Wer ist der geheimnisvolle Kaufinteressent der Marienburg?

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Schloss Wikon von Norden. Hinter dem Betongebäude des Instituts von 1971 (rechts) befindet sich die öffentlich zugängliche Aussichtsterrasse. Bild: ben
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Schloss Wikon von Süden (ben)

Die Ordensschwestern der Marienburg verbringen ihren Lebensabend im Benediktinischen Zentrum des Frauenklosters Sarnen. Ende Juni konnte man das baulich erneuerte Frauenkloster besichtigen. Rund 1800 Besucher und Besucherinnen kamen laut einer Mitteilung der Träger-Stiftung «Ora et labora» (Bete und arbeite) an den Tag der offenen Türe. Es sei zu vielen herzlichen Begegnungen zwischen den Schwesterngemeinschaften von Sarnen, Melchtal und Wikon und dem Publikum gekommen.

Die Wikoner Schwestern haben also im Kanton Obwalden ein neues Zuhause gefunden. Die offene Frage ist, was mit ihrem ehemaligen Domizil, der Marienburg, passiert. «Schon oft war in den letzten Jahren von einem Verkauf die Rede – ohne dass danach etwas passiert ist», erzählt uns ein Einheimischer.

Jetzt scheint es aber ernst zu werden. Laut Hanspeter Kiser, Präsident der Stiftung Ora et Labora aus Sarnen, seien Abklärungen im Zusammenhang mit der zukünftigen Nutzung der Marienburg im Gang. «Das Ziel ist die gesamten Liegenschaften zu veräussern. Einerseits um die Schwestern zu entlasten, andererseits um aus dem Erlös eine finanzielle Absicherung für die Gemeinschaft zu erzielen», schrieb Kiser unserer Zeitung Anfang Juni. Alle potenziellen Käufer «legten grossen Wert auf Diskretion», fügte der Stiftungspräsident geheimnisvoll hinzu.

Laut einer gut informierten Quelle soll eine vermögende Luzerner Privatperson die Marienburg kaufen wollen. Der Kaufinteressent soll ein Projekt für die Nutzung des Anwesens haben.

Verkauft ist das Anwesen noch nicht. Im Grundbuch sind aktuell immer noch die Benediktinerinnen als Alleineigentümerinnen eingetragen; auch gab es keine Publikation im Luzerner Kantonsblatt. Das Schloss gehört offiziell dem Hilfsverein Marienburg. Steht ein Kaufabschluss kurz bevor? Die Stiftung Ora et labora antwortet diese Tage weder auf Mails noch auf mehrmalige telefonische Anfragen. Auch bei der Gemeinde äussert sich aktuell niemand näher. Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor meinte, im Moment könne der Gemeinderat noch nicht viel zur Marienburg sagen. «Zu gegebener Zeit» werde man Fragen beantworten.

Das Anwesen ist gross: Das Grundstück «Schloss Marienburg, Tuberain» hat eine grundbuchliche Fläche von 28 000 Quadratmetern. Der Landwirtschaftsbetrieb Schlosshof beim Parkplatz mit dem «Reiterhof Schlosshof-Ranch» gehört ebenfalls den Schwestern und hat 6000 Quadratmeter Fläche. Dem Kloster gehören weitere landwirtschaftliche Flächen in Wikon, die verpachtet sind.

Die Marienburg liegt in einer Naturschutzzone

Auf dem Felssporn Marienburg gibt es gemäss aktueller Zonenplanung der Gemeinde Wikon eine Naturschutzzone. Mit dieser Zone werden die naturnah bewirtschafteten Grünlandflächen geschützt. Spätestens, wenn der neue Besitzer allenfalls eine Umzonung beantragt, wo die Gemeindeversammlung mitreden könnte, wird die Katze wohl aus dem Sack gelassen, was auf dem Schlosshügel geplant ist.

Wikon käme ein privater Besitzer wahrscheinlich ganz gelegen. Denn immer wieder wurde die Befürchtung laut, dass der Kanton, der in der Marienburg zeitweise Fachangestellte Gesundheit (FAGE) ausbildete, vielleicht ein Asylzentrum im Gebäude einrichten könnte.

Geschichte Schloss Wikon und Frauenkloster Marienburg

Mittelalter: Das Schloss von Wikon gehörte in ältester Zeit den Grafen von Frohburg

1798: Bis zum Einmarsch der Franzosen residieren Luzerner Landvögte auf dem Schlosshügel. Der letzte, Karl Josef von Hertenstein, bringt die Wertsachen nach Luzern in Sicherheit. Das Schloss wird teilweise zerstört, Geld für den Unterhalt fehlt

1801: Die Gemeinde Wikon kauft dem Kanton die Gebäude für 19 600 Franken ab

1859: Die Korporationsgemeinde Wikon erwirbt die Gebäude für 4800 Franken

1890: Pfarrer Leupi aus Oberkirch kauft das Schlossgut. Er ist ein Neffe der Ordensschwester Gertrud Leupi aus Wikon, Mitbegründerin des Klosters Maria Rickenbach und des Klosters Maryville-Yanktonin den USA. Auf dem Schlossberg will sie Ordensschwestern für die «Indianer-Mission» Süd-Dakotas ausbilden.

1891: Beginn des klösterlichen Lebens der Benediktinerinnen in der «Marienburg» und Eröffnung des Mädcheninstitutes.

1904: Gründerin Schwester Gertrud Leupi stirbt in Wikon

1916: Gründung des Hilfsvereins Marienburg

1933–34: Bau des Schwesternhauses

1956 und 1970–1972: Die Institutsanbauten werden erstellt

2003: Mädchenschule und Internat schliessen wegen Personalmangels

2004–2010: Das Kompetenzzentrum Gesundheit Zentralschweiz bildete Fachangestellte Gesundheit auf Marienburg aus

2013: zählt das Kloster noch 11 Schwestern

2014–2015: Temporäre Unterkunft von 40 Pensionären des Alters- und Pflegezentrums Waldruh, Willisau, wegen Umbau

 

2019: Die letzten Schwestern ziehen aus und nach Sarnen um

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