Schlimmer denn je: Borkenkäfer-Alarm in unseren Wäldern

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Revierförster Markus Schmid mit einer Fichte im Wikoner Wald, die gefällt werden muss. Bilder: Rosmarie Brunner
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Typisches Anzeichen für Borkenkäferbefall ist das rötliche Bohrmehl unter der Rinde.
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So sieht das Tierchen aus, das die unter der Trockenheit leidenden Bäume zerfrisst.

Markus Schmid, Revierförster bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern, blickt besorgt. «So etwas habe ich noch nie erlebt.» Seit mehr als dreissig Jahren ist er als Förster tätig und kennt die Waldgebiete im unteren Wiggertal wie seine Westentasche. «Aber eine vergleichbare Situation, wie sie sich heute zeigt, hatten wir während dieser Zeit noch nie – sogar bei den Käferfolgeschäden nach dem Sturm Lothar im Sommer 2003 war die Situation nicht so akut wie jetzt.» Schmid zeigt auf einen Baum, eine Fichte, die vom Borkenkäfer befallen ist. Sie ist nicht die einzige: Der Revierförster hat die Journalistin zu einem «Käfernest» gebracht, eine Stelle im Wikoner Wald, an der gleich Dutzende von Fichten aufgrund des Schädlings bereits abgestorben oder am Absterben sind.

Wasserspeicher seit 2018 nicht genügend aufgefüllt

Noch immer sind die Böden viel zu trocken, die Wasserspeicher seit dem niederschlagsarmen Sommer 2018 nicht aufgefüllt. Das setzt den Bäumen zu und begünstigt Schädlinge wie den Borkenkäfer. Vor allem der sogenannte Buchdrucker ist jetzt aktiv in den Wäldern, bohrt sich in die Rinde der Fichten, um hier seine Eier abzulegen. Ein gesunder Baum kann sich gegen einen normalen Befall von Borkenkäfern wehren, vorwiegend mit Harzfluss. Doch die Bäume stehen unter Stress und sind geschwächt. Und die Borkenkäferpopulation ist sehr gross: Trocken und warm, das sind optimale Entwicklungsbedingungen für sie. Von der Eiablage bis zum fertigen Käfer dauert es normalerweise ungefähr sieben bis elf Wochen, üblicherweise hat man deshalb pro Saison mit zwei Generationen zu rechnen. «Doch wenn es während mehrerer Wochen so warm und regenarm wie jetzt ist, verkürzt sich die Entwicklungszeit auf bis zu sechs Wochen», sagt Schmid. Natürliche Feinde wie Specht, Ameisenbuntkäfer, Schlupfwespen oder Ameisen können mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Das Resultat: eine explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers. Die Situation verschärfe sich täglich.

Im befallenen Gebiet im Wikoner Wald ist Waldarbeiter Rolf Blättler mittlerweile dabei, die Bäume vorzubereiten für den Holzschlag nächste Woche. Denn dass die Bäume schnellstmöglich gefällt und aus dem Wald entfernt werden, ist ein Muss, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Doch da gibts ein Problem: «Die Preise sind komplett eingebrochen», erklärt Erich Tschopp, Betriebsförster der Genossenschaft Wald Wiggertal. «Überhaupt einen Abnehmer zu finden, ist schwierig.» Er zeigt auf eine Fichte: Gesund gefällt, hätte der Waldbesitzer für den gut 80 Jahre alten Baum, zwei bis drei Kubikmeter stark, noch vor wenigen Jahren um die hundert Franken gelöst. Jetzt bekommt er die Hälfte – und wenn er, wie der Besitzer dieser Parzelle, die Arbeit durch einen Fachmann erledigen lassen muss, kann er froh sein, wenn er nicht drauflegt.

Schweizweit sind rund zwei Drittel des Waldes im Besitz der öffentlichen Hand. Im Kanton Luzern ist es umgekehrt. Die Wälder gehören zu 70 Prozent privaten Eigentümern. «Etliche davon sind Landwirte, die im Sommer sowieso schon alle Hände voll zu tun haben», sagt Revierförster Markus Schmid vom Kanton. «Sie bei den aktuellen Holzpreisen dazu zu bringen, befallene Bäume zu schlagen, ist sehr schwierig. Das wird dazu führen, dass viele dürre Bäume bis in den Winter stehen gelassen werden.» Dafür haben der Betriebsförster und der Revierförster Verständnis.

Bleiben gewisse abgestorbene Bäume stehen, sind diese für die Biodiversität im Wald eine Bereicherung. Für beide Förster ist in der momentan schwierigen Holzmarktsituation wichtig, dass vor Beginn der Holznutzung ein möglicher Holzabsatz abgeklärt ist. Eine gesetzliche Verpflichtung, dass befallene Bäume entfernt werden müssen, gibt es nicht. In Schutzwäldern, also Wäldern mit grossem öffentlichen Interesse, könnten Massnahmen angeordnet werden. Diese Massnahmen würden finanziell unterstützt. Auch in den Wäldern der Region wird man laut Schmid bestrebt sein, abgestorbene Bäume an Strassen, Wanderwegen oder öffentlichen Plätzen aus Sicherheitsgründen zu entfernen.

Fichten sind am stärksten betroffen von der extremen Witterung. Aber auch Buchen leiden, haben auf exponierten Standorten bereits jetzt einen grossen Blattverlust und sind teilweise am Absterben.

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Dutzende von Fichten sind aufgrund des Schädlings bereits abgestorben oder am Absterben (Rosmarie Brunner)
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