Bruno Weber: Der Scherenschnitt-Pionier, der keiner sein will

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Bruno Weber in seinem Atelier in Vordemwald. Die Wände sind voll mit Papierschnitten aus den letzten 45 Jahren. Bild: Remo Wyss

Der Boden von Bruno Webers Atelier in Vordemwald ist übersät mit Papierschnitzeln. An den Wänden hängen die Zeugnisse hunderter Stunden Arbeit. Papierschnitte in diversen Grössen mit unterschiedlichen Motiven, manche schwarz-weiss und andere farbig, zeugen eingerahmt von über 40 Jahren künstlerischen Schaffens. «Ein Papierschnitt ist nur halb so viel Arbeit, wie man eigentlich denkt, denn das Papier ist beim Schneiden ja zusammengelegt», sagt Bruno Weber und lacht laut. Je nach Grösse und Intensität kämen aber gut und gerne über 30 Arbeitsstunden zusammen. «Aber so genau schaue ich da nicht drauf.»

Vor über 40 Jahren hat ihn seine Leidenschaft gepackt. «Mit 20 war ich direkt nach dem Seminar Lehrer in Strengelbach. Das ging damals noch etwas früher als heute.» Für den Zeichenunterricht mit den 32 Viertklässlern fertigte er einen Papierschnitt an – seinen allerersten. Als Weber nach einiger Zeit an die Kunstgewerbeschule in Zürich ging – «viele wollten da hin, ich konnte» –, wollte er auch seine Diplomarbeit mit dem Papierschneiden bestreiten. Sein Betreuer hatte aber Bedenken, dies vor dem Fachgremium vertreten zu können. Deshalb durfte Weber nicht nur Papierschnitte vorlegen, sondern musste auch gemalte Bilder beurteilen lassen.

Nach der Kunstgewerbeschule unterrichtete er an diversen Schulen als Werklehrer. Sehr lange an der HPL, später Fachhochschule Nordwestschweiz, wo Weber angehenden Lehrpersonen das Werken beibrachte. «Das waren immer Teilzeitstellen, daneben habe ich meine Papierschnitte gefertigt.» Seit dem Sommer 2014 setzt der 65-jährige voll auf die Karte Kunst. Denn neben Papierschnitten fertigt Weber etwa auch Metallschnitte oder malt Aquarelle. «Einen Papierschnitt kann ich gut beiseitelegen und später damit weitermachen. Bei einem Aquarell geht das nicht, das muss ich in einem Zug fertigstellen.»

Seit seinem ersten Papierschnitt hat er die Szene revolutioniert, auch wenn er sich selbst weder als Revolutionär noch als Pionier sieht. «Ich bin mir sicher, dass die Szene auch ohne mich diesen Schritt gemacht hätte.» Denn während vor 30 Jahren hauptsächlich ländliche Motive mit Silhouettenschnitten und viel Rand gängig waren, brach Weber mit diesen Traditionen. Statt mit Scheren brachte er mit feinen Papiermessern eine Tiefenwirkung und Lichtdarstellungen in seine Schnitte. Unter Papierschneidern kennt man ihn deshalb auch als denjenigen, der das Licht ins Bild brachte. Heute gibt es viele, die schneiden wie er, die Papierschnittszene sei offener geworden.

«Das Licht ist sowieso ein gutes Stichwort», sagt Bruno Weber, «denn das Licht – und auch der Schatten – hat einen symbolischen Charakter.» Denn der Mensch suche immer nach dem Licht. Aber es brauche auch den Schatten, um das Licht sehen zu können. Genau damit arbeite er bei seinen Papierschnitten.

Nach einem stressigen 2017 und 2018 mit vielen Ausstellungen und Besuchen in seinem Atelier, hat sich Bruno Weber ein ruhiges 2019 genehmigt. «Meine einzige Ausstellung in diesem Jahr wird ab November in Mariastein zum Thema ‹Aufbruch und Weite› sein. Zusammen mit etwa 15 anderen Schneidern und Schneiderinnen werde ich drei oder vier Werke ausstellen.» Das Thema von Mariastein passt bestens zu Weber, der sich momentan mit der Metamorphose der Schmetterlinge befasst. «Ich finde diese Wandlung sehr interessant, Raupen verpuppen sich und werden unter grösster Anstrengung zu wunderschönen Schmetterlingen.»

Einer Umwandlung unterzieht er auch sein Atelier, sein Haus und die Häuser seiner Töchter. «Ich war immer mit Leidenschaft Werklehrer. Beim Umbauen oder beim Reparieren von defekten Sachen kann ich diese Leidenschaft noch ausleben», sagt er. Auch nach seinen drei Enkelkindern, die alle innerhalb eines Monates zur Welt kamen, schaut Weber gerne. «Sie sind zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden». Deshalb müsse ihn momentan eine Ausstellung sehr interessieren, damit er teilnehme. Denn grundsätzlich möchte er immer mehrheitlich neue Werke ausstellen. Sein nächster Fixpunkt nach Mariastein ist seine alle paar Jahre stattfindende Ausstellung in seinem Atelier, die voraussichtlich am 24. Oktober 2020 beginnt.

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Im Rahmen der Serie «Was macht eigentlich …?» haben Redaktorinnen und Redaktoren dieser Zeitung mit Menschen gesprochen, die Schlagzeilen gemacht haben. Wir fragen nach, was sie heute machen – und schwelgen mit ihnen in Erinnerungen.

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