Politiker, Planer, Bürger und Spender – sie waren vor 50 Jahren der Zeit voraus

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Steht man vor dem «Tanner», heute Teil des Seniorenzentrums Zofingen, kann man es kaum glauben – das architektonisch modern anmutende Gebäude mit seiner Backsteinfassade ist 50 Jahre alt. Wie entstand dieser Bau? Willy Loretan, alt National- und Ständerat, von 1974 bis 1992 Zofinger Stadtammann, spricht als Zeitzeuge, der sein Wissen der Geschichtsschreibung in einer Broschüre zur Verfügung gestellt hat.

«Die Ausgangslage war damals eine komplett andere als heute», sagt Loretan. In den 1960er Jahren fehlte es weniger an Pflegeplätzen als an Unterkünften für ältere Menschen. Viele suchten nach der Pensionierung oder dem Tod des Partners oder der Partnerin einen Platz in einem Altersheim. Dem wollte die Stadt mit dem Bau des «Rosenbergs» nachleben.

Was hier realisiert wurde, ist wichtig für das spätere Konzept des «Tanner». Trotz (oder gerade wegen) eines Architektenwettbewerbs mit 31 Teilnehmern wurde das Vorhaben im Resultat zum Debakel. Zum einen rein bautechnisch mit vielen Mängeln, zum anderen konzeptionell. In den zeitgenössischen Berichten lässt bereits der Begriff «Insassenräume» aufhorchen. Die Rede ist von einer «fantasiereichen Raumreihenfolge mit spannungsreicher architektonischer Durchbildung – mit konsequent schiefwinkligen Grundrissen». In der Praxis sind solche Räume aber kaum möblierbar – und schon gar nicht mit Pflegebett oder Rollstuhl nutzbar. Inzwischen ist der Rosenberg komplett erneuert worden und beherbergt grosszügig konzipierte Seniorenwohnungen.

Wegweisende Ikone der Architektur von Heimen

Zum Tanner. Dieses Gebäude sollte eine Lücke zwischen dem Angebot des Pflegheims am Spital und dem Rosenberg für leichte Pflegefälle schliessen. Keine Freude an dieser Idee hatten Parlament und Regierung. Man befürchtete eine Konkurrenzierung der Pflege am Spital. Dennoch – die Idee setzte sich in der Region durch. Den Architekturwettbewerb gewannen Burkard + Meyer + Steiger aus Baden. Ihre Heimbauten sind wegweisend – sie sind Ikonen der Architektur geworden und Meyer ETH-Professor.

Was sie entworfen haben, war der Zeit voraus und entsprach nicht den Vorgaben der kantonalen Stellen. Angesichts dieser greift man sich heute an den Kopf. Türbreiten von einem Meter waren ein No-Go. Die Vorgabe der Aarauer Subventionsfachleute lag bei 95 Zentimetern – ein Pflegebett wies eine Breite von 96 Zentimetern auf. Auch die Räume entsprachen nicht den kantonalen Normen – sie waren zehn Prozent zu gross. «Aarau kann uns», lautete die Devise – was sich auch im klaren Ja der Stimmberechtigten zum Projekt spiegelte. «Grosszügige Spenden aus der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft deckten die Mehrkosten», sagt Loretan. Alleine ein «Stadt- und Landfest» erbrachte einen Reingewinn von 130 000 Franken – dies 1979.

Anlässlich eines Treffens im Tanner zeigten sich die stellvertretende Leiterin des Seniorenzentrums, Doris Schmid, und Kommunikationschefin Miriam Dietschi auch heute noch begeistert. «Die damaligen Überdimensionen haben das Gebäude ohne grosse Massnahmen für die heutigen Bedürfnisse fitmachen lassen», sagt Schmid. Fitmachen? «Ja», erläutert Schmid. «Vor 50 Jahren trat man für mehrere Jahre in ein Altersheim ein. Heute – dank Spitex und je nach Bedarf betreutem Alterswohnen – kommen unsere Bewohnerinnen und Bewohner erst zu uns, wenn sie intensivere Pflege benötigen – nicht mehr für zehn oder mehr Jahre.» Viele Jahre im Heim lebende Menschen gebe es kaum mehr, ergänzt Dietschi. Und auch die Formen der Gebresten haben sich massiv verändert. Ein ganzes Geschoss und ein spezieller Garten sind heute für Menschen mit Demenz reserviert. So sehr der Tanner von aussen enorm modern wirkt, so heimelig mit viel Holz ist er in seinem Innern. Das mögen die Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch die Angestellten, sagt Dietschi.

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