Proporzwahl: Ein Umsturz, der alles veränderte

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Die einen empfinden Schweizer Wahlen und ihren jeweiligen Ausgang als langweilig, die andern sehen in unserem Wahlsystem einen Baustein für den Erfolg des Landes – die Schweiz ist ein Hort der politischen Stabilität. Dennoch: Vor 100 Jahren hat ein Erdbeben die Schweizer Politlandschaft erschüttert und für immer verändert. Mit den Parlamentswahlen 1919 beendeten die Stimmbürger die Vorherrschaft der Staatsgründer – der Vorgänger der FDP.

Die Proporzverfechter nutzten für ihren «Umsturz» das 1891 eingeführte Instrument der Volksinitiative. 1913 trugen Sozialdemokraten und Katholisch-Konservative im Schulterschluss die nötigen Unterschriften zusammen. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg kam es erst im Oktober 1918 zur Volksabstimmung, in welcher mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 66,8 Prozent das Proporzsystem beschlossen wurde. Von den Ständen stimmten 19,5 zu und 2,5 lehnten ab.

1917 fand die letzte Parlamentswahl unter dem Majorzsystem statt. Die nächsten Wahlen hätten turnusgemäss 1920 stattfinden sollen. Aber unter dem Druck des Generalstreiks von Ende 1918 wurden sie um ein Jahr vorgezogen – einmalig in der Geschichte der Schweiz.

Mit dem Majorz hätte die SVP 15 von 16 Mandaten
1917 war der Aargau in vier Wahlkreise eingeteilt, in welchen die damals 12 Mandate (aktuell 16) verteilt wurden. Zum 36. Eidgenössischen Wahlkreis mit drei Sitzen gehörten die Bezirke Kulm, Zofingen und aus dem Bezirk Aarau die Gemeinden Hirschthal, Muhen, Ober- und Unterentfelden sowie Gränichen. Der Bezirk Muri und grosse Teile des Bezirks Bremgarten hatten nur einen einzigen Sitz zu bestellen. Bei Majorzwahlen siegt die Partei mit den meisten Stimmen auf der ganzen Linie – nach dem Motto «The Winner takes it all». Was heisst das? Heute ist der Kanton ein Wahlkreis. Legt man die Resultate von 2015 auf das Rechenbrett des Majorz – die SVP hätte so nicht 6, sondern 15 der heute insgesamt 16 Mandate erzielt. Einzig Philipp Müller (FDP) wäre es gelungen, in die Phalanx der SVP vorzudringen. Mit dem Proporz wurden die Sitze nach Parteistärke verteilt und so auch an kleinere Gruppierungen.

Am Vorabend der Wahlen 1919 verfügten die Freisinnigen im Aargau über 9 Sitze, die Katholisch-Konservativen (KVP) über 3. Der damals liberal-konservative Eugen Bircher – später Divisionär und BGB-Nationalrat – warnte vor einem Linksrutsch. «Der Sozialismus wird seine Bahn gehen – alles mit sich reissend.» Am Wahlabend 1919 hatten FDP, KVP und SP je 3 Sitze. Weitere 3 gingen an eine damals jüngst gegründete Bauernpartei (heute SVP). Diese darf durchaus als Abspaltung der FDP bezeichnet werden.

WAHLSERIE

Vor hundert Jahren wechselte die Schweiz für ihre Nationalratswahlen vom Majorz- zum Proporzsystem. Eine Wahlserie wirft einen Blick zurück ins Jahr 1919, zeigt aber auch die Unterschiede zwischen dem Proporz bei Gross- und Einwohnerratswahlen sowie jenem bei den Nationalratswahlen auf.

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