Herr Gallati, graut Ihnen nicht davor, als Staatskritiker selber Kopf der Verwaltung zu werden?

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SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati will in die Regierung wechseln. © Annika Buetschi / az

Was gab den Ausschlag, dass Sie nun selber als Regierungskandidat antreten und damit Nachfolger von Franziska Roth werden wollen?

Jean-Pierre Gallati: Ganz klar, die aktuelle Situation. Ich könnte einen wichtigen Beitrag in der Regierung leisten und das Departement Gesundheit und Soziales weiter auf Kurs bringen. Es wäre jedenfalls politisch und führungsmässig eine schöne Herausforderung.

Was würden Sie im DGS denn verändern?

Inhaltlich habe ich klare Vorstellungen. Aber dafür ist es noch zu früh. Ich bin ja noch nicht mal nominiert. Sicher würde ich im DGS weiter stabilisieren und motivieren, so wie es der interimistische Vorsteher Stephan Attiger jetzt mit sichtbarem Erfolg schon tut.

Graut Ihnen als vehementer Kritiker des Staatsapparats nicht davor, selber Kopf der Verwaltung zu werden?

Ein Regierungsrat ist Repräsentant des Kantons, nicht einfach Sprachrohr der Verwaltung. Ein Regierungsrat setzt der Verwaltung Leitplanken, macht ihr Vorgaben, nicht umgekehrt. Zudem bringt er sich mit Ideen und Anstössen ein.

Sie waren der erste und schärfste Roth-Kritiker in der SVP. Ist das jetzt im Wahlkampf ein Vor- oder ein Nachteil?

Wenn ich als Fraktionschef nach der Fraktionserklärung zu Frau Roth von FDP, CVP, Grüne etc. geschwiegen oder wie ein Parteisoldat einfach gut Wetter gemacht hätte, würde man mir das auch vorwerfen. Aber das müssen letztlich die Journalisten und Bürger beurteilen.

Anders gefragt: Würden Sie nochmals öffentlich ihre eigene Regierungsrätin so scharf kritisieren?

Was heisst scharf? Ich habe einfach ehrlich und anständig meine Meinung gesagt. Ich wollte nicht die Realität beschönigen und behaupten, dass es gut läuft im DGS. Die Erde ist ja auch keine Scheibe.

Sie kandidieren gleichzeitig für den Nationalrat. Geht das?

Wenn ich die Zeit zurückspulen könnte, würde ich nicht gleichzeitig für den Nationalrat kandidieren. Aber der Prozess ist schon zu weit fortgeschritten; der enge Zeitplan mit den verschiedenen Anmeldefristen für beide Ämter lässt keinen Spielraum. Wir mussten nach dem Rückzug von Martin Keller ja schon eine Nachnominierung vornehmen. Jetzt ist es zu spät, das nochmals zu tun. Wir sind eine grosse Partei und müssten nochmals einen Parteitag einberufen, was während der Sommerferien nicht geht.

Was machen Sie, wenn Sie in beide Ämter gewählt werden?

Dann würde ich auf das Amt als Nationalrat verzichten. Beides zusammen geht nicht, das wäre unseriös.

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