Ein- und Ausfälle zum Thema Sprache

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Ausgerechnet die Zeitungen der Zürcher Tamedia-Gruppe haben uns letzte Woche vor einer immer stärker werdenden «Verzürcherung» unserer Mundarten gewarnt. «Züri-

Tüütsch» hat mit vielen seiner Begriffe bereits das Oberwallis erreicht – ist ausgerechnet in eine Region vorgedrungen, deren durchaus sympathischen Bewohnerinnen und Bewohner uns Deutschschweizerinnen und -schweizer als «Grüezeni» und «Üsserschwizer» diskreditieren.

Eine Sprache, eine Mundart, muss sich weiterentwickeln – alles andere ist ungut. Sogar Latein entwickelt sich fort. Der an sich toten Sprache haucht der Vatikan hin und wieder neues Leben ein – fügt ihr Begriffe aus der Neuzeit hinzu.

Die Frage, die sich dennoch stellt, ist, ob wir in unserer Umgangssprache jede Mode mitmachen müssen? Je besser die Verkehrsverbindungen in Richtung Zürich, desto mehr nimmt ein Sprachgut überhand, das sich an die Schriftsprache anlehnt. Hinzu kommt das «Hey Man»-Stakkato in den sozialen Medien und in der Umgangssprache auf dem Schulhof. Unsere lokalen Muttersprachen befinden sich im Zeitalter des SMS in einer Epoche der Auflösung ihrer Normen. Verstärkt passen wir die Grammatik unserer Mundart jener der Hochsprache an. Aus «woni ha welle go» ist «woni ha go welle» geworden.

Apropos Hochsprache. Auch die erlebt einen rasanten Wandel – der nicht immer zu ihrem Vorteil ist und zu irritierenden Aussagen führen kann. Ein Beispiel aus einer Medienmitteilung des Aargauer Bildungsdepartements: Schülerinnen und Schüler sollen «beschult» werden. Was heisst das? Im Frontalunterricht passiv in den Schulbänken sitzen und sich beschallen lassen? Eine Bühne wird bespielt – sie kann nichts dafür, was auf ihr gespielt wird.

Wie gross der Einfluss von Verwaltungen auf unsere Sprache heute ist, zeigt ein Beispiel aus dem Kanton Zürich. Im Gemeinderat der Stadt Zürich sind nur Vorstösse zulässig, welche «gendergerecht» formuliert sind. Ein Parlament, die erste Gewalt im Staat, ordnet sich dem unter? Das ist speziell

Konkret geht es um zwei Vorstösse, welche der «Genderpolizei» unlängst in die Augen gestochen sind. Eine SVP-Politikerin wollte die Stadtregierung in einer Interpellation zu einem unbewilligten Festival im Pfingstweidpark befragen. Doch das Parlamentsbüro – Herr über die formalen Prozeduren im Gemeinderat – lehnte die Traktandierung ab. Aus sprachlichen Gründen. Die Interpellation hatte in ihrem Text lediglich von «Besetzern» geschrieben und damit gegen die sprachliche Vorschrift verstossen – nach der stets sowohl die männliche wie die weibliche Form zu verwenden ist. In der Geschäftsordnung heisst es: «Frauen und Männer sind sprachlich gleichberechtigt zu behandeln.

Das Büro orientiert sich aber nicht nur an der letztendlich durch den Gemeinderat beschossenen Geschäftsordnung. Es konsultiert auch die Richtlinien zur Rechtschreibung der Stadtverwaltung. Dort sind Gendersternchen nicht erwähnt. Diese hatte ein AL-Politiker in einem Vorstoss verwendet, der sich eines Genderthemas annahm. Er will in einem «Arbeiter*innenquartier» einen «Rosa-Luxemburg-Park». Postwendend ging der Vorstoss zwecks Eliminierung des Sternchens zurück an den Absender.

Hier läuft etwas aus dem Ruder und müsste den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt einen Schrecken einjagen. Was ist, wenn sich der Einfluss der Sprachpolizei auf ihre Eingaben, Einwendungen oder Rekurse ausweitet? «Ihr Gesuch kann nicht bearbeitet werden. Es weist drei orthografische Fehler auf.»

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