Nach Gewalt an Lehrerin: «Dieser Fall zeigt, dass ein Frühwarnsystem wichtig wäre»

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Die Schulanlage Hellmatt in Wildegg. Hier ging der Realschüler zur Schule. Bild: Frederic Härri © Frederic Härri

Wenn es im Aargau um Lehrer-Themen geht, gibt oft Elisabeth Abbassi Medienauskünfte. Doch die Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands muss im Fall Wildegg passen – sie ist dort Schulleiterin. Die AZ hat stattdessen bei Kathrin Scholl nachgefragt. Sie ist stellvertretende Geschäftsführerin des Lehrerverbands.

Der Fall Wildegg schockiert. Wie häufig sind Lehrpersonen so massiver Gewalt ausgesetzt?

Kathrin Scholl: Physische Gewalt in diesem Ausmass ist sehr selten. Viel häufiger ist psychische oder verbale Gewalt. Wir stellen ausserdem eine Zunahme dieser Fälle fest.

Wie können Lehrer reagieren?

Es ist ganz wichtig, dass sie bei Schulleitung und Schulpflege den Schutz einfordern, der ihnen rechtlich zusteht. Es ist leider nicht allen Schulbehörden klar, dass sie für den körperlichen und psychischen Schutz der Lehrpersonen mitverantwortlich sind, das ist gesetzlich verankert.

Und was können die Schulbehörden ganz konkret unternehmen?

Man holt die Eltern zum Gespräch und zeigt ihnen klar auf, was passiert ist und dass es so nicht weitergeht. Dann werden Massnahmen definiert. Das kann bis zum Schulverweis gehen – oder zu Bussen.

Bussen?

Ja. Denn gerade die psychische Gewalt wird öfter von den Eltern ausgeübt als von den Kindern. Da setzen die Sanktionen natürlich nicht beim Kind an, sondern bei den Eltern – zum Beispiel in Form von Bussen. Aber leider ziehen die Eltern oft auch die Kinder mit hinein.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Ich kenne einen Fall, bei dem Kinder von den Eltern aufgefordert wurden, genau zu protokollieren, was die Lehrperson macht. Da stand dann zum Beispiel «Lehrperson hat einen Fleck auf der Hose», «Lehrperson verlässt das Zimmer», «Lehrperson hat das Handy fallengelassen». So kann man nicht unterrichten, geschweige denn, eine Beziehung zum Kind aufbauen.

Zurück zum Fall Wildegg. Der gewalttätige Schüler ist offenbar zuvor wegen zunehmender Hinwendung zum Islam aufgefallen. Ist Radikalisierung in den Schulen ein Thema?

Aus meiner Sicht gehen die Schulen mit Themen wie Kopftuch und Schweinefleisch bisher pragmatisch und professionell um. Es ist die Politik, die daraus ein Problem macht. Die allermeisten Konflikte können innerhalb der Klasse oder der Schule gut gelöst werden. Wenn nötig werden auch hier die Eltern einbezogen.

Kein Handlungsbedarf also?

Dieser Fall zeigt, dass es wichtig wäre, ein Frühwarnsystem zu haben, damit man Signale erkennt, die zu Gewalttätigkeit führen können. Nur wenn Signale erkannt und kommuniziert werden, kann man darauf reagieren.(nro)

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