Bei Verspätungen: SBB planen den «Pendler-Alarm» auf dem Handy

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SBB wollen bei Verspätungen besser informieren. (KEYSTONE/Ennio Leanza) © CH Media

Pendler Daniel A. (Name der Redaktion bekannt) fährt fast täglich mit dem Zug von Basel nach Luzern zur Arbeit. Doch an einem Montagmorgen zu Beginn der Sommerferien muss er feststellen, dass die SBB Verbindung zur vollen Stunde kurzerhand gestrichen hat. Der Grund sind Bauarbeiten zwischen Olten und Luzern, die von Anfang Juli bis Mitte August dauern. Zwar haben die SBB in Basel ein Plakat aufgestellt, dass auf mögliche Zugsausfälle im Sommer hinweist, allerdings ohne konkrete Informationen. Das nervt Daniel A.: «Ich konsultiere doch nicht täglich die App, um zu prüfen, ob mein Zug fährt.»

Solchen Ärger möchten die SBB vermeiden. Wer in Besitz der SBB-App ist soll künftig über Störungen auf «seiner» Strecke informiert werden – mittels Push-Meldung. Es wäre eine Art «Pendler-Alarm». Ein Sprecher bestätigt entsprechende Informationen dieser Zeitung. Schon heute könnten Kunden online Störungsmeldungen und Informationen zu Baustellen erfragen. «Ziel ist es nun, dies zu automatisieren», sagt der Sprecher. «App-Nutzer können künftig für alle Strecken Push-Benachrichtigungen abonnieren.»

Erste Tests ab Ende Jahr geplant

Wer die elektronischen Zuginformationen, die automatisch auf dem Handy erscheinen, wünscht, kann dies beim Billettkauf und bei der Fahrplanabfrage entsprechend einstellen. Sie SBB selber wollen nicht von einem «Pendler-Alarm» sprechen, da die Funktion allen Reisenden offen stehe. Tatsächlich dürfte aber vor allem die treuste Kundengruppe angesprochen sein, da sie mit der neuen Funktion täglich über die von ihnen genutzte Strecke informiert werden können, sei es Zürich-Bern, Luzern-Olten oder Genf-Lausanne.

Geplant ist, dass der Pendler-Alarm ab Ende 2019 oder Anfang 2020 vorerst in der sogenannten Preview-App der SBB eingeführt wird. Auf dieser testen die Bundesbahnen jeweils technische Neuerungen, wie auch schon die «Augmented Reality»-Software am Zürcher Hauptbahnhof. Später, im Erfolgsfall, soll die Funktion dann in der herkömmlichen SBB-App integriert werden. In einem ersten Schritt wollen die SBB nur über Zugsausfälle, Verspätungen und Gleisänderungen informieren.

Die Herausforderung aus SBB-Sicht: Push-Nachrichten können die Handynutzer stören, insbesondere sofern sie nicht relevant oder nicht korrekt sind. Man verzichte deshalb vorläufig darauf, automatische Vorschläge für alternative Reiserouten zu schicken, sagt der Sprecher. «Dafür wären weitergehende Informationen zum genauen Reiseziel und zum vorhandenen Billett oder Abo nötig.» Um eine neue Verbindung zu erhalten, müssen die Kunden somit weiterhin eine neue Fahrplanabfrage tätigen.

Und wann kommt der elektronische "Sorry"-Bon?

Neue Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) müssen die SBB wegen der Zusatzfunktion laut eigenen Angaben nicht erstellen. Die Push-Möglichkeit sei in den bestehenden AGB abgedeckt. Nötig sei aber, dass die App-Nutzer die Meldungen aktiv zulassen. Sollten in Zukunft die Kundendaten mit dem persönlichen Abonnement abgeglichen werden, müssten die SBB die AGB allerdings anpassen und die Kunden würden aufgefordert, diese aktiv anzunehmen.

An den bisherigen Informationskanälen wie den Lautsprecherdurchsagen und den digitalen Fahrplänen an den Bahnhöfen wolle man trotz der technologischen App-Aufrüstung festhalten, sagt der SBB-Sprecher. Und wäre es bald auch möglich, dass Kunden bei Verspätungen und Ausfällen einen digitalen Bon als Wiedergutmachung für verspätete Zugreisen zugeschickt erhalten? Laut dem Sprecher ist dies «momentan nicht vorgesehen.»

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