jährige Theologe und Kirchenhistoriker wird am 1. Juli in sein neues Amt als Bildungsverantwortlicher des Bistums Basel in Solothurn eingesetzt.

Mit dem Hamburger Theologen Mütel verlieren die Katholiken nicht nur einen engagierten Seelsorger, sondern auch einen kosmopolitischen wachen Geist, dem die Region mit ihren Menschen in kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist. Bischof Felix Gmür hat den Doktor der Theologie zum neuen Bildungsverantwortlichen ernannt. Er tritt am 1. Juli die Nachfolge von Thomas Kyburz-Boutellier an. In seiner neuen Funktion ist er in Zukunft schwerpunktmässig für die Entwicklung und den Betrieb der diözesanen Weiterbildung zuständig. Er übernimmt zusätzlich Aufgaben im Bereich Pastoral. Er habe sich nicht «wegbeworben», stellt Mathias Mütel zu Beginn dieses Gesprächs klar. Es gefiel ihm in Reiden. Vielmehr wurde er vom Bischof berufen. Er freut sich sehr auf die neue Aufgabe und auch auf die Stadt Solothurn. Aber er ist nichtsdestoweniger traurig, seinen Wirkungsort zu verlassen. «Ich bin traurig, hier wegzugehen, und froh, dorthin zu gehen», zieht er sein Fazit.

Was er vermissen wird

Vermissen wird er seine tägliche Arbeit als Seelsorger und Gesprächspartner: die Gestaltung und Feier der Gottesdienste, die Begleitung von Sterbenden und ihrer Angehörigen, die vielen Gespräche mit den Menschen in allen Lebenssituationen und den Religionsunterricht an den Schulen. Mit besonderer Wehmut nimmt er Abschied von der Arbeit mit den Ministranten, die er aufgebaut hatte: Zusammen mit den 34 Ministranten organisierte er regelmässig Freizeitaktivitäten wie Minigolf oder auch mal eine Schnitzeljagd mit Bräteln. «Ausserdem gestalteten die Ministranten die Gottesdienste in Langnau und Richenthal mit», erzählt er.

Mütel rief die Vortragsreihe «Impulse und Denkanstösse zu einem missionarischen Kirche-Sein heute» ins Leben. Seine Gattin Alexandra Mütel, studierte Kunsthistorikerin, hielt am 4. Juli dort einen Vortrag. Das Ehepaar führte ausserdem ein Krippenspiel mit Erstkommunionkindern in Reiden auf. Er sang im Männerchor Langnau mit und Alexandra Mütel sang in den Kirchenchören in Reiden und Richenthal und gründete in Reiden eine Gregorianik-Schola. «Ich fühlte mich sehr wohl in Langnau, Richenthal, Wikon und Reiden», erzählt er. «Die Leute sind sehr herzlich, hilfsbereit und einladend. Es ist mir deshalb leicht gefallen vor vier Jahren, hier anzukommen und mich wohlzufühlen. Auch privat», sagt er. In Erinnerung geblieben sind ihm die ersten Gesprächssituationen mit alemannischem Dialekt. So war der erste Satz, den er beim ersten Besuch zum Kennenlernen verstand, als eine Frau beim Bäcker ihm mitteilte, sie könnten hier sehr gut Hilfe gebrauchen und seien sehr froh, wenn er käme.

«Das habe ich damals gut verstanden, im Gegensatz zu den sonstigen Gesprächen auf Mundart», lacht Mütel. Denn der Norddeutsche hatte am Anfang Verständigungsschwierigkeiten. Einerseits wegen des alemannischen Dialekts, den er am Anfang nicht verstand. Er habe dann mit den Leuten vereinbart, mit ihm «Buuredütsch» zu reden, bei Unklarheiten frage er nach. Auf der anderen Seite hatten manche Kirchgänger am Anfang Mühe, seinem schnellen Sprechrhythmus in den Predigten zu folgen.

Kirche St. Maria gesprengt

Ein Kulturschock war es für Mathias Mütel – nicht zuletzt als Ehemann einer Kunsthistorikerin –, als er erfuhr, dass Langnau seine historische Kapelle aus dem 16. Jahrhundert in den 1970er-Jahren dem Erdboden gleichgemacht hatte (und in Wikon die Schlosskapelle des Klosters Marienburg abgebrochen wurde). Laut der Website des Reiders Hermann Keist wurde die 1599 erbaute und einige Male renovierte Marienkirche Langnau am 28. September 1975 gesprengt. Gleichwohl gefällt Mütel die dann neu gebaute Pfarrkirche sehr gut; insbesondere die grossen, einladenden Glasfenster, die im Vorbeigehen stets seinen Blick in die Kirche zogen.

Mütel sind nicht nur die Pfarreien, sondern auch die Schweiz ans Herz gewachsen. Auch das duale System von Kirche und Staat in der Schweizer Kirche sagt ihm zu. Die Kontrollen verhinderten einen unverantwortlichen Umgang mit Kirchensteuergeldern, sagt der Theologe. «Ein Fall wie derjenige von Franz Tebartz van Elst in Deutschland, dem vom Papst abgesetzten Bischof von Limburg, wäre in der Schweiz wohl so nicht möglich.» Gefragt, was er in der katholischen Kirche ändern würde, würde sich Mütel die Schaffung von Kontrollinstanzen wünschen, die jedwelchen Macht- und Geldmissbrauch verhinderten. Geschlossene Systeme seien nie gut.

Glaube schafft Gemeinschaft

Mathias Mütel setzt sich engagiert für den katholischen Glauben und die Kirche, für ihre Einheit in der Vielfalt ein. Als «kosmopolitischer und enthusiastischer Internationalist» fühle er sich überall in der Welt in dieser Kirche zu Hause. «Der katholische Glaube schafft Gemeinschaft», sagt der Theologe, «jenseits von sozialen, nationalen und ökonomischen Interessen verbindet er hochintellektuelle und einfache, konservative und liberale Menschen. In einer Zeit, wo alles auseinanderzudriften droht, ist diese Verbundenheit etwas sehr Wichtiges und Schönes.»

Familie Mütel bleibt Langnau für immer verbunden, wenn der Grund auch ein trauriger ist. Das Schwesterchen der Kinder von Mathias und Alexandra Mütel, Jojachim (5 Jahre) und Jiska (9 Monate) wurde nur gerade 15 Minuten alt. Es ist auf dem Friedhof bestattet.

Lesen Sie auch, wie Mathias Mütel feierlich verabschiedet wurde

Zur Person

Mathias Mütel studierte Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main sowie an der Universidad Católica de Santa María in Arequipa (Peru), hat in Rom gelebt und für das Görres-Institut gearbeitet. Dort fertigte er eine Doktorarbeit über die Kirchenväterrezeption auf dem Konzil von Trient an. In Rom lernte er auch seine Frau Alexandra kennen, mit der er 2013 eine Familie gründete. Auf Empfehlung eines Studienkollegen kam er später in die Schweiz. Als Pastoralassistent in Ausbildung war der junge Doktor der Theologie die letzten vier Jahre in den Pfarreien Richenthal, Langnau und Reiden-Wikon tätig. Diese Woche hat Mathias Mütel die Ausbildung offiziell abgeschlossen. Seine Nachfolge sollte demnächst bekannt gegeben werden.

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