Ayurveda: Sanfte Methode gegen starke Schmerzen

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Auf dieser Liege schafft Andrea Lüthi für viele Personen Abhilfe bei körperlichen und psychischen Beschwerden. Bild: Katrin Petkovic

Ayurveda in einem Satz zu erklären, ist schier unmöglich. Die aus Indien stammende Therapieart beinhaltet verschiedene Massagen, die Kräuter- und Ernährungslehre sowie Yoga. Aber auch ein sogenannter Stirnguss (Shirodhara) oder die Edelstein- und Farbtherapie sind Bestandteile. Gemäss Ayurveda wird der Mensch als Mikrokosmos betrachtet, der das Universum mit seinen fünf Elementen Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde widerspiegelt. Aus den fünf Elementen gehen drei sich ergänzende Regelsysteme (Doshas) hervor, die den menschlichen Organismus bestimmen. Die Theorie der drei Doshas Vata (Äther und Luft), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Wasser und Erde) ist das Fundament der gesamten Struktur des Ayurveda. «Je nach Typ wähle ich dann die entsprechenden Kräuteröle und Massagen aus», so Andrea Lüthi, ausgebildete Ayurveda-Therapeutin. Oft spüre sie bei der ersten Berührung, ob ihre Einschätzung richtig ist oder ob sich das Dosha der Person gegen die Art und Weise der Berührung wehrt. Die Anteile der Doshas sind bei jedem Menschen anders. Das Ziel des Ayurveda ist es, das Gleichgewicht der Doshas zu erhalten oder wiederherzustellen.

Im Gegensatz zur medizinischen Massage wirkt die ayurvedische Massagetechnik sanft auf den Körper. Trotzdem wehrt sich Lüthi gegen die Auffassung, Ayurveda sei lediglich zur Entspannung gedacht: «In unseren Breitengraden wird es häufig als Wellness angesehen. Man vergisst, dass die ayurvedische Massage auch als Therapie angewendet werden kann.» Sie habe bereits mit vielen Klientinnen und Klienten körperliche Beschwerden enorm reduzieren können. Nach Operationen unterstützt sie den Genesungsprozess und bei Verdauungsproblemen schafft sie mittels Bauch-, Fuss- und Kopfmassagen Abhilfe. Zwei konkrete Beispiele aus ihrer Vergangenheit als Therapeutin beweisen, dass Ayurveda weitaus mehr Heilungskraft besitzt als von vielen angenommen.

Mann fiel acht Meter – Ayurveda half zum schmerzfreien Alltag

Ihre Mutter litt an einem Bandscheibenvorfall, der sich glücklicherweise nicht auf die umliegenden Nervenbahnen auswirkte. So konnte sie sich gegen eine Operation und für eine Ayurvedabehandlung entscheiden, um die Bandscheibe wieder in die richtige Position zu bringen. «Aus ayurvedischer Sicht ist ein Bandscheibenvorfall die Austrocknung der Bandscheibe», erklärt die 40-Jährige. Durch unausgewogene Ernährung, schlechte Körperhaltung und Stress käme dies zustande. Durch Massagen und mit den richtigen Ölen wurde die Bandscheibe während mehreren Monaten von aussen genährt, sodass sie sich nach einem halben Jahr wieder an den richtigen Ort zurückgeschoben hatte. «Die ersten grossen Verbesserungen traten nach drei Monaten ein, wobei sich meine Mutter unter meiner Anleitung auch viel zu Hause selbst massiert hat», so Andrea Lüthi. Beim anderen Beispiel handelt es sich um einen Mann, der in einen acht Meter tiefen Lichtschacht stürzte und sich das Becken, das Steiss- und das Kreuzbein brach. Nach seinem Aufenthalt im Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil wurde er aus schulmedizinischer Sicht austherapiert und entlassen. Der Haken: «Ich sah bei seinem ersten Besuch, dass er noch stark hinkte und seine rechte Seite noch nicht stark genug war», so die Ayurveda-Therapeutin. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen, die er bei Lüthi in Therapie verbrachte. Glücklicherweise kommt er heute nur noch in unregelmässigen Abständen zu ihr, da man ihm heute den Sturz nicht mehr ansieht. Während den letzten eineinhalb Jahren hat er nichts anderes gemacht ausser ayurvedische Massagen und Edelsteintherapie – alles mit Andrea Lüthi. «Für mich grenzt diese Geschichte schier an ein Wunder», erzählt Lüthi mit Demut. Die meisten Krankenkassen übernehmen den Betrag von 130 Franken für eineinhalb Stunden Therapie bei ihr.

Im 1. Jahrhundert vor Christus entstand Ayurveda 

Theorien über den historischen Ursprung von Ayurveda orientieren sich an den ältesten schriftlichen Aufzeichnungen des indischen Wissens, den Veden. Es heisst, dass dieses Wissen vom Schöpfer des Weltalls Brahman selbst stammt und von sogenannten Rsis (Sehern der Weisheit) jahrhundertelang durch mündliche Überlieferung erhalten blieb. Im Laufe der Zeit wurde die beschriebene Medizin um Beobachtungen und Erfahrungen früherer Forscher erweitert. Somit kann Ayurveda als ein Gemeinschaftswerk einer unermesslichen Zahl erfahrener und authentischer Ärzte, Heiler und Philosophen angesehen werden. Die bekanntesten Schriftensammlungen wurden von den Gelehrten Caraka, Susruta und Vagbhata verfasst. Die ältesten Schriftensammlungen sind diejenigen der Caraka, die etwa im 1. Jahrhundert vor Christus entstanden sind. 

Die Buddhisten übernahmen schliesslich die ayurvedische Medizin. Nach ihrer Vertreibung aus Indien trugen die Buddhisten zur Verbreitung des Ayurveda bei, zum Beispiel nach China, Tibet und Sri Lanka, was erklärt, wieso die Heilkunden jener Länder viele Ähnlichkeiten mit dem Ayurveda aufweisen. Mit den türkischen Eroberern machte Ayurveda einen Sprung nach vorne, es folgte eine Annäherung an die verschiedenen Strömungen der traditionellen indischen Medizinsysteme. Mit den englischen Kolonialherren kam Ayurveda zu einem Stillstand, da die Engländer Indien mit eiserner Faust regierten und die ayurvedischen Institutionen verboten. Ayurveda überlebte nur dank der Familientraditionen. Heute hat die Naturheilkunde ihren Platz in der modernen Gesellschaft zurückerobert und gehört zum offiziellen Medizinsystem in Indien. (pd/kpe)

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