30 Grad im Schulhaus: Holzbauer wehren sich gegen den Überhitzungs-Vorwurf

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Das Gönhard-Schulhaus in Aarau. Zur Verfügung gestellt

Schon morgens um 10 Uhr wurden am Montag im neuen Gönhard-Schulhaus in Aarau 30 Grad gemessen. SP-Präsidentin und Grossrätin Gabriela Suter kritisierte auf Twitter die fehlende Kühlung, der zuständige Stadtrat Werner Schib und der verantwortliche Projektleiter Martin Stuber verteidigten den Minergie-Holzbau.

«Nach dem Artikel haben sich meh-rere Personen bei mir gemeldet und gefragt, ob Holzbauten wirklich Hitzefallen sind», sagt Hansjörg Steiner, der Vizepräsident des Verbandes Holzbau Schweiz. «Die Hitze ist kein eigentliches Holzbauproblem», hält er fest. Steiners Unternehmen, die Schäfer Zimmerei AG, hat das neue Gönhard-Schulhaus in Aarau mitgebaut. «Das Gebäude ist hervorragend isoliert, wir haben darin deutlich mehr Dämmung verbaut, als dies sonst üblich ist», erklärt er. Die Gründe für die hohen Temperaturen im Innern des Schulhauses sind laut dem Unternehmer vielschichtig. Architekt Martin Stuber hatte ausgeführt, es habe Probleme mit der Steuerung der Fenster gegeben, diese hätten sich in der Nacht nicht geöffnet. Steiner sagt: Eine moderne Gebäudetechnik braucht eine gewisse Zeit, bis sämtliche Faktoren bezüglich Raumklima optimal aufeinander abgestimmt sind.»

In den letzten Jahren wurden im Aargau zahlreiche öffentliche Gebäude aus Holz erstellt, das zeigt für Hansjörg Steiner eindeutig, dass diese Bauweise vorteilhaft ist. «Wir setzen wenn immer möglich einheimisches Material ein und fördern damit auch die hiesige Holzbranche», ergänzt er.

«Nichts mit Holzbau zu tun»

«Die Überhitzung der Schulhäuser hat nichts mit dem Holzbau zu tun, sondern mit dem falschen Einsatz der Beschattung und Lüftungsmöglichkeiten», sagt Daniel Müller, Bauphysiker im Bereich Holzbau. Müller hat in seiner Masterarbeit untersucht, wie sich Holzbauten im Vergleich zu Massivbauten im Sommer verhalten. Der Experte hält dazu fest: «Für die Temperaturen im Innern ist nicht primär entscheidend, ob ein Gebäude in Holz- oder Massivbauweise erstellt wurde.»

Müller hat den Verlauf von Aussen- und Innentemperatur bei Gebäuden untersucht und erklärt mit Diagrammen die Unterschiede. Diese zeigen, dass bei Aussentemperaturen von 30 Grad die Innentemperatur im Massivbau bei rund 24 Grad bleibt, jene im Holzbau ungefähr ein Grad darüber liegt. Dies gilt für Gebäude mit normalem Fensteranteil und korrekt eingesetzter Beschattung und wird durch weitere Studien bestätigt.

«Der Holzbau wird tendenziell etwas wärmer, kühlt aber in der Nacht auch besser und schneller aus», hält er fest. Gerade bei längeren Hitzeperioden bestehe bei Massivbauten das Problem, «dass sie noch einige Tage länger heiss bleiben, wenn die Aussentemperatur bereits wieder niedriger ist».

Müller sagt weiter, Schulhäuser hätten gegenüber anderen Gebäuden den Vorteil, dass sie in der heissesten Zeit weniger stark genutzt würden respektive weniger Wärmequellen vorhanden sind. Auch vor und nach den Sommerferien können die Temperaturen aber klar über 30 Grad liegen, wie die letzte Woche gezeigt hat. Braucht es künftig also Klimaanlagen in Aargauer Schulhäusern? «Falls eine Maximaltemperatur, zum Beispiel 25 Grad, im Klassenzimmer nicht überschritten werden darf, kommt man kaum um eine Kühlung herum», sagt Daniel Müller.

Es geht auch ohne Klimaanlage

Allerdings müsse man sich Überlegungen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis machen. Berücksichtigt werden müsse auch der Energieverbrauch, der je nach Quelle wiederum zur Klimaerwärmung beitrage. Es gebe aber genügend intelligente Konzepte, die zeigten, dass es auch gut ohne Kühlung gehe, betont Müller. «Entscheidend sind eine effiziente Beschattung, Nachtauskühlung, Sonnenschutzgläser und eine Reduk- tion der internen Wärmelasten durch Licht, Computer usw.» Auch Holzbauten seien künftig bei zunehmend höheren Temperaturen gut geeignet, um ein behagliches Raumklima zu erreichen. «Zudem lebt es sich in einem Holzbau schöner und es ist auch noch ökologischer», sagt Daniel Müller.

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