Pädophiler Lehrer flog nach elf Jahren nur durch Zufall auf – er unterrichtete in drei Kantonen

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Über den Messenger-Dienst kik hatte der beschuldigte Aargauer Lehrer mit minderjährigen Schülerinnen intime Nachrichten ausgetauscht. © Shutterstock

Der pädophile Aargauer Lehrer, der sich vor Bundesgericht erfolglos gegen seine U-Haft gewehrt hatte, ist seit rund einem Monat wieder auf freiem Fuss.

Am 19. März hatte die Kantonspolizei bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Die Strafverfolgungsbehörden hatten Hinweise auf Kinderpornografie erhalten. Bei der Durchsuchung am Wohn- und Arbeitsort des Lehrers stiessen sie auf entsprechende Bilder und Videos.

Daneben fanden die Polizisten auf den Datenträgern des Lehrers auch Chats und Fotos von jungen Frauen. Daraus ergaben sich Hinweise auf mehrere Beziehungen des Pädophilen mit minderjährigen Mädchen.

Recherchen bringen nun weitere Details des Falls zutage. Demnach war der Mann zuerst im Jahr 2008 in Brittnau im Bezirk Zofingen und ab Sommer 2010 als Klassenlehrer an der Oberstufe Dulliken SO tätig. Schon in Brittnau soll der damals 31-Jährige mit einer Schülerin ein Verhältnis gehabt haben. Ob das Mädchen damals erst 15- oder schon 16-jährig war, ist unklar.

Lehrer näherte sich wiederholt minderjährigen Schülerinnen

Details zum Wechsel des Lehrers nach Dulliken sind nicht bekannt. Wie es scheint, wussten die beiden Schulbehörden nichts über das Verhalten des Mannes in Brittnau. Ein Entscheid des Aargauer Obergerichts, das sich dieses Jahr mit der U-Haft des Mannes befasste, zeigt nun, dass sich der Lehrer auch an seinem neuen Arbeitsort wieder Schülerinnen näherte. Im Herbst 2012 schrieb der nun 35-jährige Mann einer ehemaligen Schülerin, die laut seinen Angaben im Sommer aus der Schule gekommen war, intime Nachrichten.

Er fragte das 15-jährige Mädchen, warum sie neben ihm mit zwei anderen schlafe, wo ihre Liebe sei und welche Gefühle sie für ihn eigentliche habe. Für die Aargauer Staatsanwaltschaft sind die Chatnachrichten eindeutige Hinweise darauf, dass der Lehrer mit der 15-Jährigen eine sexuelle Beziehung hatte.

Ein paar Monate später endete die Schulkarriere des Lehrers in Dulliken abrupt. Er wurde am 13. März 2013 fristlos entlassen, weil er ein Abhängigkeitsverhältnis missbraucht hatte, das sich aus seiner Lehrertätigkeit ergab. Auslöser für die Entlassung war allerdings nicht die sexuelle Beziehung des Lehrers mit dem 15-jährigen Mädchen. Der Mann wurde laut Aargauer Staatsanwaltschaft entlassen, weil er mit einer weiteren, noch nicht 16-jährigen Schülerin über den Messenger-Dienst kik Nachrichten austauschte, in denen es um den Aufbau einer Liebesbeziehung ging.

Ausserdem soll der Lehrer diese Schülerin bei einem Treffen geküsst und an den Po gefasst haben. Bei der Befragung bestritt er die Vorwürfe, bei den Nachrichten habe es sich um «harmlose Flirterei» gehandelt, der Griff an den Po sei nicht bewusst passiert. Ob die Straftatbestände der sexuellen Handlungen mit Kindern und mit Abhängigen damit erfüllt sind, wird wohl ein Gericht entscheiden müssen.

Die Verfehlungen des Mannes wurden nur publik, weil der Lehrer sich bis vor Bundesgericht gegen die dreimonatige U-Haft wehrte und die AZ auf das kürzlich veröffentlichte Urteil stiess. Der Fall hat allerdings nicht nur strafrechtliche und moralische Aspekte. Auch die zuständigen Schulbehörden in gleich drei Kantonen müssen sich kritische Fragen stellen lassen.

Schulbehörden in Dulliken und Wettingen schweigen

Recherchen der AZ zeigen: Nur fünf Monate nach seiner fristlosen Entlassung in Dulliken stand der Lehrer in Wettingen schon wieder vor einer Schulklasse. Im Rechenschaftsbericht der Gemeinde für das Jahr 2013 findet sich sein Name in der Rubrik «Mutationen im Lehrkörper» – demnach trat der Mann im August 2013 eine neue Stelle in Wettingen an. Wie konnte es dazu kommen, dass ein Lehrer, der sich einer minderjährigen Schülerin in sexueller Absicht nähert, im Nachbarkanton gleich wieder angestellt wird?

Wie es scheint, hat die Schule Dulliken die fristlose Entlassung des Lehrers im März 2013 nicht öffentlich kommuniziert. Ob es eine Information der Schulbehörden in Wettingen gab, bleibt offen – ist aber sehr unwahrscheinlich. Auskunft dazu gibt der Dulliker Gemeindepräsident Walter Rhiner mit Verweis auf den Datenschutz nicht. «Da wir keine Stellungnahmen zu Personen abgeben, die ehemalig in einem Anstellungsverhältnis bei uns waren oder aktuell noch sind, können wir Ihre Fragen nicht beantworten», teilt er mit.

Was wussten die Wettinger Schulverantwortlichen über die Vergangenheit des Lehrers? Marco Hardmeier, Schulleiter in Wettingen und ehemaliger Grossratspräsident, liess Fragen der AZ per Mail unbeantwortet und war telefonisch nicht erreichbar. Auf der Website der Schule war der Mann gestern Mittwoch noch als Klassenlehrperson der Primarschule Zehntenhof aufgeführt. Wer auf den Namen klickt, findet aber keine Details zum Lehrer, sondern landet auf einer Seite mit dem Leitbild der Schule.

Der letzte Arbeitgeber wusste nichts von den Vorwürfen

Gemäss Recherchen der AZ war der pädophile Lehrer zuletzt nicht mehr in Wettingen, sondern an der Freien Evangelischen Schule Zürich angestellt. Schulleiter Peter Frey bestätigt dies auf Anfrage:

Am 19. März dieses Jahres, als die Hausdurchsuchung bei ihm stattfand, meldete sich der Lehrer dann krank. «Wir haben ihm nach der Information durch die Kantonspolizei Aargau in Absprache mit unserer Juristin sofort gekündigt und ihn freigestellt», sagt der Schulleiter.

Dass der Mann 2013 in Dulliken fristlos entlassen worden war, wusste die Leitung der Zürcher Privatschule nicht. Frey betont: «Wir haben den Lehrer vor der Anstellung im Unterricht besucht, zwei Referenzen eingeholt, Strafregisterauszüge kontrolliert, seine Bewerbungsdossiers studiert und Gespräche mit ihm geführt. Dabei haben sich absolut keine Anhaltspunkte ergeben, die uns Hinweise auf die ihm zur Last gelegten Vergehen hätten geben können. Unsere Sorgfaltspflicht haben wir vollumfänglich erfüllt.»

Peter Frey hält weiter fest: «Es sind keine unserer Schülerinnen betroffen, es sind keine Klagen von Jugendlichen oder Eltern wegen des Verhaltens des Lehrers an die Schulleitung herangetragen worden. 

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